Riedel Karl (Carl) Louis
Lehrer, Heimat- und Mundartdichter
* 29.4.1847 Gelenau/Erzgebirge 21.3.1919 Plauen Plauen
VFabrikarbeiter1871 Christiane Luise, geb. Hager, Bauerntochter aus MeßbachK9
GND: 12192422X


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Als Sohn eines Fabrikarbeiters hatte R. eine entbehrungsreiche Kindheit. Seine Schulbildung erhielt er in der Fabrikschule. Die Unterstützung, die er während des Besuchs des Annaberger Lehrerseminars 1861 bis 1866 durch dessen Direktoren sowie durch „Menschen- und Schulfreunde aus der Annaberger Bürgerschaft“ erfuhr, konnte ihm nur eine begrenzte Hilfe sein. 1866 erhielt er seine erste Anstellung als Lehrer im vogtländischen Gottesberg. Im folgenden Jahr wurde er nach Meßbach bei Plauen versetzt, wo er eine Dorfschule mit Fortbildungsschule verwaltete. R.s erste Dichtungen stammen aus den 1860er-Jahren. Eine zwischen 1867 und 1871 selbst hergestellte und vorwiegend in hochdeutscher Sprache verfasste Zeitung gelangte nicht in die Öffentlichkeit. Allerdings war R. mit diversen Gelegenheitsdichtungen erfolgreich. 1883 erschien sein erster Band mit vogtländischen Dialektdichtungen, die sehr gegensätzlich beurteilt wurden. Unterstützung und Beratung fand er u.a. bei dem Dresdner Philologen Hermann Dunger. Bis zu R.s Tod kam eine Reihe von 37 Bänden mit Liedern, Gedichten, Dorferzählungen und einigen Theaterstücken zustande. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand und der Übersiedlung nach Plauen 1910 blieb er dichterisch tätig. – R. gilt als Begründer und Stammvater der vogtländischen Mundartdichtung. In seinen Dialektdichtungen in Prosa und Versen, die er auch in Zeitschriften, Zeitungen und Kalendern publizierte, reflektierte er die Sprache und die Bräuche des Vogtlands. 1907 wurde er zum Oberlehrer ernannt, zudem wurde ihm der Titel Hofrat verliehen.



W  Gesammelte Schriften, 37 Bde., Plauen 1883-1919; Mein Lebenslauf, in: Unser Vogtland. Monatsschrift 12/1894, H. 9, S. 348-353; Hans Föditsch oder Der vogtländische Bauernkrieg, Plauen 1896; Humoristische Erzählungen in vogtländischer Mundart, 3 Bde., Plauen 1897; R.s Gedichte und Erzählungen in vogtländischer Mundart, Leipzig 1897, 15 Bde.

L  G. Doehler, Karl Louis R. und seine Schriften in vogtländischer Mundart, Plauen 1893; ders., Riedel-Gedenkbuch mit Beiträgen vogtländischer und stammverwandter Dichter und Künstler, Plauen 1907 (Bildquelle); E. Gerbet, Unserm R. zum Nachruf, in: Mittheilungen des Vereins für Sächsische Volkskunde 8/1919, H. 12, S. 330f.; H. Müller, Wie Louis R. berühmt wurde, in: Vogtländische Heimatblätter 9/1989, H. 6, S. 4-6; A. Mündler, Dem unvergessenen Mundartdichter zu Ehren, in: ebd. 14/1994, H. 2, S. 11f. (P); H. Müller, Am Grab Louis R.s, in: ebd. 16/1996, H. 5, S. 5-7 (P); H. Fröhlich, Weihnachten bei Louis R., in: ebd. 17/1997, H. 6, S. 10f.; H. Zehmisch, Carl Louis R., in: Ärzteblatt Sachsen 13/2002, H. 2, S. 80 (P). – DBA II, III; H. Fröhlich, Karl Louis R., in: Berühmte Vogtländer, Plauen 1997, S. 76 (P).



Brigitte Emmrich †
21.3.2011


Empfohlene Zitierweise:

Brigitte Emmrich †, Riedel, Karl (Carl) Louis, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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