Fink (Finck, Fincke, Funke) Johann
Maler
* 20.4.1628 Freiberg oder Graslitz/Böhmen (tschech. Kraslice) 10.12.1675 Dresden(ev.)
VJacob
GND: 11583852X

Über F.s Leben ist bis zu seiner Ankunft in Dresden wenig bekannt. Er soll Italien bereist und sich in Neapel aufgehalten haben. Um 1648/49 war er in Freiberg tätig, seit 1658 in Dresden. Dort stand er zunächst im Dienst des Oberhofmarschalls Johann Georg Freiherr von Rechenberg. 1659 wurde F. kurfürstlicher Hofmaler und 1663 anstelle von Christian Schiebling zum „Contrafactur- und Oberhofmaler“ ernannt. Später erhielt er die Aufsicht über das kurfürstliche „Lusthaus auf dem Ritterberge“ in Dresden und den Titel eines Kammerdieners. – Das früheste von F. bekannte Werk ist das 1648 entstandene Altargemälde in der Kirche zu Olbernhau. In der oberen Szene ist die „Einsetzung des Abendmahls“ dargestellt; die Figuren-, Gewand- und Farbgestaltung erinnert an Albrecht Dürer. Die „Austeilung des Abendmahls“ im unteren Teil ist in kleinerem Maßstab gehalten und im Stil der Zeit gestaltet. 1649 entstand das Porträt des Freiberger Berghauptmanns Georg Friedrich von Schönberg, 1670 das Altargemälde für die Kirche St. Marien und Laurentius in Dippoldiswalde sowie das ovale Deckengemälde „Himmelfahrt Christi“ in der Moritzburger Schlosskapelle. Die Dippoldiswalder Altartafel und noch stärker das barocke Deckengemälde in Moritzburg, bei dem kräftige und leuchtende Farben – rot, gelb und blau – vorherrschen, lassen italienische Einflüsse erkennen. Ein Rundbild mit der Darstellung des „Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube“ gehörte ursprünglich zum Altar der Schlosskapelle, dessen Haupttafel von Stefano Cattanii gefertigt wurde (heute in der Evangelischen Pfarrkirche Moritzburg). Weiterhin schuf F. Porträts der kurfürstlichen Familie, von denen sich in Dresden drei Bildnisse Johann Georgs II. erhalten haben. Die frühbarocken Repräsentationsporträts, als Knie- oder Hüftstücke im Dreiviertelprofil gestaltet, sind vorrangig in dunklen Farben gehalten und mit nur wenigen Details angereichert. Lediglich ein Gemälde zeigt Johann Georg II. als Standfigur, in Begleitung eines blonden Knaben und eines Mohren, den Fuß auf ein Kanonenrohr gestützt. Die Bildnisse des Oberlandbaumeisters und Erbauers des Palais im Dresdner Großen Garten Johann Georg Starke (1722 mit drei weiteren Bildern F.s erwähnt), des Oberhofpredigers Johann Andreas Lucius (1670, gestochen von Johann Caspar Höckner und Christian Romstet) sowie ein Selbstporträt (gestochen von Johann Bensheimer nach einer Zeichnung von J. G. Nohr) sind verschollen. In der ehemaligen Dresdner Kunstkammer befanden sich zwei biblische Historienbilder, „Die Vertreibung aus dem Paradies“ (1663) und „Die Flucht nach Ägypten“ (1667). Die wenigen erhaltenen Werke aus seinem Œuvre lassen, bis auf die erhaltenen Porträts, keinen einheitlichen Stil erkennen.



Q  Akten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer.

W  Einsetzung und Austeilung des Heiligen Abendmahls, 1648, Öl auf Kupfer, Olbernhau, Stadtkirche; Berghauptmann Georg Friedrich von Schönberg, 1649, Öl auf Leinwand, Freiberg, Oberbergbauamt; Doppelbildnis Johann Georgs II. und des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg, um 1660, Ölgemälde, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer; Kreuzigung, 1670, Ölgemälde, Dippoldiswalde, Kirche St. Marien und Laurentius; Zwei Bildnisse Kurfürst Johann Georgs II., um 1670, Ölgemälde, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer; Heiliger Geist in Gestalt einer Taube, Rundbild, um 1670, Moritzburg, Evangelische Pfarrkirche; Himmelfahrt Christi, um 1670, Deckengemälde, Moritzburg, Schlosskapelle.

L  T. Distel, Nachrichten über einige Geweihe und Bilder zu Moritzburg, in: Zeitschrift für Museologie und Antiquitätenkunde sowie verwandte Wissenschaften 5/1882, S. 123f.; ders., Nachrichten über einige Bilder, in: ebd., S. 171; C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, H. 5: Amtshauptmannschaft Marienberg, Dresden 1885, S. 24, H. 26: Amtshauptmannschaft Dresden Neustadt, Dresden 1904, S. 101-104; K. Knebel, Die Mal- und Zeichenkunst in Freiberg, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 36/1899, S. 7-114; A. F. Wappler, Freiberger Künstler und Gewerken, in: ebd. 38/1902, S. 103f.; J. L. Sponsel, Fürstenbildnisse aus dem Hause Wettin, Dresden 1906; G. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen I, München/Berlin 1996, S. 95, Sachsen II, München/Berlin 1998, S. 770. – AKL, Bd. 40, Leipzig 2004, S. 135; DBA II, III; DBE 3, S. 303; NDB 5, S. 160f.; Thieme/Becker, Bd. 11, Leipzig 1915, S. 575f.

P  Johann F., Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Stefanie Gericke
16.11.2010


Empfohlene Zitierweise:

Stefanie Gericke, Fink (Finck, Fincke, Funke), Johann, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.3.2017)

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