Nagel Johann Friedrich
Porzellan- und Landschaftsmaler
* 1765 Waldheim 3.5.1825 Meißen
VRechnungsführer des Zucht- und Armenhauses in Waldheim
GND: 128442980

N. absolvierte seine Ausbildung zum Landschaftsmaler an der Dresdner Akademie der Schönen Künste unter Anleitung des Dekorations- und Freskenmalers Johann Gottfried Benedikt Theil. Bereits 1785 und 1787 beteiligte sich N. an den Dresdner Akademieausstellungen. 1793 ging er an die Porzellanmanufaktur nach Meißen. Vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. wurde er zu einer Studienreise nach Italien gesandt, jedoch lassen sich von den Motiven seiner Blätter lediglich Aufenthalte in Dresden und Meißen sowie Reisen nach Berlin, Halle/Saale und Dessau ableiten. Den größeren Teil seines Werks nehmen Schilderungen einzelner Gegenden am Elbufer zwischen Dresden und Meißen ein. Hierbei handelt es sich um topografisch getreue und zugleich charakteristische Ansichten dieses Landstrichs. Auf der Meißner Albrechtsburg sind mehrere Meißen-Veduten von N. überliefert, die kompositorisch dem Vorbild Adrian Zinggs folgen, sich jedoch in ihrer kräftigeren Farbigkeit von dessen kolorierten Federzeichnungen unterscheiden. Ferner sind von N. zahlreiche kolorierte und lavierte Umrissradierungen bekannt, darunter mehrere Folgen. So fertigte er 1788 für den preußischen König Friedrich Wilhelm II. die „Sammlung aller schoenen und merckwürdigen Parthien in saemmtlichen Koenigl. Preussischen Staaten“. Unter demselben Titel folgte im Verlag Morino & Compagnie ein Reihe teils kolorierter, teils grau lavierter Radierungen mit verschiedenen Ansichten von Halle, dem Petersberg bei Halle, dem Brocken, Freienwalde, Frankfurt/Oder, Buckow, Brandenburg, Spandau, Halberstadt und Magdeburg. Die „Sammlung Romantischer Parthien in dem Fürstl: Garten zu Wörlitz“ enthält Ansichten aus dem Landschaftspark, die N. für die Chalkographische Gesellschaft in Dessau geschaffen hat. Eine weitere Folge zeigt sechs empfindsam aufgefasste Gegenden aus dem Rheinsberger Park („Sammlung Romantischer Parthien im Garten S. K. H. des Prinzen Heinrich von Preußen zu Rheinsberg, mit den umliegenden Gegenden“). Neben diesen Folgen entstanden verschiedene Einzelblätter, darunter 1813 die zwei Temperazeichnungen „Übergang der Franzosen bei Meißen“ und „Das Abbrennen der Meißner Elbbrücke durch den Französischen Marschall Nicolas Davont am 12. und 13.3.1813“. – N.s Ansichten bestechen noch heute durch die lebendige Detailtreue, mit der selbst Einzelheiten wiedergegeben werden. In ihnen ist der in der Feinmalerei geübte Porzellanmaler zu erkennen, zugleich wirkt darin das Ideal der realistischen Veduten Bernardo Bellottos nach. Über das topografische Interesse hinaus gewann N. den abgebildeten Gegenden einen landschaftlich-malerischen Reiz ab. Seine Darstellungen der Burg und der Stadt Meißen bezeugen die hohe Kultur der sächsischen Landschaftsmalerei, die sich in der geschickten Nutzung der Bildfläche, der Beherrschung der Perspektive und einem kräftigen Kolorit ausdrückt. Schaulust und Interesse an der realen Umgebung, bürgerliche Verbundenheit mit der eigenen Stadt und der biedermeierliche Geschmack zu Beginn des 19. Jahrhunderts spiegeln sich in seinen Werken wider.



W  Sammlung aller schoenen und merckwürdigen Parthien in saemmtlichen Koenigl. Preussischen Staaten für Seine Majestät den König, 1788, Radierungen, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Kupferstichkabinett; Sammlung Romantischer Parthien in dem Fürstl. Garten zu Wörlitz, um 1790, Radierungen, ebd.; Hafenansicht, 1798, Aquarell, Stadtarchiv Meißen; Sammlung Romantischer Parthien im Garten S. K. H. des Prinzen Heinrich von Preußen zu Rheinsberg, mit den umliegenden Gegenden, Radierungen, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Kupferstichkabinett; Ansicht von Frankfurt an der Oder, Gouache, Stadtarchiv Frankfurt/Oder; Im Plauenschen Grund, Gouache, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg; Flottenfest in Moritzburg, Gouache; Das Abbrennen der Meißner Elbbrücke durch den Französischen Marschall Nicolas Davont am 12. und 13.3.1813, 1813, Gouache, Stadtmuseum Meißen; Übergang der Franzosen bei Meißen, 1813, Gouache, ebd.; Schloss Siebeneichen von Südosten, Aquarell, ebd.; Albrechtsburg von Norden mit Blick auf Elbbrücke und Loge, Aquarell, ebd.; Stadtansicht von Süden auf Elbe, Brücke und Burg, Burgberg und Stadt Meißen von Proschwitz aus gesehen, Aquarell, ebd.

L  A. Fröhlich, Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 241-244; dies., Ansichten aus Sachsen und Preußen, in: Weltkunst 73/2003, S. 1436-1438. – DBA I, II; Thieme/Becker, Bd. 25, Leipzig 1999, S. 330.



Anke Fröhlich
15.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Nagel, Johann Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.5.2017)

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