Knebel Georg Konrad
Lehrer, Vorsitzender des Freiberger Altertumsvereins, Heimatforscher
* 25.12.1856 Dippoldiswalde 29.3.1933 Freiberg Freiberg(ev.)
VKarl Leberecht (1827-1865), Riemermeister in DippoldiswaldeMLaura Ernestine, geb. HauschildGKarl Max; Laura Katherina; Hermann Max; Ernst Franz; Johann Alexander1880 Marie Selma, geb. Teichert (1860-1928)SKurt (* 1883)
GND: 130145904


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K. hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung des Freiberger Altertumsvereins zu einem der führenden städtischen Geschichtsvereine Sachsens. Wesentliche Verdienste erwarb sich K. um das Stadt- und Bergbaumuseum in Freiberg. – Nach dem Besuch der Stadtschule in Dippoldiswalde absolvierte K. 1871 bis 1876 das Königliche Lehrerseminar in Dresden-Friedrichstadt. Ab 1876 unterrichtete er in Ulberndorf bei Dippoldiswalde. 1880 wechselte K. an die Mädchenbürgerschule in Freiberg, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war. In der Bergstadt schloss er sich der dortigen Freimaurerloge an. Aufgrund seines Heimat- und Geschichtsinteresses trat er 1882 dem Freiberger Altertumsverein bei. Hier wurde er bald der wichtigste Mitstreiter des Vereinsvorsitzenden Heinrich Gerlach, der den jungen Lehrer vermutlich maßgeblich beeinflusste. Mit seiner Mitgliedschaft folgte K. einem Trend jener Zeit, denn sowohl aus dem sich nach der Reichseinheit formenden deutschen Nationalbewusstsein wie aus der vielerorts entstehenden Bewegung gegen die Zerstörung historischer Sachzeugnisse wuchs das Bedürfnis nach Wissen um die nationale und die heimatliche Geschichte. In Freiberg war dieses Interesse besonders ausgeprägt. Als Gerlach 1899 starb, wählten die Mitglieder des Freiberger Altertumsvereins K. zum neuen Vorsitzenden. 23 Jahre lang leitete er ehrenamtlich und mit hohem persönlichen Einsatz die Vereinsgeschicke. Als er 1922 nach 42 Jahren im Lehrerberuf in den Ruhestand ging, legte er auch den Vorsitz im Verein nieder. – Im Rahmen seiner Vereinsfunktion gab K. die „Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins“ heraus, deren Beiträge über die regionalen Grenzen hinaus Anerkennung fanden. K. selbst betrieb für seine Untersuchungen intensive, bis heute vorbildliche Quellenstudien. Seine zahlreichen Publikationen werden auch heute noch von der Forschung genutzt. K. engagierte sich zudem für die Denkmalpflege in Freiberg und konnte bei der Rettung von Baudenkmälern der Vergangenheit, die für den Erhalt der kulturellen Identität Gewicht besaßen, einige beachtliche Erfolge erzielen. Außerdem initiierte K. 1907 die fotografische Erfassung von wichtigen Gebäuden und vielen anderen bedeutenden Zeugnissen der Heimat. Damit legte er den Grundstock für die museale Fotosammlung in Freiberg. Mit viel Engagement widmete sich K. dem Vereinsmuseum, aus dem später das Stadt- und Bergbaumuseum hervorging. Der Bewahrung von möglichst vielen historischen Sachzeugen gehörte dabei seine besondere Aufmerksamkeit. Eine große Zahl bedeutender, teilweise unersetzlicher Objekte konnte durch K. und seine Mitstreiter der Nachwelt erhalten werden. Die durch das enorme Anwachsen der Sammlungen am Ausgang des 19. Jahrhunderts erforderliche Suche nach einem neuen Museumsdomizil mündete dank K.s Initiative in die städtische Entscheidung zur Sanierung und Bereitstellung des sog. Domherrenhofs am Untermarkt. Den Umzug und die neue Präsentation der Bestände konnte er 1903 realisieren. – K. war ein typischer und zugleich herausragender Exponent der breiten gesellschaftlichen Bewegung zur Beschäftigung mit der Historie und der Traditionspflege an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. 1918 erhielt K. die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dippoldiswalde.



Q  Pfarrarchiv Dippoldiswalde; Stadtarchiv Freiberg, Bibliothek Nr. 440, Sächsische Schulstatistik 1906, S. 486, Freiberger Schulberichte für 1910/11, S. 17, Bericht über die Volksschulen und die allgemeine Fortbildungsschule der Stadt Freiberg, Schuljahr 1891/92, S. 56, Ordnung der Prüfungen an den öffentlichen Volksschulen zu Freiberg Ostern 1909 sowie Mitteilungen aus dem Schuljahr 1908/09, Freiberg 1909, S. 6, Bericht der öffentlichen Volksschulen zu Freiberg auf die Schuljahre Ostern 1916-Ostern 1927, Freiberg, S. 21, Protokollbuch des Vorstandes des Freiberger Altertumsvereins 1927/50, Bl. 56, X, IX, Nr. 295, Lotteriegesuche 1910, 1920, Einwohner-Buch K 1 (1886-1911), Bl. 312, Aa 224 a, A. Müllers Freiberger Aquarelle, Handschrift von Konrad K., 1911, Aa 259 a, b, Freiberger Kriegschronik 1914-1920 [MS], [1920], I, XV, Nr. 182, Aufnahme städtischer und Stiftungsgrundstücke im Bilde, 1907ff.

W  Handwerksbräuche früherer Jahrhunderte, insbesondere in Freiberg, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 22/1886, S. 1-42, 23/1887, S. 27-90, 26/1890, S. 1-34; Die Freiberger Goldschmiede-Innung, ihre Meister und deren Werke, in: ebd. 31/1894, S. 1-116; Künstler und Gewerken der Bau- und Bildhauerkunst in Freiberg, in: ebd. 34/1897, S. VII-145; Die Mal- und Zeichenkunst in Freiberg, in: ebd. 36/1899, S. 7-114; Rot-, Zinn- und Glockengießer Freibergs, in: ebd. 39/1903, S. 7-76; Geschichte des Rathauses zu Freiberg, in: ebd. 40/1904, S. 3-29; Führer durch die Sammlung für Altertum, Kunst und Volkskunde des Freiberger Altertumsvereins im König-Albert-Museum, Freiberg 1906; Geschichte der Stadt Dippoldiswalde bis zum Jahr 1918, Dippoldiswalde 1920.

L  R. Sachße, Konrad K. zum Gedächtnis, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 63/1933, S. 5-11 (P); W. Herrmann, 75 Jahre Freiberger Altertumsverein, in: ebd. 65/1935, S. 5-20; G. Richter, Zur Rolle und Bedeutung von örtlichen Geschichtsvereinen für die Erforschung und Darstellung der bürgerlichen Heimatgeschichte, Diss. Leipzig 1971, S. 52-57; U. Thiel, Konrad K. (1856-1933), in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 100/2007, S. 15-38; C. Grau, Bibliographie Konrad K. (1856-1933), in: ebd., S. 39-44; G.-R. Engewald, Ausgewählte Biografien, in: ebd. 104/2011, S. 403-450.

P  O. Hertel, Freiberg, Fotografie, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg (Bildquelle).



Ulrich Thiel
14.9.2011


Empfohlene Zitierweise:

Ulrich Thiel, Knebel, Georg Konrad, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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