F. studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Bautzen (sorb. Budyšin) ab 1737 bei Johann Christoph Gottsched in Leipzig. Zu seinen Universitätsfreunden zählte u.a. Christian Fürchtegott Gellert. 1740 wurde F. als Bibliothekar des Reichsgrafen Heinrich von Bünau angestellt, der ihn mit der Überführung seiner Bibliothek aus seiner Stadtwohnung in Dresden nach Nöthnitz, dem Ankauf von Büchern nach seinen Vorgaben und der Verzeichnung des Bestands betraute. Der leider unvollständig gebliebene gedruckte Katalog („Catalogus Bibliothecae Bunavianae“) gilt wegen der Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der Titelaufnahmen, der Ermittlung anonymer und pseudonymer Verfasser, der Verweise auf Übersetzungen und Kommentare, der Einbeziehung unselbstständig erschienener Beiträge in Sammelwerken und Periodika und der bibliografischen Nachweise fehlender, zur Erwerbung vorgesehener Titel als Spitzenleistung, die zeitgenössische Bücherverzeichnisse weit hinter sich ließ. Als 1764 die 42.000 Bände umfassende, als Muster einer Gelehrtenbibliothek geltende Sammlung Bünaus für die kurfürstliche Bibliothek in Dresden angekauft wurde, erhielt F. den Auftrag, sie mit dieser und der nachgelassenen Bibliothek des Grafen Heinrich von Brühl (62.000 Bände) zu vereinigen. Die Verschmelzung von insgesamt 175.000 Bänden und ihre Aufstellung in systematischer Ordnung waren in drei Jahren vollendet. F. erkannte die Eigenständigkeit bibliothekarischer Systematik und zog daraus als Erster die Konsequenzen. Er setzte an die Stelle eines wissenschaftlichen ein pragmatisches, den Bedürfnissen der Benutzer Rechnung tragendes Prinzip. Das führte zur Ausbildung von Gliederungseinheiten unter vorwiegend historisch-geografischem Aspekt. F. ordnete in die Geschichte eines Landes, einer Region oder eines Orts auch alle Schriften ein, die sich auf Geografie, Naturgeschichte, Recht, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Religion, Bildungs-, Gesundheits- und Militärwesen bezogen. Das von ihm entwickelte Ordnungs- und Aufstellungssystem ermöglichte die Benutzung ohne Kataloge und Signaturen. Es bestand bis 1927 und wurde auch von anderen Bibliotheken (u.a. von der Königlichen Bibliothek in Berlin) übernommen.