Hasche Johann Christian
Theologe, Historiker
* 1.1.1744 Nieska bei Mühlberg 25.7.1827 Dresden(ev.)
VJohann Georg, Schneider
GND: 116510706

H. hat sich mit zwei umfangreichen Arbeiten zur Dresdner Stadtgeschichte einen Namen gemacht. – Nach dem Besuch der Kreuzschule in Dresden studierte er 1768 bis 1773 in Leipzig Theologie, belegte aber auch Vorlesungen in anderen Fächern. So hörte er u.a. Christian Fürchtegott Gellert, auf dessen Tod 1770 er die „Zärtlichen Klagen“ verfasste. 1773 in Dresden zum Kandidaten der Theologie examiniert, war H. in der Folgezeit dort als Hauslehrer in vornehmen Familien tätig, z.B. beim dänischen Gesandten am kurfürstlichen Hof. Seit 1776 veröffentlichte er v.a. in den „Dresdner Gelehrten Anzeigen“ theologische und historische Aufsätze sowie Rezensionen. Die Bekanntschaft mit dem in Dresden lebenden Geheimen Kriegsrat Johann August von Ponickau förderte seine historischen Interessen. Insbesondere konnte er dessen umfangreiche Bibliothek nutzen, die später den Grundstock der Saxonica-Sammlung der Universitätsbibliothek in Halle bildete. – 1781 und 1783 erschien in Leipzig H.s zweibändige „Umständliche Beschreibung Dresdens“, die neben einer Geschichte der Stadt eine detaillierte Topografie Dresdens im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts bietet und eine noch heute häufig genutzte Quelle für die ältere Geschichte der Stadt darstellt. 1784 bis 1791 gab H. im Dresdner Verlag Gerlach das achtbändige „Magazin der sächsischen Geschichte“ heraus. – Anfang Januar 1789 erhielt er die Stelle eines Festungsbaupredigers, des Seelsorgers für die Festungsbaugefangenen der Stadt, welche er bis zu seiner Pensionierung 1822 innehatte. – Als H.s Hauptwerk ist die 1816 bis 1822 (einschließlich eines Urkundenbands) erschienene sechsbändige „Diplomatische Geschichte Dresdens“ anzusehen. Sie bildet die erste große Darstellung der Geschichte der Stadt, bei der gänzlich auf topografische Beschreibungen verzichtet wurde. Das Bestreben des Verfassers war es, auf wissenschaftlicher Basis die Entwicklung Dresdens im Rahmen der sächsischen und nationalen Geschichte darzustellen. Zu diesem Zweck zitierte er mehrere hundert Urkunden und andere Quellentexte. Bemerkenswert sind die recht ausführlichen kultur-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Erörterungen. Insgesamt steht H.s Dresden-Geschichte noch in der Tradition der Geschichtsschreibung der Aufklärung.



W  Aufgerichtetes Ehrendenkmal bei dem Sarge des Herrn Professor Gellerts, o.O. 1770; Zärtliche Klagen eines Jünglings, geweint bei dem frühen Grabe des Herrn Professors Gellerts, Leipzig 1770; Umständliche Beschreibung Dresdens mit allen seinen äußeren und inneren Merkwürdigkeiten, 2 Bde., Leipzig 1784-1791; Magazin der sächsischen Geschichte, 8 Bde., Dresden 1784-1791; Beiträge zur Geschichte des Hohensteiner Amtes, Dresden 1787; Versuch einer Geschichte der Burggrafen von Meißen, Dresden 1793; Diplomatische Geschichte Dresdens von seiner Entstehung bis in unsere Tage, 6 Bde., Dresden 1816-1822.

L  W. Lindner, H., in: Neuer Nekrolog der Deutschen 1827, Ilmenau 1829, S. 725-727. – DBA I.



Reinhardt Eigenwill
11.5.2005


Empfohlene Zitierweise:

Reinhardt Eigenwill, Hasche, Johann Christian, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.4.2017)

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