Friedrich Emil Ludwig (Gotthelf Emil Louis)
Maler, Kupferstecher
* 22.6.1827 Friedrichstadt bei Dresden 1.1.1916 Dresden
VJohann Heinrich August (1789-1843), StilllebenmalerMRahel Henriette, geb. WeissGElise († 1890)
GND: 116806702






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F. besuchte von April 1842 bis Ostern 1849 die Dresdner Kunstakademie. Nach dem Tod seines Vaters im Juni 1843 unterbrach er sein Studium für ein halbes Jahr und war zur Sicherung des Familienauskommens als Zeichenlehrer in Polen tätig. Ab 1847 wurde er unter Anleitung von Ludwig Richter im Zeichnen, Aquarellieren und in der Ölmalerei ausgebildet. Dabei gehörte F. nicht zum engeren Kreis der Landschaftsklasse Richters, sondern bekleidete eher die Stellung eines Hospitanten in dessen Meisteratelier. Wohl aus finanziellen Gründen wechselte F. die Fachrichtung und wurde 1849 Schüler bei dem an der Dresdner Akademie lehrenden Kupferstecher Julius Cäsar Thaeter. Als dieser Ende 1849 als Professor an die Münchner Akademie berufen wurde, folgte ihm F. für die nächsten sechs Jahre dorthin. Bei Thaeter lernte F. den streng zeichnerischen Linienstich. In dieser Manier reproduzierte er Werke von Moritz von Schwind,Julius Schnorr von Carolsfeld, Wilhelm von Kaulbach, Peter Cornelius und Karl Friedrich Veit. Um Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete F. an den von Ernst Förster herausgegebenen „Denkmalen deutscher Baukunst, Bildnerei und Malerei“ mit. Neben diesen Tätigkeiten stach er frei Bildnisse, Akte und Gewänder und widmete sich der Landschaftszeichnung. – 1855 kehrte F. nach Dresden zurück, wo er zunächst vom Verkauf von Aquarellbildnissen und kleineren Lithografien lebte. 1859 bis 1862 war er im Atelier des Dresdner Akademieprofessors und Direktors des Kupferstich-Kabinetts Ludwig Gruner tätig. Dieser unterwies ihn in der Technik des Tonstichs. Sein erstes Hauptblatt in dieser Manier war 1863/64 die Wiedergabe von Jacob Isaacksz van Ruisdaels „Der Judenfriedhof“ (1655/60, 1865 Dresdner Akademieausstellung), das im 1870 erschienenen dritten Band des Dresdner Galeriewerks enthalten war. Er fertigte weitere Kupferstiche nach Dresdner Bildern an, u.a. „Maria mit dem Kind“ (um 1670/80) von Bartholomé Esteban Murillo, „Die Ruhe auf der Flucht“ (1644) nach Ferdinand Bol und für das Neue Galeriewerk von Alexandre Calame „Der Waldstrom“ sowie nach Rudolf Jordans „Rettung aus dem Schiffbruch“ (1848) (1883 Dresdner Akademieausstellung). – 1864 bis 1866 arbeitete F. an einem großen Blatt nach Richters „Brautzug im Frühling“ (1847). Insgesamt stach F. sieben Blätter nach Gemälden von Richter und schuf Radierungen nach Bildern der Richter-Schüler Albert Venus, [Carl Wilhelm Müller 17998], Rudolf Schuster und [Eduard Leonhardi 10251]. Die Radierung wurde die dritte Art der grafischen Kunst, mit der sich F. meisterhaft auseinandersetzte. Von ihm stammt die völlig ohne Vorzeichnung entstandene Radierung „Simson, an der Hochzeitstafel das Rätsel aufgebend“, nach dem Gemälde Rembrandts aus der Dresdner Galerie (heute Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister). – Für die Mitglieder des Sächsischen Kunstvereins lieferte F. regelmäßig Jahresgaben. Das erste Blatt entstand 1859 nach Josef Mathias Trenkwalds „Tetzels Ablasspredigt“ und das letzte 1898 nach Adolf Schreyers „Artilleriekampf“. Dazwischen erschienen zahlreiche Blätter v.a. nach Gemälden sächsischer Künstler, sodass F. in der Art eines Hauskupferstechers und -radierers des Vereins fungierte. – Neben der Werkstattarbeit unternahm F. mehrere Studienreisen. 1859/60 erschienen acht Radierungen mit Ansichten der Sächsischen Schweiz, von einer viermonatigen Italienreise 1873 stammen 30 Aquarelle und Zeichnungen; Reisen in die Alpen sind für 1878 und 1884 nachweisbar. In seiner sächsischen Heimat zeichnete, tuschte und aquarellierte er eine große Anzahl von Bau- und Naturdenkmälern, wie Schlösser, Burgen, Kirchen, Städte, Bauerngehöfte, Dorfkerne, Bäume und geologische Formationen. Er schuf Bildniszeichnungen u.a. von Richter, Ernst Rietschel und seinem Onkel, dem Blumenmaler Carl Jacob Benjamin Friedrich. Ein weiteres Beispiel für das breit gefächerte Spektrum F.s ist das Entwerfen von Vorzeichnungen für den Holzschnitt. Er war an der Illustration von Werken zur deutschen Geschichte, Adelswappen und an einer in Leipzig erschienenen Künstlerbibel beteiligt. Ferner kopierte er Werke der Dresdner Gemäldegalerie (heute Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister), radierte nach Fotografien des Dresdners Hermann Krone und fertigte im Auftrag verschiedener Bildhauer Zeichnungen nach deren Werken an, u.a. Johannes Schillings „Die vier Tageszeiten“ auf der Brühlschen Terrasse in Dresden. Als Lehrer im Zeichnen, Aquarellieren und Radieren trat er ebenfalls in Erscheinung, zu seinen Schülern gehörte zeitweise der seinerzeit bedeutendste russische Radierer Nikolaj Semenovič Mosolov. – Bis 1903 war F. auf Ausstellungen der Dresdner Kunstakademie vertreten und 1902 wurde er zum Königlichen Professor ernannt. Da er Zeit seines Lebens kein offizielles Amt innehatte und somit keinen Pensionsanspruch besaß, war sein Alter von Armut gekennzeichnet.



W  Landstraße mit Bauernfuhrwerk, Zeichnung, Kunstsammlungen der Veste Coburg; Landschaft mit altem Eremit, Zeichnung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett; Landschaft mit Pilgerzug und Ziegenherde, Zeichnung, ebd.; Landschaft mit drei Pilgern; Landschaft mit stillender Mutter, Zeichnung, ebd.; Landschaft mit Hirschhorn am Neckar, Zeichnung, ebd. (alle fünf Pausen nach Philipp Fohr); Szene in Rom, Trastevere, Zeichnung, ebd.; Blick von der Rottmannshöhe, 1850, Zeichnung, ebd.; St. Afra in Meissen, Zeichnung, ebd.; Die Brießnitzer Kirche; Jagdhaus Siebeneichen, 1867, Zeichnung, ebd.; Die Voigtsburg, Zeichnung, ebd.; Schloss Hinterglauchau, Zeichnung, ebd.; Das Dorf Plauen bei Dresden, Zeichnung, ebd.; Kirche zu Mahrsbad, Zeichnung, ebd.; Kirche zu Geyer, Zeichnung, ebd.; Am Großen Garten, Zeichnung, ebd.; Bergfeste Hohenwerfen mit dem Städtchen Werfen, 1884 (seit 1945 verschollen), Zeichnung, ebd.; Bildnis Adrian Ludwig Richter, 1850, Zeichnung, ebd.; Bildnisskizze Felix Draeseke, Zeichnung, ebd.; Bildnis des Historienmalers H. Collischon, Zeichnung, ebd.; Bildnis des Hofblumenmalers Carl Jacob Benjamin Friedrich, Zeichnung, ebd.; Bildnis des Holzschnitzers G. Jördens, Zeichnung, ebd.; Bildnis des Bildhauers Schwenk, Zeichnung, ebd.; Ein Faun lernt dem kleinen Satyr das Beckenschlagen, Druckplatte für Holzstich, ebd.; Blick vom Elbufer in Cotta, 1848, Bleistiftzeichnung, Stadtmuseum Dresden; Bildnis Louis Nitzschke, 1843, Bleistiftzeichnung, ebd.; Bildnis Felix Draeseke, 1859, Bleistiftzeichnung, ebd.; Doppelbildnis des Musikers Bähr und des Komponisten Kretzschmer, 1859, Bleistiftzeichnung, ebd.; Bildnis Friedrich August Oswald Kleinig, Bleistiftzeichnung, ebd.; Auf dem alten Johanniskirchhof nach einem Gewitter, 1846, aquarellierte Bleistiftzeichnung, ebd.; Auf dem eingegangenen Johanniskirchhofe, 1846, aquarellierte Bleistiftzeichnung, ebd.; Dresden im Ostragehege, 1901, aquarellierte Bleistiftzeichnung, ebd.; Mühle, 1861, Sepiazeichnung, ebd.; Dorfstraße an der Weißeritz in Plauen bei Dresden, 1847, Aquarell, ebd.; Eratische Blöcke, 1854, Ölskizze, ebd.; Erntetag am Starnbergersee, Zeichnung, Lenbach Haus München; Ansicht von Rom; Die Rochsburg, 1847, Zeichnung, Staatsgalerie Stuttgart.

L  A. Meiche, Maler der sächsischen Schweiz, Teil II: Ludwig F., in: Über Berg und Thal 23/1900, S. 209f.; H. W. Singer, Allgemeiner Bildniskatalog, Bd. 4, Leipzig 1936, Nr. 29648-29656; K. J. Friedrich, Liebenswerte Künstlergestalten um Ludwig Richter, Leipzig 1942, S. 101-114; W. Hentschel, Bibliographie zur sächsischen Kunstgeschichte, Berlin 1960. – AKL, Bd. 45, München/Leipzig 2005, S. 165f.; DBA I, II, III; DBE 3, S. 480; Thieme/Becker, Bd. 12, Leipzig 1995, Bd. 12, S. 472f.

P  R. Petri, 1849, Gemälde, verschollen; G. Reibisch, Gemälde, verschollen; C. Bertling, Gemälde (1889 von F. radiert, unter dem Titel „Der Raucher“, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett.).



Martin Schuster
9.4.2010


Empfohlene Zitierweise:

Martin Schuster, Friedrich, Emil Ludwig (Gotthelf Emil Louis), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.8.2017)

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