Pflüger (Schwabe, Swab, Sbob) Konrad (Conrad, Curd, Kunz, Meister Konrad)
Steinmetz
* vor 1477 1505 Meißen
S1
GND: 129059587





P. zählte zu den herausragenden Architekten der Spätgotik in Mitteleuropa, wenngleich sich sein genauer Anteil an einzelnen Bauten bzw. seine Rolle im spätmittelalterlichen Baubetrieb Sachsens und der Oberlausitz nicht in jedem Fall genau bestimmen lässt. Über Jahre war er auf Baustellen in Sachsen, Schlesien, Böhmen und der Oberlausitz tätig. Seine Werke, v.a. seine Leistungen im Kirchenbau, wirkten bis weit ins 16. Jahrhundert in der Baukultur dieser Länder nach. – P. war vermutlich zwischen 1477 und 1481 als Parlier unter Arnold von Westfalen auf der Baustelle der Meißener Albrechtsburg tätig und könnte dort auch seine Steinmetzausbildung erhalten haben. Die Kenntnisse, die er sich in Meißen erwarb, bestimmten seine spätere Tätigkeit. In den Quellen zu nachfolgenden Bauten erscheint P. unter verschiedenen Namen, was in der kunsthistorischen Forschung Anlass für eine Reihe von Zuschreibungen gab, die bisher nicht zusammenhängend kritisch überprüft wurden. Nach dem Tod Arnolds stand er ab 1482 neben einem gewissen Parlier Kilian wohl als leitender Werkmeister der Albrechtsburg-Baustelle vor. So entstand wahrscheinlich unter seiner Aufsicht der Nordflügel dieses wegweisenden Schlossbaus. Ob P. aber tatsächlich, wie zuletzt von S. Bürger (2010) angenommen, das Amt eines kurfürstlich sächsischen Landeswerkmeisters innehatte, muss offen bleiben, da keine entsprechenden Schriftquellen überliefert sind. Zweifellos war er jedoch vielfach für die sächsischen Landesherren tätig; so entstand vermutlich ebenfalls unter seiner Aufsicht 1484/85 der Albrechtsbau des Schlosses Hartenfels zu Torgau. – 1488 trat P. als Nachfolger des Stadtwerkmeisters Thomas Neukirch in den Dienst der Stadt Görlitz. Zwei Jahre später erneuerte der Görlitzer Rat den Anstellungsvertrag mit dem Steinmetz, der nun für unbestimmte Zeit mit dem städtischen Werkmeisteramt bestallt wurde. Der Rat band P. fester an sich, da die Fertigstellung der Pfarrkirche St. Peter und Paul bevorstand, für die man einen versierten Fachmann benötigte. Zu P.s Aufgaben als Görlitzer Stadtwerkmeister gehörte die Planung und bauliche Instandhaltung der städtischen Profanbauten sowie der dem Rat unterstehenden Sakralbauten. Des Weiteren beaufsichtigte P. wesentliche Teile des Bauwesens in der Neißestadt. Ihm hatten sich nicht nur alle in städtischen Diensten tätigen Werkleute unterzuordnen, auch Berufungen neuer Bauhandwerker zu den städtischen Bauvorhaben bedurften seiner Zustimmung. Darüber hinaus wurden alle Görlitzer Steinmetze und Maurer dazu verpflichtet, bei vierteljährlich anberaumten Versammlungen den Anweisungen des Stadtwerkmeisters Folge zu leisten. Doch scheint P. mit diesen weitreichenden Befugnissen noch nicht zufrieden gewesen zu sein. Drei Jahre nach seiner Anstellung drohte er mit seinem Weggang aus Görlitz, um einen noch vorteilhafteren Vertrag auszuhandeln. Die Stadt lenkte ein und verbesserte nicht nur P.s Einkünfte deutlich, sondern sicherte ihm außerdem zu, dass sein Sohn nach der Priesterweihe eine Altarpfründe an St. Peter und Paul erhalten sollte. Unter P.s Aufsicht arbeiteten ab 1491 die Steinmetze Urban Laubanisch (Laurisch) und Blasius Börer an der Errichtung der Seitenschiffe und ab 1495 an der Wölbung der Görlitzer St. Peter und Paul-Kirche. Für die Wölbung wurde zwischen dem Rat und dem Werkmeister ein eigener Vertrag auf Grundlage eines detaillierten Voranschlags abgeschlossen, den P. zuvor geliefert hatte. Ab 1490 arbeitet er auch am Heiligen Grab, das aber erst von seinen Nachfolgern im Amt des Stadtwerkmeisters um 1504 fertiggestellt wurde. – Von Görlitz aus begab sich P. als begehrter Baufachmann mehrfach auf Reisen. So lieferte er Pläne nach Böhmisch Aicha (tschech. Český Dub), wobei unklar bleibt, um welches Bauprojekt es sich handelte. 1492 reiste er nach Löwenberg (poln. Lwówek Şląski), um dort beim Ausbau des Stadtmauerrings beratend tätig zu sein. Für die aufstrebende schlesische Tuchmacherstadt projektierte er ab 1493 auch den Umbau der Stadtpfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, v.a. deren Wölbung, die jedoch 1512 wieder einstürzte. Auf seinem Entwurf scheint auch die zwischen 1494 und 1496 entstandene Langhauswölbung der Leipziger Thomaskirche zu beruhen, für die der Gewölbeplan der Görlitzer Stadtkirche adaptiert wurde. Des Weiteren werden ihm die Wölbung der ehemaligen Dresdner Kreuzkirche (ca. 1492-1499), der ehem. Franziskanerkirche St. Peter und Paul (heute „Alltagskirche“) zu Torgau (1496) und die Langhauswölbung des Doms St. Marien zu Freiberg (um 1499) zugeschrieben. Allerdings achtete der Görlitzer Rat auch darauf, dass der Stadtwerkmeister nicht zu viele Anfragen von außerhalb übernahm. So erteilte die Stadtregierung 1496 dem sächsischen Kurfürsten Friedrich III. (der Weise) eine Absage, der sich den Rat des Werkmeisters einholen wollte, was auch gegen eine zeitgleich angenommene Bestallung P.s als kurfürstlich sächsischer Landeswerkmeister spricht. Der Görlitzer Rat begründete dies mit der gerade im Bau befindlichen Stadtkirche, die hohe Kosten verursache und für deren zügige Fertigstellung man die volle Aufmerksamkeit des Stadtwerkmeisters benötige. Trotz seines vorteilhaften Vertrags kündigte P. 1497 die Görlitzer Stellung, nachdem die St. Peter und Paul-Kirche im gleichen Jahr fertiggestellt worden war, und verlegte seinen Wohnsitz nach Meißen. Von dort aus war er - dann eventuell in der Funkion des landesherrlich bestallten Werkmeisters - in den Folgejahren auf verschiedenen Baustellen im albertinischen und ernestinischen Sachsen tätig. Seit ca. 1500 ist er als aufsichtsführender Werkmeister auf der Baustelle der von Kurfürst Friedrich errichteten Wittenberger Schlosskirche nachweisbar, die bis 1506 als Nordflügel der Schlossanlage entstand. Ab 1503 schließlich wurde das Collegium Fridericianum als erstes Gebäude der Wittenberger Universität wohl nach Plänen P.s und des Steinmetzen Claus Heffener errichtet. Vermutlich stammen von P. auch Plankorrekturen für die 1498 begonnene St. Annenkirche in Annaberg, deren Grundstein er 1502 gelegt haben soll. Darüber hinaus wird seine Mitwirkung am Bau der Hallenser Moritzburg durch Kardinal Albrecht von Brandenburg vermutet, die Ähnlichkeit mit der Wittenberger Schlossanlage besitzt. Das Sterbedatum P.s lässt sich aus den überlieferten Quellen nur annähernd bestimmen und liegt etwa zwischen dem 10.2. und 28.5.1505.



W  Albrechtsburg Meißen, Beteiligung am Bau, ca. 1477-ca.1485; Schloss Torgau, Albrechtsbau, 1484/85; Schloss und Schlosskirche Wittenberg, Planungen, ab 1488; Heiliges Grab Görlitz, Beteiligung am Bau, ca. 1490-1497; Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul Görlitz, Seitenschiffe und Gewölbe, 1491-1497; Stadtmauerring Löwenberg, Beratung beim Ausbau, 1492; Kreuzkirche Dresden, Wölbung, ca. 1492-1499 (Zuschreibung); Stadtpfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt Löwenberg, Umbau und Fertigstellung, um 1493; Thomaskirche Leipzig, Entwurf des Gewölbes, 1494/96; Franziskanerkirche Torgau, Wölbung, 1496 (Zuschreibung); Kreuzkirche Dresden, Beratung zum Wiederaufbau, 1498; St. Annenkirche Annaberg, Planung bzw. Plankorrektur des Baus, um 1498-1502; Dom St. Marien Freiberg, Langhauswölbung, 1499 (Zuschreibung); Collegium Fridericianum der Universität Wittenberg, Planung des Baus, 1503.

L  C. Gurlitt, Kunst und Künstler am Vorabend der Reformation, Halle/Saale 1890, S. 61-64; H. Lutsch, Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Schlesien, Bd. 3: Der Regierungsbezirk Liegnitz, Breslau 1891, S. 638, 677; C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, H. 40: Meißen (Burgberg), Dresden 1919, S. 397f.; E. Ullmann (Hg.), Geschichte der deutschen Kunst 1470-1550, Architektur und Plastik, Leipzig 1984, S. 79, 134, 143f., 148, 151, 159f., 210, 213; G. Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen 1: Regierungsbezirk Dresden, München/Berlin 1996, S. 131, 371, 382, 543, 574; ders., Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen 2: Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München/Berlin 1998, S. 7, 478, 496, 958; ders., Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt 2: Die Regierungsbezirke Dessau und Halle, München/Berlin 1999, S. 272, 488, 490f., 498; F. Bischoff, Die Anstellungsverträge des Konrad P. als Görlitzer Stadtwerkmeister, in: T. Torbus (Hg.), Die Kunst im Markgraftum Oberlausitz zur Zeit der Jagiellonenherrschaft, Ostfildern 2006, S. 35-46; G. Habenicht, Die Einwölbung von St. Peter-und-Paul in Görlitz (1490-1497), in: ebd., S. 47-60; S. Bürger/M. Winzeler, Die Stadtkirche St. Peter und Paul in Görlitz, Dößel 2006, S. 75-89; S. Bürger, Technologie und Form. Monumentalisierung und Perfektion der sächsischen Baukunst unter Konrad P. (1482-1507), in: ders./B. Klein (Hg.), Werkmeister der Spätgotik. Personen, Amt und Image, Darmstadt 2010, S. 193-215; K. Wenzel, Reisende Architekten und Baumeister in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Konrad P., Ezechiel Eckhardt und Johann Christoph von Naumann, in: W. Müller/S. Steinberg (Hg.), Menschen unterwegs. Die via regia und ihre Akteure. Essayband zur 3. Sächsischen Landesausstellung, Dresden 2011, S. 106-113. – DBA II; J. Turner (Hg.) The Dictionary of Art, Bd. 24, London/New York 1996, S. 586 (WV); Thieme/Becker, Bd. 26, Leipzig 1999, S. 534.



Kai Wenzel
4.2.2019


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Pflüger (Schwabe, Swab, Sbob), Konrad (Conrad, Curd, Kunz, Meister Konrad), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.3.2019)

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