Krehl Christoph Ludolf Ehrenfried
Orientalist, Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek Leipzig
* 29.6.1825 Meißen 15.5.1901 Leipzig(ev.)
VAugust Ludwig Gottlob (1784-1855), Pfarrer, Professor für Theologie an der Universität LeipzigMLuise, geb. von Ammon (1797-1873)1860 Julie, geb. Wiesand († 1898)SAlbrecht Ludolf, seit 1904 von Krehl (1861-1937), Mediziner; Stephan (1864-1924), Musiker, Direktor des Konservatoriums Leipzig
GND: 116514477

K. entstammte väterlicher- und mütterlicherseits Theologen- und Gelehrtenfamilien. Bereits im Alter von 13 Jahren erhielt er Privatunterricht in Hebräisch bei Gustav Moritz Redslob. Nach dem Schulbesuch immatrikulierte sich K. 1843 als Student der Theologie sowie der orientalischen und semitischen Sprachen an der Universität Leipzig. Er hörte dort u.a. Vorlesungen in arabischer, persischer und türkischer Philologie bei Heinrich Leberecht Fleischer, der ihn wahrscheinlich auch auf den reichen Bestand an orientalischen Handschriften in der Königlichen öffentlichen Bibliothek Dresden (KÖB) aufmerksam machte. Am 30.3.1846 wurde K. mit einer Arbeit über das Thema „Beiträge zur Charakteristik der Lehre vom Glauben im Islam“ von der Universität Leipzig zum Dr. phil. promoviert. Anschließend ging er für zwei Semester an die Universität Tübingen, um Lehrveranstaltungen bei dem Theologen und Orientalisten Heinrich Georg August Ewald zu hören. Dessen stark subjektivistische Art, auch mit Spekulation und Synthese in der Wissenschaft zu arbeiten, und dessen Schwerpunkt auf das religiöse Leben nahmen wesentlichen Einfluss auf K.s Arbeitsweise. Er bezeichnete sich später auch als Schüler Ewalds. Während des Studiums entwickelte sich K.s Vorliebe für die islamische Mystik, weshalb ihn in Tübingen besonders die arabischen, äthiopischen und persischen Handschriften der Universitätsbibliothek interessierten. Sein 1848 erschienenes Buch „Die Erfreuung der Geister von Omar Ben Sulaiman“ erhielt gute Kritiken. – Nach einer kurzen Rückkehr nach Leipzig sowie Studienaufenthalten in Gotha und Paris lebte K. 1851 ein Jahr lang in St. Petersburg (russ. Sankt-Peterburg). 1852 erhielt er eine Anstellung an der KÖB und wurde dort am 15.11.1854 zum Zweiten Bibliothekssekretär ernannt. Während seiner Tätigkeit an der KÖB konnte er sich weiter wissenschaftlich profilieren. Das gemeinsam mit Gustave Dugat, William Wright und Reinhart Dozy 1855 herausgegebene Werk „Analectes sur l’histoire et la littérature des Arabes d´Espagne, par Al-Makkari“ ist eines der wichtigsten Bücher zur Geschichte Spaniens in islamischer Zeit. – Aufgrund seiner hervorragenden Kenntnisse wurde K. 1861 zum außerordentlichen Professor für orientalische Philologie an der Universität Leipzig ernannt. Auf Betreiben der sächsischen Staatsregierung wurde er gleichzeitig als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Leipzig angestellt. Am 21.3.1861 wurde K. daraufhin aus dem Dienst der KÖB entlassen. Er widmete sich als Bibliothekar in Leipzig v.a. den Orientalia, deren Bestand er, zu Lasten anderer Fächer, wesentlich vermehrte und z.B. orientalische Handschriften und Papyri ankaufte. Die Weitsicht K.s bei der Erwerbung dieser Papyri ist bemerkenswert, gehörten doch diese ägyptischen Aufzeichnungen damals noch nicht zu den gefragten Sammelgütern. Die Auswahl über die anzuschaffenden Bücher traf er meist allein. 1869 wurde K. ordentlicher Professor für orientalische Philologie an der Universität Leipzig und Zweiter Oberbibliothekar an der Universitätsbibliothek. 1874 bis Februar 1892 amtierte er als leitender Oberbibliothekar an der Universitätsbibliothek und verantwortete in dieser Funktion u.a. den Umzug seiner Einrichtung in den Neubau der Bibliotheca Albertina im Herbst 1891. Er erwarb für die Bibliothek die Goethesammlung von Salomon Hirzel, mehrere Privatbibliotheken (z.B. die juristische Sammlung Gustav Friedrich Hänels sowie medizinische Sammlungen von Justus Wilhelm Martin Radius, Hermann Heinrich Ploß und Johann Nepomuk Czermak). K. förderte die wissenschaftliche Arbeit seiner Bibliotheksangestellten, die er als Ausweis der Leistungsfähigkeit einer Bibliothek ansah. Der Bibliothekar sollte in dem studierten Fach weiterarbeiten, damit er nicht durch die bibliothekarisch-technische Tätigkeit sowie durch bloße Verwaltungsarbeit der Wissenschaft entfremdet würde. Als Ordinarius für orientalische Philologie hielt er Vorlesungen in arabischer, syrischer und äthiopischer Philologie, in den ersten Jahren auch in Hebräisch. Er musste sich dabei gegen seinen ehemaligen Mentor Fleischer behaupten, der noch bis 1887 Vorlesungen hielt und im Jahr darauf starb. K. ergänzte Fleischers Veranstaltungen mit eigenen Vorlesungen. Im Sommersemester 1898 wurde K. aus Altersgründen von den Vorlesungen entbunden, ein Jahr später schied er aus der Universität aus. – K.s mustergültige Übersetzungen orientalischer Texte finden heute noch in der wissenschaftlichen Forschung Beachtung. Er widmete sich publizistisch fast ausschließlich arabischen Religionsthemen. In seinen Studien bemühte sich K. um einen vorurteilsfreien, nicht mehr durch religiöse Vorbehalte beschränkten Blick auf die islamische Welt. Er würdigte Mohammed als Religionsstifter und verdeutlichte die kulturelle Höhe des Islams im Mittelalter. K. war 1864 bis 1873 und 1881 bis 1895 einer der Herausgeber der Zeitschrift der Deutschen morgenländischen Gesellschaft, zu deren ersten Mitgliedern er gehörte. 1866 bis 1873 war er Redakteur der Zeitschrift, 1864/65 und 1881 bis 1895 gehörte er dem Vorstand der Gesellschaft als Bibliotheksbeauftragter an.



W  Die Erfreuung der Geister von Omar Ben Sulaiman, Leipzig 1848; De numis muhammadanis in Numophyklacio Regio Dresdensi asservatis commentatio, Leipzig 1856; mit G. Dugat/W. Wright/R. Dozy (Hg.), Analectes sur l’histoire et la littérature des Arabes d’Espagne, par Al-Makkari, 2 Bde., Leiden 1855/61 (ND Amsterdam 1967); Le recueil des traditions Mahométanes, par Abou Abdallah Mohammed ibn Ismaîl el-Bokhari, 3 Bde., Leiden 1862-1868; Ueber die Religion der vorislamischen Araber, Leipzig 1863 (ND Amsterdam 1972); Die koranische Lehre von der Praedestination und ihr Verhältniß zu andern Dogmen des Islam, in: Berichte über die Verhandlungen der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-Historische Klasse 22/1870, H. 2, S. 40-114; Beiträge zur Charakteristik der Lehre vom Glauben im Islam, Leipzig 1877; Ueber die Sage von den Verbrennungen der Alexandrinischen Bibliothek durch die Araber, Florenz 1880; Das Leben und die Lehre des Muhammed, Leipzig 1884.

L  E. Zarncke, Ludolf K. †, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 18/1901, S. 616-618; A. Fischer, Nachruf auf Ludolf K., in: Berichte über die Verhandlungen der philologisch-historischen Klasse 53/1901, S. 63-74. – DBA I, II, III; DBE 6, S. 90; NDB 12, S. 732f.; W. Haan (Hg.), Sächsisches Schriftsteller-Lexicon, Leipzig 1875, S. 179; Brockhaus Konversationslexikon, Bd. 10, Leipzig 141902, S. 705; A. Bettelheim (Hg.), Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog 6/1904, Totenliste, S. 58f.; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 359.

P  Christoph Ludolf Ehrenfried K., Fotografie, in: Gartenlaube 1901, H. 7, Beilage 3, S. 1 (Bildquelle).



Konstantin Hermann
19.9.2011


Empfohlene Zitierweise:

Konstantin Hermann, Krehl, Christoph Ludolf Ehrenfried, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.4.2017)

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