Roos Joseph
Landschafts- und Tiermaler, Radierer, Operndekorationsmaler
* 9.10.1726 Wien 25.8.1805 Wien
VCajetan (1690-1770), Landschafts- und TiermalerGG August (1732-1805), Landschafts- und Tiermaler, RadiererSJoseph (1760-1822), Historienmaler
GND: 137423152






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R. entstammte einer Dynastie von Landschafts- und Tiermalern, an deren Anfang sein Urgroßvater Johann Heinrich Roos stand. R. erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater in Wien. 1747 kam er mit Guiseppe Galli-Bibiena nach Dresden, um unter dessen Anleitung als Dekorationsmaler zu arbeiten. Er war u.a. 1749/50 an der Erneuerung des Opernhauses im Zwinger beschäftigt und nahm auch an dessen neuerlicher Umgestaltung 1753 unter Giovanni Niccolo Servandoni teil. Aus dieser frühen Dresdner Zeit gibt es aber keine Zeugnisse mehr, da die Oper 1849 abgebrannt ist. Nach einem Aufenthalt in Berlin lebte R. seit 1758 als Maler und Lehrer in Dresden. Der bereits vor der Akademiegründung zum kurfürstlich-sächsischen Hofmaler ernannte und seit 1764 als Mitglied der Dresdner Kunstakademie geführte R. lehrte im Landschaftsfach. 1765 erhielt er die Professur für Landschaftsmalerei. Zu seinen Schülern gehörten Johann Gottlob Friedrich Tiebel, Johann Friedrich Alexander Thiele, Johann Karl Maucksch sowie Johann Christian Klengel. Neun Kunstakademien ernannten R. zu ihrem Mitglied: Dresden 1764, Berlin und Bologna (Italien) 1771, London 1772, Rom 1773, Florenz, Madrid und Parma (Italien) 1800 sowie Wien 1801. – Seit 1769 orientierte sich R. wieder nach Wien, wohin er drei Jahre später übersiedelte, und wo er zum Direktor der Kaiserlichen Gemäldegalerie berufen wurde. Als künstlerisches Hauptwerk dieser Jahre gelten die drei sog. Rosa-Zimmer auf der Gartenseite des Schlosses Schönbrunn bei Wien. Sie sind mit insgesamt 15 Gebirgslandschaften ausgestattet, die R. noch in seiner Dresdner Zeit 1760 begonnen hatte. Ihre stimmungsvoll-dunstige Auffassung hatte sich unter dem Eindruck der zeitgleichen Dresdner Landschaftskunst herausgebildet. Zusammen mit diesen Schönbrunner Werken sind 23 Gemälde in barocker Kompositionsweise mit verhältnismäßig großer Viehstaffage überliefert, mit denen er sich bewusst auf das Vorbild seines namhaften Vorfahren Johann Heinrich bezog. Durch R.s Schaffen kamen die Dresdner Künstler mit einer Art der Landschaftsauffassung in Berührung, die ihre Wurzeln in der italienisierenden Kunst der Niederländer sowie in der Opernausstattung hatte. Aber v.a. seine prägnante Erfassung des Herdenviehs („Hirten und Vieh in felsiger Landschaft“, 1770; „Südliche Landschaft mit Wasserfall“) haben sich nachfolgende Künstler zum Vorbild genommen. Als Radierer hatte R. bereits 1754 eine Folge von zwölf Blättern mit Schaf- und Ziegen-Variationen und 1789 in Wien eine weitere Folge von Tierdarstellungen herausgegeben. Ferner radierte er acht Landschaften nach Johann Georg Wagner sowie weitere nach Salomon Gessner, Johann Eleazar Zeissig (gen. Schenau), Christian Wilhelm Ernst Dietrich und im Rembrandt’schen Stil.



W  Ein Zeichner in einer Felsenhöhle, 1751, Rötel, Albertina Wien, Grafische Sammlung; Landschaft mit Flusstal und Wasserfall, 1760, Öl auf Leinwand, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien; Hirten und Herde an alter Weide, 1765, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Felsige Landschaft mit Hirten und Herden am Wasser, 1768, Feder und Pinsel in Braun über Graphit, Staatliches Museum Schwerin; Hirten und Vieh in felsiger Landschaft, 1770, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Hirten und Vieh in felsiger Landschaft, 1770, Öl auf Leinwand, Museum der bildenden Künste Leipzig; Vieh am Brunnen, 1771, Öl auf Leinwand, Hessisches Landesmuseum Darmstadt; Ruhende Herde 1771, Öl auf Leinwand, ebd.; Südliche Landschaft mit Wasserfall, 1780, Öl auf Leinwand, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister.

L  K. v. Berswordt-Wallrabe (Hg.), Die Malerfamilie Roos in Deutschland, Schwerin 1997; H. Jedding, Johann Heinrich Roos, Mainz 1998, S. 281-303; A. Fröhlich, Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 107-110. – DBA I, II; DBE 8, S. 382; Thieme/Becker, Bd. 28, Leipzig 1999, S. 528.

P  Bildnis Joseph R., C. Fellner, 1789, Radierung nach einem Gemälde von P. Haubenstricker, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle); Bildnis Joseph R., M. Knoller, 1791, Österreichische Galerie Belvedere.



Anke Fröhlich
14.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Roos, Joseph, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.8.2017)

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