Langsdorff Karl Alexander von
Agrarwissenschaftler
* 17.2.1834 St. Petersburg (russ. Sankt-Peterburg) 17.4.1912 Dresden
VGustav, MathematikerMMarie, geb. Brömme 1.Wilhelmine, geb. Höfer 2.Anna, geb. KnauerSWilhelmTLina; Klara
GND: 13974245X

L. besuchte zunächst das Gymnasium in Mannheim und war anschließend in Südwestdeutschland im landwirtschaftlichen Bereich tätig. Nach dem Besuch der Landwirtschaftsschule in Weinheim/Baden studierte er an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und an der Universität Jena. Dort befasste er sich v.a. mit Nationalökonomie und Naturwissenschaften. Nach verschiedenen Tätigkeiten in landwirtschaftlichen Einrichtungen und Vereinigungen sowie als Redakteur im Südwesten Deutschlands wurde er 1873 Geschäftsführer des sächsischen Kulturrats und zog deshalb nach Dresden. Der sächsische Kulturrat hatte 1872 eine neue gesetzliche Arbeitsgrundlage erhalten. Demnach sollte er nicht mehr nur beratend für die Regierung wirken, sondern ein selbstständig tätiges und mit einem eigenen Etat versehenes Sachverständigenorgan der Landwirtschaft sein, das auch mit eigenen Anträgen an die Regierung herantreten konnte. Der Geschäftsführer hatte die Verbindungen zwischen der Landes- und der Kreisebene herzustellen. 1874 bis 1899 war L. Herausgeber der „Sächsischen landwirtschaftlichen Zeitschrift“. Sein besonderes Interesse galt der landwirtschaftlichen Statistik, über die er 1876 bis 1889 drei Bände publizierte. Er warb in Sachsen für die Einrichtung von Winterschulen zur Ausbildung mittel- und kleinbäuerlicher Landwirte nach dem Beispiel Badens. Bereits 1875 wurde die erste dieser Schulen in Bautzen und 1876 die zweite in Auerbach eröffnet; ihnen folgten Freiberg, Chemnitz, Rochlitz, Wurzen und Meißen. 1880 bis 1905 war er Dozent für Landwirtschaft an der Tierärztlichen Hochschule Dresden und 1900 bis 1905 Dozent für Land- und Volkswirtschaft an der Forstakademie Tharandt. Er erwarb sich große Verdienste um die Einführung des Genossenschaftswesens in Sachsen. Insbesondere rief er 1891 den sächsischen Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften ins Leben, wurde zum Verbandsdirektor gewählt und übte dieses Amt bis 1893 aus. L. setzte sich für das ländliche Kreditwesen ein und war an der Gründung des landwirtschaftlichen Kreditvereins in Dresden maßgeblich beteiligt. Der Geheime Ökonomierat und Professor gehörte dem Beirat des Kaiserlichen Aufsichtsamts für Privatversicherungen an.



W  Die Landwirthschaft im Königreich Sachsen und ihre Entwickelung ... , 3 Bde., Dresden 1876, 1881 und 1889; Die Organisation des landwirthschaftlichen Unterrichtswesens im Königreiche Sachsen, in: Mittheilungen der oekonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen [2]/1875/76, S. 33-62; mit R. A. Brückmann, Die Kartoffel und ihre Kultur, Berlin 1876; Die Verwertung der städtischen Fäcalien, Hannover 1885; Das Königlich Sächsische Gesetz, die Bildung von Zuchtgenossenschaften und die Körung von Zuchtbullen betreffend, in: Mittheilungen der oekonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen 13/1886/87, S. 89-182; Die Entwickelung der kommissarischen Einrichtungen und des landwirthschaftlichen Unterrichtswesens im Königreiche Sachsen, in: ebd. 17/1891, S. 57-96; Geschichte des Hagelversicherungswesens in Deutschland bis zum Jahre 1895 und seine gegenwärtige Gestaltung, Dresden 1896; Die Viehversicherung im Deutschen Reiche und ihre geschichtliche Entwickelung, Leipzig 1901.

L  DBA II; NDB 13, S. 610; Sächsische Lebensbilder, Bd. 1, Leipzig 1930, S. 188-194 (WV); W. Hoffmann (Hg.), Mitteldeutsche Köpfe, Frankfurt/Main 1959, S. 130; H. A. L. Degener (Hg.) Wer ist’s?, Bd. 4, Leipzig 1909, S. 798.



Heinrich Kaak
1.10.2004


Empfohlene Zitierweise:

Heinrich Kaak, Langsdorff, Karl Alexander von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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