Schulze Johann Georg
Theologe, Superintendent, schönburgischer Konsistorialrat
* 4.11.1680 Altstadt Waldenburg 6.1.1747 Glauchau(ev.)
VGeorg (1640-1711), Pfarrer1718 Susanna Rosina, geb. Bürger (1700-1771)SImmanuel Heinrich (1722-1801), Pfarrer; Christian Gottlieb (1727-1800), Pfarrer; Johann August, Chirurg; George Gottlob, ApothekerTSophia Susanna (1719-um 1745); Johanna Dorothea (* 1721); Christiana Elisabeth; Henriette Sophie
GND: 131901613






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S. entstammte einer angesehenen Pfarrersfamilie, deren berufliche Tradition er fortsetzte. Seine Ausbildung erhielt S. 1695 bis 1698 am Gymnasium in Altenburg und anschließend 1698 bis 1704 an der Universität Leipzig, wo er 1701 den Magistergrad erwarb und auch kurze Zeit dozierte. Von Leipzig berief ihn Graf Georg Albert von Schönburg nach Hartenstein als Erzieher seiner Tochter Johanna Sophia Elisabeth. 1708 wurde S. seinem alternden Großvater, dem Archidiakon Johann Chares in Waldenburg als Gehilfe zur Seite gestellt. Vier Jahre später trat er die Nachfolge seines Vaters als Pfarrer in Thierfeld und Kircheninspektor der Grafschaft Hartenstein an. Hier machte sich der dem Pietismus zuneigende S. v.a. um die Verbesserung des Schulwesens verdient, dessen Qualität er u.a. durch Gewährleistung regelmäßigen Schulbesuchs, finanzielle Anreize für Lehrer und jährliche Inspektionen zu heben versuchte. Die von S. erhaltenen Aufzeichnungen und Denkschriften lassen dabei das hohe Problembewusstsein und pädagogisch wertvolle Lösungsvorschläge des Pfarrers erkennen. – Am 14.8.1727 trat S. das Amt des Superintendenten in Waldenburg an. Am 23.9.1732 wechselte er in gleicher Funktion nach Glauchau. Mit beiden Ämtern war eine Beisitzerstelle im Glauchauer Gesamtkonsistorium, der höchsten Kirchenbehörde in den Schönburgischen Herrschaften, verbunden. Darüber hinaus betätigte sich S. als Verfasser zahlreicher, zumeist kleinerer theologischer Schriften. Anlässlich des 200. Reformationsjubiläums in den Schönburgischen Herrschaften publizierte er 1742 ein „Vermehrtes Schönburgisches Gesangbuch“, das knapp 1.300 Lieder umfasste und bis 1796 in Geltung blieb. Mit einem von sächsischen Kirchengesangbüchern abweichenden Liederschatz gab es dem kirchlichen Leben und der Volksfrömmigkeit in den Schönburgischen Herrschaften ein eigenes Gepräge.



Q  Pfarrarchiv Thierfeld.

W  Trost- und Ermahnungsschrift an die abgebrannte Stadt Waldenburg, Schneeberg 1727; Vermehrtes Schönburgisches Gesangbuch zur Beförderung der Ehre Gottes und Erbauung der christlichen Gemeinde, Waldenburg 1742.

L  C. G. Dietmann, Kirchen- und Schulen-Geschichte der hochreichsgräflich Schönburgschen Länder in Meißen, Breslau/Leipzig 1787 (WV); E. Eckardt, Chronik von Glauchau, Glauchau 1882, S. 328, 367f. (WV); A. H. Kreyßig, Album der evangelisch-lutherischen Geistlichen im Königreich Sachsen von der Reformation bis zur Gegenwart, Crimmitschau 1898, S. 246; G. A. Naumann (Hg.), Neue Sächsische Kirchengalerie. Die Ephorie Glauchau, Leipzig 1910; R. Oertel, Zur Geschichte des Volksschulwesens in der niederen Grafschaft Hartenstein, in: ders. (Hg.), Bausteine zur Geschichte der Stadt Hartenstein und deren Umgebung, H. 1-5, Hartenstein 1925, S. 97-110.



Michael Wetzel
9.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Schulze, Johann Georg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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