Krebs (Creps, Kreibs) Konrad (Conrad, Cunz, Cuntz, Kunz)
Baumeister, Steinmetz
* 1492 1.9.1540 Torgau Torgau, Spitalkirchhof, Grabplatte heute im Schloss Hartenfels in Torgau

GND: 129307467


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K. war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Baumeister im ernestinischen Kurfürstentum Sachsen tätig. Mit dem Johann-Friedrich-Bau des Schlosses Hartenfels in Torgau schuf er eine großartige frühneuzeitliche Schlossanlage, deren Architekturformen im deutschen Schloss- und Rathausbau bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts lebendig blieben. K. verhalf der Renaissance im ernestinischen Sachsen zum Durchbruch. – K.s Herkunft lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen. Inwieweit ein Steinmetz aus Königshofen, der sich für den Bau der Moritzkirche in Coburg nachweisen lässt, mit K. gleichzusetzen ist, muss offen bleiben. 1520 wurde K. von der Stadt Coburg als Steinmetz angestellt. Er leitete dort die Umgestaltung der Moritzkirche, deren Langhaus seit 1518 ausgebaut wurde. Sein Steinmetzzeichen ist an der Nordseite der Kirche nachweisbar. Am 26.1.1525 übertrug man K. das Bürgerrecht der Stadt Coburg. – 1532 wurde K. zum Werk- und Baumeister Kurfürst Johann Friedrichs (der Großmütige) von Sachsen berufen. Laut Bestallungsurkunde erhielt K. zunächst nur eine geringe Entlohnung, so ein Getreidekontingent und zweimal jährlich ein Hofkleid. Die 1538 ausgestellte Dienstverschreibung auf Lebenszeit gewährte bessere Konditionen: K. bekam zusätzlich einen jährlichen Lohn von 50 Gulden, außerdem wurde ihm die Erstattung von Reisekosten zugesichert. Seit 1532 wohnte K. mit seiner Familie in Torgau im ehemaligen Franziskanerkloster. – 1533 bis 1536 erbaute K. den Johann-Friedrich-Bau des Schlosses Hartenfels in Torgau. Der prächtige Schlossflügel, geziert durch Giebel und einen vorgelegten Gang, gilt als Meisterleistung der sächsischen Renaissance, obgleich manche Bauformen, etwa die Schlingrippengewölbe des Wendelsteins und die Vorhangbogenfenster, noch von der spätgotischen Bautradition geprägt sind. Die Hoffassade wird durch den auf einem rechteckigen Unterbau angeordneten großen Wendelstein beherrscht. K. verband hier traditionelle Motive, die auf den wettinischen Schlossbau des 15. Jahrhunderts zurückzuführen sind, mit neuartigen Formen französischer oder italienischer Herkunft. Der Wendelstein ist als modernisierte Umsetzung des Großen Wendelsteins der Albrechtsburg in Meißen zu verstehen. Den Johann-Friedrich-Bau schmückte K. mit Reliefs im Renaissancestil. Die an herausragender Stelle angebrachten Porträtreliefs, Monogramme und Wappenzeichen K.s sind Zeichen seiner hohen Wertschätzung als Baumeister am sächsischen Hof. – Darüber hinaus wurden K. - hauptsächlich aufgrund seines Steinmetzzeichens - eine ganze Reihe von Bauten zugeschrieben. So soll er Baumaßnahmen am Rathaus und am früheren Franziskanerkloster in Wittenberg geleitet haben und an der Umgestaltung des kurfürstlichen Schlosses in Weimar beteiligt gewesen sein. Dafür gibt es aber keine sicheren Belege. Bekannt ist nur, dass K. auch nach 1532 für den Coburger Rat tätig war. 1533 und 1534 wurde er für einen Brunnen auf dem zweiten Burghof der Veste Coburg entlohnt, der sein Steinmetzzeichen und Monogramm trägt. 1536 rief man K. nach Gotha, wo er zwei Jahre später den Entwurf für das dortige Zeughaus auf Schloss Grimmenstein geliefert haben soll. 1538 reiste er zur Wartburg nach Eisenach, wo nach seinen Anweisungen Arbeiten an den Gebäuden durchgeführt wurden. – K. wirkte außerdem im Auftrag Kurfürst Joachims II. von Brandenburg am Bau des Berliner Residenzschlosses mit. K., der sich nachweislich vom April bis Juni 1537 in Berlin aufhielt, erstellte einen Entwurf für den Südwestflügel des Schlosses. Der mit einem Wendelstein ausgestattete Schlossflügel, ausgeführt 1538 bis 1540 unter der Bauleitung von Caspar Theiss zeigt starke Anklänge an den Johann-Friedrich-Bau in Torgau. – K. führte ein Wappenzeichen, auf dem ein Krebs dargestellt ist. Möglicherweise war er mit dem kurfürstlichen Weinmeister Kunz Krebs verwandt, der 1536 in Meißen das Wohnhaus Burgstraße 9 errichten ließ, wo auf dem Schlussstein des Hauseingangs das auch von K. geführte Krebswappen abgebildet ist.



W  Moritzkirche Coburg, Langhaus, 1520-1532; Schloss Hartenfels, Torgau, Johann-Friedrich-Bau, 1533-1536; Veste Coburg, Brunnen, 1533-1534; Franziskanerklosterkirche Wittenberg, Umbau, 1537; Schloss Grimmenstein, Gotha, Zeughaus, 1538.

L  P. Findeisen/H. Magirius, Die Denkmale der Stadt Torgau, Leipzig 1976; C. Kratzke/T. Tepper, Konrad K., in: A. Bartetzky (Hg.), Die Baumeister der „Deutschen Renaissance“, Beucha 2004, S. 45-72. – DBA II, III; DBE 6, S. 688f.; NDB 12, S. 729f.; Thieme/Becker, Bd. 21, Leipzig 1927, S. 477f.

P  Porträtrelief, 1536, Schloss Hartenfels, Torgau, Johann-Friedrich-Bau, Gewölbeschlussstein im Wendelstein; Bildnisrelief, 1536, Schloss Hartenfels, Torgau, Loggia des Hausmannsturms.



Matthias Donath
21.8.2006


Empfohlene Zitierweise:

Matthias Donath, Krebs (Creps, Kreibs), Konrad (Conrad, Cunz, Cuntz, Kunz), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

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