Bach Johann Sebastian (Samuel) d.J.
Landschaftsmaler und -zeichner
* 26.9.1748 Berlin 11.9.1778 Rom Rom, Protestantischer Friedhof(ev.)
VCarl Philipp Emanuel (1714-1788), MusikerMJohanna Maria, geb. DannemannGJohann Adam (August) (1745-1789); Anna Carolina Philippa (* 1747)
GND: 124534767

Der Angehörige der berühmten Musikerdynastie hatte bei dem Kupferstecher und Architekten Andreas Ludwig Krüger in Berlin und Potsdam Zeichnen gelernt. Im September 1770 kam er an die Leipziger Zeichenakademie unter Adam Friedrich Oeser und wechselte im Mai 1773 an die Dresdner Akademie der Schönen Künste. Dort war er bereits durch Beiträge zu den jährlichen Akademieausstellungen bekannt geworden. In Dresden kopierte er Werke der Gemäldegalerie und wandte sich unter Johann Christian Klengels Einfluss noch stärker der Landschaft zu. – Von Februar bis Sommer 1776 besuchte B. seine Familie in Hamburg, ehe er eine Studienreise nach Italien antrat, wo er im Februar 1777 ankam und seinen Wiener Freund Friedrich Heinrich Füger sowie Jacob Wilhelm Mechau traf. Der Generaldirektor der Dresdner Kunstakademie, Christian Ludwig von Hagedorn, hatte gerade ein kurfürstliches Stipendium für ihn erwirkt, als B. 1778 in Rom nach langem Krankenlager starb. – Von dem so jung verstorbenen Künstler sind 108 Zeichnungen bekannt. Die meisten Werke stammen aus seiner sächsischen Zeit. Eine Reihe von Zeichnungen aus den Jahren 1770 bis 1773 zeigt seine Orientierung an Oesers toniger Malweise. Waldlandschaften oder bewegte, manchmal dünenähnliche Landschaften mit Hütten, Fuhrwerken und bäuerlichen Figuren erinnern an ähnliche Werke von Christian Wilhelm Ernst Dietrich und Johann Georg Wagner. Diese Zeichnungen gehen alle auf die holländische Manier z.B. von Anthonie Waterloo, Herman van Swanevelt oder Jan van Goyen zurück. In der Wahl seiner Motive wie der Perspektiven lehnte sich B. jedoch auch an Adrian Zingg an, z.B. in seinen Ansichten von Dresden, Pirna, Wehlen, Bad Schandau, Tetschen (tschech. Dečin), Aussig (tschech. Ustí nad Labem), der Ruine Schreckenstein oder Moritzburg. Zugleich verraten diese Ansichten mit der Behandlung des Raums das ältere Vorbild von Johann Alexander Thiele. Mit Mondschein- und Waldlandschaften bewies B. ein spätbarockes gefühlvolles Interesse für die wilde Seite der Natur und ging zu vorromantischer Empfindsamkeit über. An seinem Bezug auf die Idyllen Salomon Gessners orientierten sich u.a. Klengel, Friedrich Christian Klass oder Christoph Nathe. Unter dem Eindruck der realen südlichen Natur sowie der Werke Claude Lorrains ging B. von der idyllischen zu einer idealen Naturauffassung über. – Der Hauptteil von B.s bisher bekannten Œuvres besteht aus Landschaften, in denen er idyllische und klassische Einflüsse mit antikisierender und mythologischer Figurenstaffage vereint. Hierin kündigt sich schon die klassische, körperorientierte Kunstauffassung der Goethe-Zeit an.



Q  Verzeichnis verschiedener vorhandenen Zeichnungen des Ao. 1778 in Rom verstorbenen Joh. Seb. B., und einiger andern, in: C. P. E. Bach, Autobiography, hrsg. von W. S. Newman, Buren 1991, S. 131-137.

W  Idyllische Szene, 1772, Pinselzeichnung, Museum der bildenden Künste Leipzig, Grafische Sammlung; Südliche Ideallandschaft, 1776, Öl auf Leinwand, Kunsthalle Hamburg; Flüsschen zwischen Bäumen, Aquarell, Staatliches Museum Schwerin; Bauernhaus am Bach, Pinsel, laviert, ebd.; Mondscheinlandschaft, 1776, Pinselzeichnung, Museum der bildenden Künste Leipzig, Grafische Sammlung; Arkadische Landschaft, Pinsel über Bleistift, Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen.

L  F. Rochlitz, Für Freunde der Tonkunst, Bd. 4, Leipzig ³1868, S. 190-192; G. Wustmann, Ein Enkel Johann Sebastian B.s, in: Aus Leipzigs Vergangenheit, Reihe 3, Leipzig 1909, S. 289-307; W. Stechow, Johann Sebastian B. d.J., in: M. Meiss (Hg.), Essays in Honor of Erwin Panofsky, New York 1961, Bd. 1, S. 427-436, Bd. 2, S. 140-143 (P); K. Stichweh (Bearb.), Der Zeichner Johann Sebastian B. und sein Umkreis, Heidelberg 1980; M. Grönig/M. L. Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Wien 1997, S. 21-23; M. Hübner, Der Zeichner Johann Sebastian B. d.J. (1748-1778), in: Bach-Jahrbuch 84/1998, S. 187-200; A. Fröhlich, Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 202-207; dies., „Ein ganz neuer Phönix in der Kunst...“, in: Weltkunst 73/2003, H. 3, S. 360-362; dies., Zwischen Empfindsamkeit und Klassizismus, Leipzig 2007 (WV). – AKL, Bd. 6, München/Leipzig 1992, S. 133; DBA I; Thieme/Becker, Bd. 2, Leipzig 1999, S. 309f.

P  Porträt Johann Sebastian B.s, A. F. Oeser, Nationalmuseum Weimar; Porträt Johann Sebastian B.s nach der Zeichnung von A. F. Oeser, C. W. Grießmann, Kupferstich.



Anke Fröhlich
15.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Bach, Johann Sebastian (Samuel) d.J., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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