Zechendorf Johann
Lehrer, Philologe, Orientalist
* 8.8.1580 Lößnitz 17.2.1662 Zwickau Zwickau, Marienkirche(ev.)
VMichael († 1610), Lehrer, ArchidiakonMAnna, geb. Hannauer, Tochter des Bürgermeisters von SchwarzenbergGZacharias 1.1612 Catharina, geb. Jahn (Jehn) († 1625) 2.Maria Salome, geb. Götz
GND: 124638570


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Z. zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Zwickauer Geistesgeschichte. In Fachkreisen erlangte er weit über Sachsen hinaus Bekanntheit als Schulreformer, Altphilologe und Orientalist. – Z., dessen Vorfahren z.T. einflussreiche Ämter als Bergzehnter und Bürgermeister bekleidet hatten, verlebte seine Kindheit und Jugend in Lößnitz und Schneeberg, wo sein Vater als Lehrer und Hilfsgeistlicher tätig war. Bereits an der Schneeberger Lateinschule entwickelte er ein ausgesprochenes Interesse für Fremdsprachen. Mit 19 Jahren setzte Z. seinen Sprachunterricht zunächst in Ballenstedt/Harz, später in Aschersleben, Braunschweig, Eisleben, Zerbst und wiederum in Schneeberg unter Anleitung des namhaften Orientalisten Johannes Förster fort. 1604 begann er sein Studium der Philosophie, Medizin und Theologie in Leipzig, dessen Finanzierung nach anfänglichen Schwierigkeiten durch ein kurfürstliches Stipendium gesichert werden konnte. Z. blieb bis 1610 Student, obwohl ihm die Universität bereits 1607 das Baccalaureat und 1608 den philosophischen Magistertitel zuerkannt hatte. Nach dem Tod des Vaters (1610) berief ihn der Schneeberger Rat zum Konrektor, vier Jahre später zum Rektor der dortigen Lateinschule, die Z. als Schüler selbst durchlaufen hatte. Seine Lebensaufgabe fand Z. indes erst 1617 mit seiner Berufung zum Rektor des Zwickauer Gymnasiums, das er insgesamt 44 Jahre lang leitete. Hier bemühte er sich um eine wissenschaftliche Pädagogik, die sich besonders dem Hebräischen und den orientalischen Sprachen zuwandte. Ähnlich wie die Schulreformer Wolfgang Ratichius (Ratke) und Johann Amos Comenius sah auch Z. in diesen Sprachen die geistigen Wurzeln der westeuropäischen Kultur und erhoffte sich von ihnen wertvolle Impulse für alle zeitgenössischen Wissenschaften. Als Pädagoge, der neben Latein, Griechisch und Hebräisch auch Chaldäisch, Syrisch, Arabisch, Ägyptisch, Persisch und Türkisch (die beiden letzteren Sprachen erlernte er autodidaktisch) beherrschte, konzipierte Z. seine Unterrichtsmaterialien in der Regel selbst. Dabei folgte er dem Prinzip der Anschaulichkeit, wie sein Lehrbuch der lateinischen Sprache für Anfänger (1636) zeigt. In der Praxis bedeutete Z.s Unterricht dennoch oft eine Überforderung seiner Schüler, da der vermittelte Stoff qualitativ und quantitativ eher dem Niveau einer Universität entsprach. Wenn das Zwickauer Gymnasium unter seinem Rektorat insgesamt keinen Aufschwung nehmen konnte, so lag dies allerdings nicht an Z., sondern vielmehr an den drückenden Zeitverhältnissen des Dreißigjährigen Kriegs. – Neben seiner Lehrtätigkeit machte sich Z. als Forscher auf dem Gebiet der Orientalistik einen Namen. Von ihm sind heute 21 Veröffentlichungen zur Grammatik und Lexik orientalischer Sprachen, zum Koran und zur mohammedanischen Literatur bekannt. Zudem trugen Z.s Grundlagenforschungen maßgeblich zu den späteren Koranveröffentlichungen in Hamburg (1694, arabisch) und in Padua (1698, lateinisch) bei. Aufgrund seiner Verdienste wurde Z. in seiner Leichenpredigt als „hochgelehrter Fortpflanzer der orientalischen Sprachen“ geehrt. Sein Nachlass an Orientalia und sein umfangreicher Briefwechsel mit bedeutenden Gelehrten seiner Zeit zählen heute zu den kulturgeschichtlich wertvollsten Beständen der Zwickauer Ratsschulbibliothek. – Als Z. 1662 starb, folgte ihm sein Schüler Christian Daum als Rektor des Zwickauer Gymnasiums.



Q  Dreyfache Ehren-Seule, Welche Dem ... Herrn Johann Zechendorffen, Weitberühmten Philologo, und der Stadt-Schulen allhier zu Zwickau ins 45tzigste Jahr mit Ruhm und Ehren gewesenen Rectori, Leichenpredigt, Zwickau 1662 (Bildquelle).

W  Circuli conjugationum ad linguas Hebraeam, Chaldaeam, Syriacam et Arabicam dispositi, 1626; Fabulae Muhammedicae, Altenburg 1628; Didactica linguae latinae, 1636; Analysis orationis dominica in lingua Arabica, 1650.

L  C. Meltzer, Historia Schneebergensis renovata, Schneeberg 1716 (ND Stuttgart 1995); E. Herzog, Chronik der Kreisstadt Zwickau, Bd. 2, Zwickau 1845 (ND Stuttgart 1999), S. 394, 501f.; ders., Geschichte des Zwickauer Gymnasiums, Zwickau 1869; E. Heydenreich, Aus der Geschichte des Schneeberger Lyceums, in: NASG 16/1895, S. 229-268; C. Hunger, Festschrift zur 700-Jahrfeier der Stadt Lößnitz im Erzgebirge, Lößnitz 1938, S. 79-103; S. Georgi, Das Bemühen von Z. um neue Formen der Fremdsprachenausbildung, in: K. Hengst (Hg.), Fremdsprachenausbildung in Geschichte und Gegenwart, Zwickau 1986, S. 60-71; I. Zürner, Herausragende Persönlichkeiten in der Ratsschulbibliothek Zwickau, in: R. Groß (Hg.), 500 Jahre Ratsschulbibliothek Zwickau, Zwickau 1998, S. 45-50 (P). – ADB 44, S. 740f.

P  Z., Ratsschulbibliothek Zwickau, Lesesaal.



Michael Wetzel
26.2.2014


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Zechendorf, Johann, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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