Leuthold Karl Edwin
Jurist, Bergrechtler, Bergamtsdirektor
* 17.2.1847 Königsbrück 1.5.1891 Freiberg Freiberg(ev.)
VKarl Otto, Gerichtsdirektor und Stadtrat in KönigsbrückMMathilde Agnes, geb. Menzer1872 Helene, geb. Kogel (* 1850)K6 u.a. Edwin Otto; Karl Martin; Agnes Auguste Helene; Mathilde Anna
GND: 1033293040

L. gehört zu den bekanntesten sächsischen Juristen und Bergrechtlern der 1880er- und 90er-Jahre. Seine Schriften zum sächsischen Staats- und Verwaltungsrecht sowie zum Baupolizei-, Brandversicherungs- und Bergrecht weisen ihn als einen vielseitig gebildeten Juristen aus. – Nach dem Erwerb des Reifezeugnisses 1866 an der Kreuzschule in Dresden studierte L. bis 1869 Rechtswissenschaften, Rechtsphilosophie, Nationalökonomie und Geschichte an der Leipziger Universität. Nach einer kurzen Tätigkeit am Amtsgericht Leipzig schlug er die Laufbahn eines Verwaltungsbeamten ein. Zunächst bei der Polizeidirektion in Dresden tätig, wechselte er am 1.9.1874 als Sekretär ins Sächsische Innenministerium, wo er mit Baupolizeisachen befasst war. Am 1.10.1876 wurde L. zum juristischen Rat beim Bergamt in Freiberg und zugleich Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde an der Bergakademie Freiberg berufen. Mit der Ernennung zum Direktor des Bergamts am 1.10.1883 musste er die Professur an der Bergakademie aufgeben. L. bekleidete das Direktorenamt bis zu seinem frühen Tod 1891. Noch am 1.1.1891 gründete er mit Sitz in Freiberg die Allgemeine Knappschaftspensionskasse für das Königreich Sachsen, in der sich 27 sächsische Knappschaftspensionskassen zu einer Einheitskasse zusammenschlossen. – Als Praktiker des Bergrechts und Bergamtsdirektor oblag L. die Aufgabe der „Bergpolizei“ nach dem Allgemeinen Berggesetz für das Königreich Sachsen vom 16.6.1868. Er trug somit in Sachsen die oberste Verantwortung für die öffentliche Sicherheit sowie das Leben und die Gesundheit der Arbeiter. Auch die Sicherheit benachbarter Bergbauunternehmen sowie der Grundstücke und Gebäude an der Tagesoberfläche fielen in sein Ressort. Unter seinem Direktorium wurden dazu die „Allgemeinen Bergpolizeivorschriften für das Königreich Sachsen vom 25.3.1886“ erarbeitet. – L.s Werk umfasst über das Bergrecht hinaus systematische Darstellungen verschiedener Rechtsgebiete. Bedeutung erlangte v.a. sein „Königlich Sächsisches Baupolizeirecht“ (1872), das einen Abdruck der seinerzeit geltenden Baupolizeivorschriften nebst Erläuterungen beinhaltet. Seine Aufsätze zum Bergrecht behandeln - mit Ausnahme von drei historischen Veröffentlichungen - Themen zur Anwendung des sächsischen Bergrechts in Einzelfragen. Die Verpflichtungen an der international renommierten Bergakademie Freiberg veranlassten L., sich auch mit dem ausländischen Recht zu befassen. So entstanden 1887 bzw. 1889 seine beiden Schriften „Das österreichische Bergrecht in seinen Grundzügen“ und die „Russische Rechtskunde“.



W  Das Königlich Sächsische Baupolizeirecht, Leipzig 1872, 61895; Verwaltungsgesetze für das Königreich Sachsen, 2 Bde., Leipzig 1875/76; Königlich Sächsische Brandversicherungsgesetze, Leipzig 1877; Königlich Sächsisches Verwaltungsrecht mit Einschluss der reichsrechtlichen Bestimmungen systematisch dargestellt, Leipzig 1878; Die polizeiliche Überwachung der Steinbrüche und Gräbereien, insbesondere im Königreich Sachsen, in: Zeitschrift für Bergrecht 21/1880, S. 220-240; Zusammenstellung derjenigen Reichs- und Landesrechtlichen Bestimmungen, durch welche Vorschriften der Königlich Sächsischen Allgemeinen Berggesetze vom 16.06.1868 und der zugehörigen Ausführungsverordnung aufgehoben, abgeändert oder ergänzt worden sind, in: ebd. 21/1880, S. 459-487; Die Kollision zwischen Eisenbahn und Bergbau nach sächsischem Recht, in: ebd. 22/1881, S. 296-327; Die rechtlichen Folgen des Wassereinbruchs am Döllingerschacht, in: ebd. 22/1881, S. 502-519; Das Staatsrecht des Königreichs Sachsen, in: Handbuch des Öffentlichen Rechts, Bd. 2/2, Freiburg im Breisgau/Tübingen 1884; Das österreichische Bergrecht in seinen Grundzügen, Leipzig/Prag 1887; Bemerkungen über die Freiberger Bergwerksverfassung im 12., 13. und 14. Jhdt., in: Zeitschrift für Bergrecht 21/1880, S. 13-39, 29/1888, S. 71-97; Russische Rechtskunde, Leipzig 1889; Untersuchungen zur ältesten Geschichte Freibergs, in: NASG 10/1889, S. 304-329; Das Wasserrecht im Königreiche Sachsen, Leipzig 1892.

L  G. H. Wahle, Dr. jur. Karl Edwin L. †, in: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen 1891, S. I-X; ders., Vorwort, in: K. E. L., Das Wasserrecht im Königreiche Sachsen, Leipzig 1892, S. III-V; H. Schönherr, Die Entwicklung des Lehrstuhls für Rechtswissenschaften an der Bergakademie Freiberg, in: Freiberger Forschungshefte D 22/1957, S. 24-27; G. Boldt, Leben und Wirken namhafter Lehrer und Praktiker des Bergrechts, in: Zeitschrift für Bergrecht 1974, S. 84f.; C. Schiffner, Aus dem Leben alter Freiberger Bergstudenten und der Lehrkörper der Bergakademie, Bd. 3, Freiberg 1940, S. 184-186.

P  Prof. L., Fotografie, TU Bergakademie Freiberg, Medienzentrum (Bildquelle).



Manfred Mücke
3.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Manfred Mücke, Leuthold, Karl Edwin, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

Wikipedia Link