Minckwitz (zu Lindenau, Drehna, Tetau) Loth Gotthard von
Rat, Amtshauptmann, Landeshauptmann der Niederlausitz
* 11.2.1611 Lindenau bei Ortrand 9.2.1678 Dresden Lindenau
VGeorg Caspar d.Ä. (1576-1614), kaiserlicher RatMMaria (1576-1611), geb. von Wolfersdorf zu GörlisdorfGGeorg Caspar d.J., in Diensten des Herzogs von Holstein; Maria Elisabeth1640 Ursula, geb. Gersdorf (zu Doberschütz) († 1679)PflegeTCharlotte Eleonore Freiin von Blumenthal
GND: 120390361

M. erlangte durch seine Dienste bei mehreren sächsischen Kurfürsten großes Ansehen und bekleidete hohe Verwaltungsämter. Er war sowohl kurfürstlich sächsischer Rat, Amtshauptmann der Ämter Dobrilugk und Finsterwalde als auch Landeshauptmann der Niederlausitz. – M. wurde bereits in seinem vierten Lebensjahr Vollwaise, weswegen er bis zum Alter von elf Jahren von den Schwestern seiner Mutter aufgezogen wurde. Daran anschließend war M. zwei Jahre Page bei dem Woywoden von Polen. Dort ging es ihm nach eigener Aussage so schlecht, dass er die Flucht ergriff und zu seiner Tante zurückkehrte, bevor er durch Vermittlung Albrecht von Wolfersdorffs zu Torna an den Hof der Kurfürstinwitwe Hedwig von Dänemark in Lichtenburg bei Prettin (heute Brandenburg) kam. Von ihr wurde M. an den dänischen Königshof weiterempfohlen, wo er dann elf Jahre als Page des dänischen Kronprinzen Christian tätig war. Während dieser Zeit fuhr M. zur See und erlitt gemeinsam mit dem Kronprinzen in einem Gefecht bei Jütland Schiffbruch. Ein Angebot des dänischen Königs Christian IV., für drei Jahre an den französischen Königshof zu gehen, lehnte M. jedoch wegen der kriegerischen Situation im Reich ab. Er kehrte in seine Heimat zurück, wo er in die sächsische Armee eintrat und zum Leutnant aufstieg. In dieser Zeit als Soldat geriet M. 1634 in eine Auseinandersetzung mit dem Korporal Fritz Kölbel und wurde wegen Mordvorwurfs zunächst verurteilt, später jedoch begnadigt. – M. löste um 1640 das verpfändete Familiengut Lindenau ein, das ihm 1651 vom Kurfürsten Johann Georg I. als erbliches Gut übertragen wurde. Die Ehe mit Ursula von Gersdorf blieb kinderlos. – 1647 nahm M. an der Beisetzung des dänischen Kronprinzen Christian in Dresden teil. Nachdem er bereits seit 1641 in einen Ausschuss der Bautzener Landstände aufgenommen worden war, wurde er 1648 zum Ältesten der Bautzener Landstände ernannt. In dieser Position verblieb er in den nächsten zehn Jahren. 1656 ernannte ihn zudem Kurfürst Johann Georg I. zum Leutnant über die Thüringischen Ritterpferde. Sein Sohn Johann Georg II. nahm ihn 1658 in den kurfürstlichen Rat auf. Im gleichen Jahr bestallte ihn Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg zum Amtshauptmann der Ämter Dobrilugk und Finsterwalde. Durch diese Berufung legte M. sein Amt in den Bautzener Landständen nieder und verwaltete die Amtshauptmannschaft in den folgenden zehn Jahren, bevor er zum Landeshauptmann der Niederlausitz ernannt wurde. Am 28.5.1663 nahm er in seinen Positionen als kurfürstlicher Rat und Amtshauptmann als einer der zehn Pares Curiae an einem Mannlehngericht in Bautzen (sorb. Budyšin) teil. – 1668 ließ er auf eigene Kosten in Lindenau die hölzerne Kirche abtragen und die heutige Heilandskirche errichten. 1678 verstarb M. nach kurzer Krankheit in Dresden.



Q  P. Herpestus/S. C. zu Lynar, Unersinnliche Himels-Liebe bey Hoch-Ansehnlichen Leichen-Begängnüß des weiland hoch-Wohl-Edelgebohrnen herrn/ herrn Loth Gotthards von Minckwitz auf die Herrschaft Drehna / Lindenau und Tetau / Chur-und Hoch-Fürstlichen Sächs. Raths / auch des Marggratthums Nieder-Lausiz hoch-verdient-gewesenen Landes-Hauptmanns, Dresden 1678 [Leichenpredigt].

L  G. H. Wiege, Chronik der Familie von Minckwitz. Linie Breitenhain, Sonnewalde, Drehna, Frankfurt/Main 2001 (P); W. von Boetticher, Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635-1815, Bd. 2, Görlitz 1913, S. 209f.



Gregor Paschke
18.1.2016


Empfohlene Zitierweise:

Gregor Paschke, Minckwitz (zu Lindenau, Drehna, Tetau), Loth Gotthard von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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