Streubel Manfred
Schriftsteller, Lyriker
* 5.11.1932 Leipzig 10.7.1992 Gohlis bei Dresden Dresden, Waldfriedhof Weißer Hirsch
VLehrer
GND: 11916759X





S. war in der Zeit der DDR als freischaffender Lyriker und Schriftsteller tätig, erlangte aber auch durch Hörspiele und Kinderlieder Bedeutung. – Der Sohn eines Lehrers wuchs in Dahlen auf. Er besuchte die Oberschule in Wurzen und Oschatz, legte das Abitur ab und arbeitete danach als Volontär bei der Zeitung „Die Junge Welt“ sowie als Mitarbeiter am DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilm. 1953 bis 1957 studierte er Germanistik an der Humboldt-Universität in Berlin und war im Anschluss daran kurze Zeit als Lektor im Verlag Volk und Welt tätig. S. war zudem zeitweise Redakteur der Kinderzeitschrift „Fröhlich sein und singen“ (Frösi), schrieb Gedichte und Theaterstücke, später auch Hörspiele für Kinder. Bereits 1956 veröffentlichte er in der angesehenen Reihe „Antwortet uns!“ den Gedichtband „Laut und leise“, der ihn bekannt machte. S. geriet mit der DDR-Staatsmacht in Konflikt, als er im selben Jahr mit Manfred Bieler, Heinz Kahlau und Jens Gerlach auf dem zweiten Kongress junger Künstler in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) für einen größeren Spielraum im kulturellen Bereich eintrat. Ab 1963 lebte S. in Dresden und war fortan freischaffend, vorwiegend als Lyriker tätig. 1972 besuchte S. das Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ in Leipzig. – Sein Werk ist durch großen Beziehungsreichtum gekennzeichnet, sowohl zur Bildenden Kunst als auch zur Musik; zu Film und Theater pflegte er lebendige Kontakte. Der Gedichtband „Honig holen“ (1976) führt seine Leser mit heiteren und nachdenklichen Versen in das Reich der Kindheit. Im „Poesiealbum 228“ veröffentlichte S. Sonette, die ins Barockzeitalter führen und „neuartiges Nachdenken über den Menschen und die dialektische Tendenz in der barocken Antithetik“ provozieren. – Größere Bekanntheit erlangte sein „Lied der jungen Naturforscher“ (1950), welches von Gerd Natschinski vertont wurde und als eines der bekanntesten Kinderlieder der DDR gilt. S.s Verbindung zur Malerei wird an dem Kunstbildband „Mein Lausitzer Guckkasten“ von Max Langer deutlich, in dem er die berühmten Hinterglasbilder mit Volksreimen und Zeitdokumenten über das Leben der Weberfamilien ausstattete und sie mit eigenen Gedichten versah. Er begeisterte sich auch für die Werke des Dresdner Malers Klaus Drechsler, wie aus seinem Ausstellungsbericht von 1991 ersichtlich ist. – Nach der politischen Wende 1989/90 von Depressionen geplagt und ohne Hoffnung, sich in der neu formierenden Literaturszene etablieren zu können, setzte er seinem Leben 1992 ein Ende. – S. wurde vielfach für sein Werk ausgezeichnet, er erhielt u.a. 1962 und 1970 die Erich-Weinert-Medaille, 1968 den Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis der Stadt Dresden und 1970 den Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR. Im Dresdner Stadtteil Gohlis wurde ein Weg nach ihm benannt.



W  Schriften: Laut und leise, Berlin 1956; Zehn kleine Jägerlein, Berlin 1967, 31971; Zeitansage, Halle/Saale 1968; Honig holen, Halle/Saale 1976; Inventur, Halle/Saale/Leipzig 1978; mit M. Langer, Mein Lausitzer Guckkasten, Rudolstadt 1979; Wachsende Ringe, Halle/Saale/Leipzig 1980; Fazit, Halle/Saale/Leipzig 1983; Poesiealbum 228, Berlin 1986; Der Lebenslauf der Münze M., Berlin 1986; Zu Besuch bei Hölderlin, in: Sächsische Zeitung 19.7.1991, S. 1; Der stille Meister aus dem Wachwitzgrund, in: ebd. 23.12.1991, S. 7; Sells Haus, in: Meißner Tageblatt 21.10.1999; Fernsehspiel: Das jüngste Gericht von Rasselbach, 1965; Hörspiel: Da kam ein junger Königssohn, 1969; Singspiel: Icke und die Hexe Yu, Berlin 1971; Film: Unser Drache Kasimir, Berlin 1968; Theaterstück: Testfahrt nach Thule, 1985; Liedersammlung: Die vermasselte Mahlzeit, Halle/Saale 1987.

L  U. Ullrich, Er hatte die Würde, seinen Weg zu gehen, in: Sächsische Zeitung 16.7.1992; In der Zeit verletzt, die er erwartet hatte. Zum Tode des Dresdner Autors Manfred S., in: ebd. 16.7.1992; W. Liersch, Leben und Werk. Wird schon werden - Zum Tod von Manfred S., in: Neue deutsche Literatur 40/1992, Nr. 10; H.-J. Dost, Erinnerung an einen Freund, in: Via Regia 1/1993, Nr. 9; W. Kirsten/M. Wüstefeld/R. Scholz (Hg.), Gedenkminute für Manfred S., Dresden 1993; J. Serke, Manfred S.: Die Angst, die nicht weichen wollte, in: ders., Zuhause im Exil, München/Zürich 1998, S. 131-161; U. Dittmann, Manfred S., in: Ostragehege 26/2002; S. Golisch, Denn alle Gegenwart heißt: Widerstand. Erinnerung an Manfred S., in: Muschelhaufen 46/2006, S. 152-155. – DBA III; G. Albrecht u.a. (Hg.), Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller, Bd. 2, Leipzig 21974, S. 353f.; N. Weiss/J. Wonneberger, Dichter, Denker, Literaten aus sechs Jahrhunderten in Dresden, Dresden 1997, S. 182f.; M. Altner, Sächsische Lebensbilder, Radebeul 2001, S. 150f. (Bildquelle); R. Steinlein/H. Strobel/T. Kramer (Hg.), Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur: SBZ/DDR, Stuttgart 2006, Sp. 862, S. 1274; K. Franz/G. Lange/F.-J. Payrhuber (Hg.), Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, 37. Ergänzungslieferung, Meitingen 2009.



Manfred Altner
19.11.2009


Empfohlene Zitierweise:

Manfred Altner, Streubel, Manfred, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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