Adelung Johann Christoph
Hofrat, Bibliothekar, Sprachwissenschaftler, Lexikograf
* 8.8.1732 Spantekow bei Anklam 10.9.1806 Dresden Dresden, Innerer Neustädter Friedhof(ev.)
VJohann Paul (1703-1759), PfarrerMRegina Sophie, geb. Loeper (1702-1782)GJuliana (* 1734); Paulus (1736-1785), preußischer Oberfeldapotheker; Christiane Sophia (1738-1789); Georg Daniel (1744-1794).
GND: 118500651

A. erhielt seine erste Ausbildung in der Stadtschule in Anklam und im Kloster Berge bei Magdeburg, ehe er 1752 bis 1758 in Halle/Saale studierte. Hier beeinflusste ihn v.a. der Theologe und Historiker Sigismund Jacob Baumgarten, dessen Privatbibliothek er einige Jahre betreute. Anschließend übernahm er 1758 bis 1762 einen Lehrauftrag als Professor am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt. Ab 1765 arbeitete er freischaffend als Korrektor, Übersetzer, Redakteur und Rezensent in Leipzig. A. gab das „Leipziger Wochenblatt für Kinder“ (1772-1774), von Christian Felix Weiße unter dem Titel „Kinderfreund“ weitergeführt, und das „Magazin für die deutsche Sprache“ (1783-1784) heraus. Er bearbeitete bis zum Buchstaben J die Fortsetzungen von Christian Gottlieb Jöchers „Allgemeinem Gelehrten-Lexicon“. Unter seinen etwa 70 Büchern ist besonders das „Grammatisch-kritische Wörterbuch der hochdeutschen Mundart“ (1774-1786) zu erwähnen, das seine Stellung als bedeutendster Sprachtheoretiker des ausgehenden 18. Jahrhunderts begründete. 1787 berief ihn der sächsische Kurfürst Friedrich August III. (ab 1806 König Friedrich August I., der Gerechte) zum Leiter der kurfürstlichen Bibliothek in Dresden. Hier vollendete A. den Umzug vom Zwinger in das Japanische Palais und machte die Einrichtung ab 1788 der öffentlichen Nutzung zugänglich. So war u.a. der Leseraum täglich vier Stunden geöffnet, und Bücher konnten vier Wochen ausgeliehen werden. A. erreichte die Erhöhung des Etats von 500 auf 3.500 Taler, die es ihm z.B. ermöglichten, aus dem Besitz der „Gesellschaft der freien Künste und Wissenschaften“ in Leipzig 86 altdeutsche Handschriften zu erwerben, darunter die Meistergesangbücher von Hans Sachs. Unter A.s Ägide begann man 1796 mit der Stempelung der Bücher mit dem kursächsischen Wappen. Im selben Jahr ließ er einen alphabetischen Katalog in Angriff nehmen, dem ein Sachkatalog folgte, für den er persönlich die Verzeichnung der griechischen und römischen Klassiker vornahm. 1793 übertrug man ihm zusätzlich die Verwaltung der Privatbibliothek des Kurfürsten. – A. war ein begeisterter Kartensammler. Sein „Kritisches Verzeichnis der Landkarten und vornehmsten topographischen Blätter der Chur- und Fürstlich-Sächsischen Lande“ (1796) beschreibt seine aus etwa 14.000 Blättern bestehende Sammlung. Diese konnte Ernst Wilhelm Förstemann erst 1883 für die Königliche öffentliche Bibliothek erwerben. – Der als zurückhaltend beschriebene Oberbibliothekar A. gehörte zum Freundeskreis Christian Gottfried Körners, in dessen Haus er regelmäßig mit Anton Graff und Karl August Böttiger zusammentraf. Bis zu seinem Lebensende stand er in regem Briefwechsel mit der Verlegerfamilie Breitkopf, mit der er seit seiner Leipziger Zeit eng verbunden war.



W  Kurzgefaßte Geschichte der Streitigkeiten der Herzoge von Holsteingottorp mit der Krone Dänemark aus öffentlichen Acten und Documenten bis auf gegenwärtige Zeit mit unparteiischer Feder beschrieben, Frankfurt/Main/Leipzig 1762; Geschichte der Schiffahrten und Versuche zur Entdeckung des Nordöstlichen Weges nach Japan und China …, Halle/Saale 1768; Unterweisung in den vornehmsten Künsten und Wissenschaften zum Nutzen der Schulen, Leipzig 1771, 41785; (Hg.), Leipziger Wochenblatt für Kinder 1772-1774; Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Leipzig 1774-1786; Deutsche Sprachlehre, Berlin 1781; Versuch einer Geschichte der Cultur des menschlichen Geschlechts, Leipzig 1782, 21800; (Hg.), Magazin für die deutsche Sprache 1783/84; Kritisches Verzeichnis der Landkarten und vornehmsten topographischen Blätter der Chur- und Fürstlich-Sächsischen Lande, Meißen 1796; Directorium, das ist chronologisches Verzeichniss der Quellen der süd-sächsischen Geschichte sofern selbige aus Geschichtsschreibern aller Art und Denkmählern bestehen, Meißen 1802, 21818; Aelteste Geschichte der Deutschen, ihrer Sprache und Litteratur, bis zur Voelkerwanderung, Leipzig 1806 (ND Hildesheim u.a. 1971).

L  F. A. Ebert, Geschichte und Beschreibung der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden, Leipzig 1822, S. 102; K.-E. Sickel, Johann Christoph A., Diss. Leipzig 1933; K. Assmann (Hg.), Sächsische Landesbibliothek Dresden 1556-1956, Leipzig 1956, S. 223; M. Strohbach, Johann Christoph A., Berlin/New York 1984 (WV); W. Dengler, Johann Christoph A.s Sprachkonzeption, Frankfurt/Main u.a. 2003. – ADB 1, S. 80-84; DBA I; DBE 1, S. 35; NDB 1, S. 63-65; J. G. A. Kläbe (Hg.), Neuestes gelehrtes Dresden, Leipzig 1796, S. 1-3; J. S. Ersch/J. G. Gruber (Hg.), Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, Bd. 1, Leipzig 1818, S. 404-406; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 1; K. Nitzschke (Hg.), Die großen Dresdner, Frankfurt/Main/Leipzig 1999, S. 103-112; T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 10 (P).

P  Johann Christoph A., A. Graff, 1802/03, Öl auf Leinwand, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Katrin Nitzschke
30.7.2010


Empfohlene Zitierweise:

Katrin Nitzschke, Adelung, Johann Christoph, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.7.2016)

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