Crafft (Kraft) Johann Daniel
Chemiker, Ökonom
* 28.9.1624 Miltenberg bei Wertheim 16.4.1697 Amsterdam Amsterdam, Antoniusfriedhof(kath.)
V Just (* 1594), ArztMSusannaDorothea, geb. Helfrich
GND: 122899687

C. studierte etwa zwischen 1640 und 1660 Medizin, Botanik und Chemie und erwarb den Doktorgrad. 1662 war er als „berg medicus“ im Harzbergwerk Zellerfeld tätig. Um 1663 unternahm er Studienreisen nach Frankreich, Holland und Nordamerika und vertiefte seine Kenntnisse in den Naturwissenschaften, der Chemie und Ökonomie. 1670 trat er in den Dienst des Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn, der ihn zum Handelsrat ernannte. Im kurfürstlichen Auftrag war er mit verschiedenen Projekten beschäftigt, so mit der Leitung von Glas- und Eisenhütten sowie mit der Zuckerraffinierung, dem Seidenhandel und dem Anbau von Maulbeerbäumen. Im Spessart betrieb C. um 1673 zudem eine Glashütte. Ein dort entwickeltes Verfahren zur Produktion von Milchglas wird ihm zugeschrieben. In diese Zeit fällt auch seine erste Begegnung mit Gottfried Wilhelm Leibniz, mit dem er zeitlebens verbunden blieb. Ihre Korrespondenz aus den Jahren 1671 bis 1697 umfasst 157 Briefe und stellt ein wertvolles Spiegelbild dieser Epoche dar. – Nach dem Tod des Mainzer Kurfürsten 1673 nahm C. Verbindung zum sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. auf und unterbreitete ihm Vorschläge zur Einführung verschiedener Gewerbezweige in Sachsen in Form von Manufakturen. 1674 errichtete C. in Leipzig die erste Seidenmanufaktur Sachsens, in der bereits nach sechs Monaten 60 Personen beschäftigt waren und Seide im Wert von 12.000 Talern produziert wurde. Da diese neue Betriebsform den Widerstand der Leipziger Zünfte und Kaufleute hervorrief, ging C. nach Dresden und wandte sich dort 1675 dem Aufbau einer Seiden- und Wollmanufaktur in der Neustadt Ostra zu. Vom sächsischen Kurfürsten wurde er zum Kommerzienrat ernannt. 1677 besuchte C. Leibniz in Hannover und führte dem dortigen Hof das gerade von Hennig Braun entdeckte Phosphor vor. C.s Manufaktur in Dresden blieb jedoch v.a. aufgrund von Absatzschwierigkeiten und wegen des Widerstands von Handwerk und Kaufmannschaft erfolglos. Nach dem Tod des Kurfürsten 1680 wurde sie geschlossen und C. selbst entlassen und 1684 sogar vorübergehend in Haft genommen. Fortan führte C. ein unstetes Leben. 1685 bis 1690 ging er erneut auf Reisen und richtete zunächst in Böhmen im Jesuitenkloster Mariaschein in Bohusudov bei Teplitz (tschech. Teplice) die erste böhmische Wollmanufaktur ein. Danach verhandelte er in Wien vergeblich über die Einrichtung einer Gasbeleuchtung. 1689 bot ihm der Bischof von Passau die Stelle eines Kammerrats an, 1690 stand er im Dienst des Grafen von Schwarzburg in Arnstadt. Bemühungen von Leibniz, ihn in Hannover unterzubringen, scheiterten. Um 1694 verschlechterte sich C.s Gesundheitszustand. Nachdem ihn Betrüger um sein Vermögen gebracht hatten, lebte er bis zu seinem Tod in sehr ärmlichen Verhältnissen in Amsterdam. – Trotz vieler Rückschläge und Misserfolge in seinen Experimenten zur Überwindung vormoderner Produktionsformen sollten seine Ideen bald Früchte tragen. „Bekanntlich konnte sich im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts die von C. propagierte damals fortschrittlichste gewerbliche Produktion in ganz Sachsen durchsetzen“ (R. Forberger).



L  R. Forberger, Die Manufaktur in Sachsen, Berlin 1958; ders., Johann Daniel C. Notizen zu einer Biographie (1624-1697), in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2/1964, H. 3, S. 63-79; ders., Die sächsische Manufaktur in der Ära Augusts des Starken, in: Johann Friedrich Böttger zum 300. Geburtstag, hrsg. von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden 1982, S. 33f.; S. Richter-Nickel, Aufstieg zur Residenzstadt von europäischem Rang (1648-1763), in: Dresden. Die Geschichte der Stadt, hrsg. vom Dresdner Geschichtsverein, Dresden 2002, S. 57-100. – DBA II, III; DBE 2, S. 387, NDB 3, S. 387.



Ursula Forberger †
6.7.2005


Empfohlene Zitierweise:

Ursula Forberger †, Crafft (Kraft), Johann Daniel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.5.2017)

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