Ermisch Hubert Georg Karl Rudolf Wilhelm
Architekt, Zwingerbaumeister
* 21.9.1883 Dresden 11.11.1951 Dresden Dresden, Johannisfriedhof Tolkewitz(ev.)
VHubert Maximilian (1850-1932), Historiker, Bibliothekar, Archivar, Direktor der Königlichen Sächsischen Landesbibliothek, Herausgeber des Neuen Archivs für sächsische GeschichteMCharlotte, geb. Langerfeldt (1855-1922)GKarl (* 1877), Geologe; Anna, verh. Tomschke (* 1878); Otto (1888-1891) 1912 Johanna Karoline, geb. Richter (* 1886)
GND: 140015582





Als Architekt in vier Systemen tätig, schuf E. durch jahrelange Restaurierungsarbeiten die Voraussetzung dafür, dass der Dresdner Zwinger - eines der bedeutendsten Wahrzeichen der sächsischen Landeshauptstadt - noch heute zu besichtigen ist. Mit seinem Namen sind die Gründung der Zwingerbauhütte in den 1920er-Jahren und der Beginn der Wiederaufbauarbeiten am teilzerstörten Zwinger unmittelbar nach Ende der Kriegshandlungen 1945 verbunden. – Der zweitälteste Sohn des Historikers und Archivars Hubert Ermisch besuchte das Königliche Gymnasium Dresden-Neustadt. Er studierte 1904 bis 1907 an den Technischen Hochschulen in Dresden und München und wurde 1915 in Dresden promoviert. Zu seinen Hochschullehrern zählten Fritz Schumacher, Martin Dülfer und Cornelius Gurlitt. Letzterer weckte E.s Interesse für den Denkmalschutz. Nach dem Studienende wurde E. zum Regierungs-Baurat ernannt und war zunächst im Landbauamt Bautzen tätig. In Leipzig leitete er den Bau der Tierärztlichen Fakultät sowie die Umbaumaßnahmen an der Frauenklinik und der Universitätsbibliothek. Zum entscheidenden Ereignis in E.s Leben wurde die Gründung der Zwingerbauhütte, die ihn am 15.10.1924 zu ihrem ersten Vorsitzenden machte. In den folgenden Jahren widmete sich E. gemeinsam mit Georg Wrba, der die bildhauerischen Arbeiten leitete, dem Erhalt und der Restauration des Dresdner Zwingers. Um den originalen Zustand des Wahrzeichens im Sinne Matthäus Daniel Pöppelmanns zu rekonstruieren, ließ E. Königsteiner Sandstein ankaufen, die notdürftigen Ausbesserungen vergangener Jahrzehnte rückgängig machen und gestaltete das gesamte Zwingerareal im Stil des Augusteischen Zeitalters. Dafür musste etwa ein Verwaltungsbau am Mathematisch-Physikalischen Salon weichen. E. sprach sich ferner für die Umsetzung des erst Mitte des 19. Jahrhunderts im Zwinger aufgestellten Denkmals für Friedrich August III. (Friedrich August I., der Gerechte) von Ernst Rietschel aus, die 1930 dann auch erfolgte. Ursprünglich auf fünf Jahre angelegt, kamen die Arbeiten an der äußeren Gestalt des Zwingers erst 1936 zum Abschluss. 1927 bis 1935 leitete der Architekt zusätzlich den Umbau des Japanischen Palais, in das ein Buchmuseum integriert werden sollte. Während des Zweiten Weltkriegs betreute E. die Bergungsorte der Kunstsammlungen Dresden. – Der Zwinger wurde wie weite Teile der Dresdner Altstadt durch die alliierten Bombenangriffe der letzten Kriegsmonate 1945 schwer getroffen. E. leitete bereits wenige Tage nach den Luftangriffen vom Februar 1945 die Bemühungen einer kleinen Gruppe, zu der auch der Bildhauer Albert Braun und der Architekt Arthur Frenzel zählten, die Folgeschäden am maroden Bauwerk zu begrenzen. Mit dem Vertrieb von Motiv-Postkarten und eigenen Publikationen warb E. in den folgenden Jahren erfolgreich dafür, die seitens der Landesverwaltung bewilligten Mittel und Anstrengungen für einen Wiederaufbau des Zwingers nicht aufzugeben und nicht von ideologischen Gesichtspunkten abhängig zu machen. E. stand mit dem Dresdner Fotografen Walter Hahn im Austausch, der ihm für die Öffentlichkeitsarbeit vielfach die gewünschten Abzüge zukommen ließ. – E. wirkte auch am Wiederaufbau der Katholischen Hofkirche in Dresden mit. Bereits im Mai 1946 äußerte sich E. in einem Gutachten über die Möglichkeit, das während des Kriegs vom Neustädter Markt nach Pillnitz verbrachte Reiterstandbild Friedrich Augusts I. (August II., der Starke) wiederaufzustellen und mahnte einen vorsichtigen Umgang mit dem stark angegriffenen Denkmal an. – Am 15.9.1946 trat E. in die CDU ein. In seinen letzten Lebensjahren kämpfte der Architekt mit einer schweren Erkrankung und konnte 1950 zur feierlichen Verleihung des Nationalpreises der DDR für seine Verdienste um den Erhalt des Zwingers bereits nicht mehr persönlich erscheinen. E. verstarb schließlich am 11.11.1951. In den Räumen des Hygiene-Museums fand am 15.11.1951 eine offizielle Trauerfeier statt, an der Ministerpräsident Max Seydewitz als Festredner teilnahm. In der Wilsdruffer Vorstadt in Dresden, nicht weit von E.s alter Wirkungsstätte, wurde die Ermischstraße nach ihm benannt.



Q  Stadtarchiv Dresden, 6.4.25 Standesamt/Urkundenstelle, Eheschließungen, Standesamt Dresden 1, Nr. 687, 6.9.1912, Todesfälle 1951, Standesamt 5 Dresden, Nr. 2648, 12.11.1951; Landesamt für Denkmalpflege Dresden - Aktenarchiv, Topografische Registratur, Gutachten zum technischen Zustand des Goldenen Reiters und zur Frage der Wiederaufstellung, 23.5.1946, unfol.; Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Handschriftensammlung, Mscr. Dresd. App. 2633, 778-791.

W  Zur Erinnerung an Georg Waitz, Dresden 1913; Beiträge zur Baugeschichte der Sächsischen Rat- und Kaufhäuser der Spätgotik und Renaissance, Leipzig 1920; Zwinger-Führer, Dresden 1926; Baugedanken des Zwingers, in: Dresdner Kunstbuch 1/1927, S. 84-89; mit Karl Löser, Das Rathaus von Pirna, Pirna 1928; Der Dresdner Zwinger im Wandel der Zeiten, in: Zeitschrift für Denkmalpflege 3/1928/1929, S. 60-64; Das Denkmal König Friedrich August des Gerechten und der Zwinger, in: Dresdner Anzeiger 11.3.1930, S. 5; Ein bedeutsames Stadtjubiläum. 200 Jahre Dresden-Neustadt, in: ebd. 10.2.1932, S. 5; Das Japanische Palais in Dresden-Neustadt, Dresden 1935; Der Dresdner Zwinger und seine Wiederherstellung, in: Die Baugilde. Mitteilungen des Bundes Deutscher Architekten 18/1936, S. 9-17; Landesbibliothek, Japanisches Palais und Denkmalpflege, in: Hermann Neubert (Hg.), Festschrift Martin Bollert zum 60. Geburtstage, Dresden 1936, S. 15-20; Matthes Daniel Pöppelmann, in: Sächsische Lebensbilder, Bd. 2, Leipzig 1938, S. 324-339; Die Wiederherstellung des Dresdner Zwingers, in: Der Bauhelfer. Zeitschrift für das gesamte Bauwesen 1/1946, S. 5-9; Ist der Zwinger zu retten?, in: Merian. Die Lust am Reisen 1/1948/1949, H. 12, S. 67-72; Der Dresdner Zwinger, Dresden 1953, 31956.

L  Dr. H. G. E. †, in: Die Union 14.11.1951, S. 1; Ernst Lohagen/Heinz Glaser, Nationalpreisträger Dr. E. gestorben. Nachruf der Landesleitung Sachsen der SED, in: Sächsische Zeitung 14.11.1951, S. 1; Abschied von Dr. E. Regierung würdigt große Verdienste des Verstorbenen, in: Sächsische Zeitung 16.11.1951, S. 1. – DBA III; NDB 4, S. 603; AKL, Bd. 34, München/Leipzig 2002, S. 422; Anja Musiol/Waltraud Voss (Hg.), Biographisches Lexikon der frühen Promovenden der TU Dresden (1900-1945), Ms. 2015 [https://www.ua.tu-dresden.de/PDFs/voss2015pf.pdf].

P  Porträt Hubert E., Li Naewiger, um 1950, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Lennart Kranz
24.9.2019


Empfohlene Zitierweise:

Lennart Kranz, Ermisch, Hubert Georg Karl Rudolf Wilhelm, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.11.2019)

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