Lommatzsch Karl Heinrich Gottfried
Theologe, Superintendent
* 22.6.1772 Kindelbrück/Thüringen 17.8.1834 Annaberg(ev.)
VChristian Gotthilf (1735-1795), Pfarrer und SuperintendentMKaroline Eleonore Sophie, geb. SchenkGAntonie Christiana Dorothea; Christian Gotthelf (* 1776); Marie Auguste Charlotte (* 1783); Carl Bernhard (1788-1865); Caroline Mathilde Henriette (* 1790); Wilhelmine Friederike Elisabeth (* 1793); Sophie Ernestine Eleonore (* 1795); Auguste Philippine 1.1799 Henriette, geb. Kießling († 1806) 2.Friederike, geb. Studer 3.1812 Marianne, geb. Reiche
GND: 117198366

L. verlebte seine Kindheit im Pfarrhaus der heute thüringischen Kleinstadt Kindelbrück und zog mit neun Jahren nach Eckartsberga, wohin sein Vater als Superintendent berufen worden war. Durch den gelehrten und pädagogisch geschickten Vater trefflich vorgebildet, besuchte L. 1786 bis 1791 die Fürstenschule Schulpforte. Hohe Arbeitsbelastungen scheinen jedoch rasch zu körperlichen und seelischen Krankheitserscheinungen geführt zu haben; erst allmählich kräftigte sich L.s Gesundheitszustand wieder. Nach dem Schulbesuch schloss sich ein Theologiestudium an der Universität Leipzig an. Unter dem Eindruck der in Leipzig vorherrschenden rationalistischen Theologie gab L. das Vorhaben auf, Geistlicher zu werden und wechselte 1793 an die Juristische Fakultät. Hier erwarb er 1795 den Magister-Titel. Danach hielt sich L. zwei Jahre im Umfeld des renommierten Altphilologen Christian Gottlob Heyne in Göttingen auf und wurde Mitglied des dortigen Philosophischen Seminars. Aufgrund werbenden Zuredens aus der Heimat stellte sich L. 1797 doch noch dem Dresdner Oberkonsistorium zur Prüfung für die Übernahme eines geistlichen Amts und wurde 1798 zum Hilfsgeistlichen und 1800 zum Pfarrer in Liebstedt bei Weimar berufen. Weitere geistliche Ämter bekleidete er als Pfarrer in Großschönau (1801-1809), als Diakon in Zittau (1809-1816) sowie an der Dresdner Kreuzkirche (1816). In Dresden wirkte L. erst ein halbes Jahr, als ihm die Superintendentenstelle in Annaberg übertragen wurde. – Als Theologe machte sich L. um die Ausprägung und Inszenierung einer volkstümlichen kirchlichen Festkultur verdient. Vaterländische Motive der Befreiungskriege von 1814 bis 1815 aufnehmend, trat er als Redner beim Ausrücken sächsischer Landwehrbataillone auf und initiierte Dank- und Gedächtnisfeiern für die Siege der antinapoleonischen Koalition. Später waren es die von L. in Annaberg durchgeführten Feiern zum 300-jährigen Reformationsjubiläum (1817) und zum goldenen Ehejubiläum von König Friedrich August I. (1819), die als Sieges- und Segensfeste eine stolze Verbundenheit mit der Monarchie und dem Luthertum darstellten und so die Degradierung Sachsens zur drittklassigen politischen Macht durch die Gebietsverluste von 1815 vergessen machen sollten. Der Reflexion einer ruhmreichen sächsischen Geschichte diente auch L.s Festrede am 8.7.1822 zur Aufstellung eines Gedenksteins zum Prinzenraub von 1455 am Fürstenbrunn bei Grünhain. Viele von L.s Gedächtnisreden und Predigten, eine lateinische Lebensbeschreibung des Reformators Friedrich Myconius und eine Sammlung zum Teil selbst verfasster vaterländischer Lieder und Gedichte erschienen im Druck und fanden weite Verbreitung. L.s rhetorisches Geschick und seine lebensnahen Predigten verhalfen ihm bereits zu Lebzeiten zu großer Popularität. In Annaberg trug L. maßgeblich zum Wiederaufbau der brandzerstörten Hospitalkirche St. Trinitatis im Stil des Klassizismus bei, deren Fertigstellung 1830 erfolgte.



W  Die evangelische Kirche an ihrem großen Jubelfeste, Annaberg 1817; Wünschet dem Könige und der Königin Glück!, Annaberg 1819; Narratio de Friderico Myconio, Annaberg 1825.

L  F. H. Löscher, L., in: Sächsisches Beiblatt zum Nachbar, 1935, S. 11-14 (Wiederabdruck in: E. Löscher (Hg.), Heimat Erzgebirge, Berlin 1997, S. 221-227); H. Harms zum Spreckel, Verzeichnis der evangelisch-lutherischen und römisch-katholischen Geistlichen sowie Prediger der Bischöflichen Methodistenkirche der freien Bergstadt St. Annaberg seit ihrem Bestehen, Annaberg 1939, S. 24. – DBA I.



Michael Wetzel
11.11.2013


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Lommatzsch, Karl Heinrich Gottfried, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.7.2017)

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