Peschel Karl Horst
Vermessungsingenieur, Rektor der TH Dresden
* 29.9.1909 Dresden 11.4.1989 Dresden Wendeburg-Neubrück bei Braunschweig
VAdolf (1878-1927), VermessungstechnikerMAnna, geb. Günzel (1877-1953), SchneiderinGHerbert (1904-1935), Sprachwissenschaftler; Elisabeth (1906-1978), Kunstgewerblerin1939 Annelies, geb. Richter (1913-2004), KrankengymnastinSDiedert (* 1943), Maschinenbauingenieur; Andreas Horst (* 1963, außerehelich), GalvanotechnikingenieurTAlgisa (* 1941), Vermessungsingenieurin, Kunstwissenschaftlerin; Helgard (* 1954), Japanologin
GND: 105842389





Nach dem frühen Tod des Vaters musste P. schon als Schüler zum Unterhalt der Familie mit Vermessungsarbeiten beitragen. Hier reifte sein Entschluss, Vermessungsingenieur zu werden. 1928 begann er nach dem Abitur an der Dresdner Annenschule ein Studium der Geodäsie an der Technischen Hochschule Dresden, das er 1932 mit dem Diplom als Vermessungsingenieur beendete. P. blieb als wissenschaftlicher Assistent seines Lehrers Paul Werkmeister an der Hochschule und promovierte hier 1936 zum Dr.-Ing. Zwischenzeitlich unternahm er Studienreisen zu geodätischen Zentren in Deutschland, Norditalien sowie der Schweiz und war 1933/34 ein halbes Jahr am Geodätischen Institut Potsdam in der Abteilung für Schweremessungen tätig. 1936 bis 1938 absolvierte P. ein Referendariat im Landesvermessungsamt Sachsen, das er mit der zweiten Staatsprüfung abschloss. 1938/39 hielt er am Lehrstuhl für Vermessungskunde in Dresden Vorlesungen und Übungen vor Studenten der Geodäsie, Architektur und Forstwirtschaft. 1939 bis 1944 war P. als öffentlich bestellter Vermessungsingenieur in Dresden tätig, ging allerdings 1940/41 nochmals ein Vierteljahr als wissenschaftlicher Assistent an das Dresdner Hochschulinstitut zu Reinhard Hugershoff. 1939 bis 1945 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, jedoch zur Wahrnehmung von Lehrverpflichtungen an der Hochschule und größeren Vermessungsarbeiten für die Reichsbahn wiederholt freigestellt. Im Februar 1945 verlor P. bei den Bombenangriffen auf Dresden Wohnung und Büro. 1946 war das Jahr des beruflichen Neubeginns, nachdem er nach Heimkehr aus kurzer Kriegsgefangenschaft zunächst mit seiner Familie in Strießen bei Großenhain wohnte. Er übernahm die Leitung eines Vermessungsbüros in Dresden. – 1950 wurde P. zum Professor auf den wieder eingerichteten Lehrstuhl für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden berufen. Es war v.a. wegen der hierfür noch fehlenden instrumentellen Ausrüstung ein schwieriger Anfang. 1952 führte er die Große Vermessungsübung im Lehrfach Landesvermessung ein. Im gleichen Jahr übernahm P. das Direktorat des Geodätischen Instituts, das er bis 1968 ausübte. 1953 wurde unter P. die selbstständige Abteilung für Vermessungswesen in der Fakultät Bauwesen gebildet, der er bis 1956 vorstand. 1953 bis 1956 war P. Rektor der Technischen Hochschule Dresden und anschließend zwei Jahre Stellvertreter des neuen Rektors. In seiner Amtsperiode wurde der Wiederaufbau der durch die Luftangriffe schwer beschädigten Hochschulgebäude im Wesentlichen vollzogen und der Neubau weitergeführt. Damit nahm er bedeutenden Anteil an der Entwicklung und internationalen Anerkennung dieser Bildungsstätte. 1953 bis 1956 verwaltete P. kommissarisch das Institut für Forstliche Geodäsie und Photogrammetrie der Fakultät für Forstwirtschaft in Tharandt. Die Einrichtung der Zentralstelle für internationale Dokumentation der Geodäsie am Geodätischen Institut 1956 war sein Werk. 1963 bis 1968 leitete er neben seinem Lehramt in Dresden kommissarisch das Geodätische Institut Potsdam. Nach der 1968 im Zuge der dritten Hochschulreform in der DDR vollzogenen Auflösung des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden war P. 1969 bis 1974 Leiter des neu gebildeten Wissenschaftsbereichs Geodäsie. In der wissenschaftlichen Arbeit galt seine Vorliebe dem Feld der geometrischen Höhenmessung. Diese Forschungen gipfelten in der unter seiner Führung entwickelten praxisreifen und auch international genutzten Technologie des motorisierten Präzisionsnivellements. Dafür erhielt P. 1973 den Nationalpreis dritter Klasse. 1974 wurde er als ordentlicher Professor für Sphäroidische und Physikalische Geodäsie emeritiert. – Die Zahl seiner Mitgliedschaften und Ehrenämter ist groß. 1950 gehörte P. zu den Gründern des Fachausschusses Vermessungswesen bei der Kammer der Technik sowie 1952 der Fachzeitschrift „Vermessungstechnik“, in deren Redaktionsbeirat er mitwirkte. 1952 bis 1967 war er ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1959 bis 1974 amtierte P. als Präsident der Kammer der Technik und wurde 1974 deren Ehrenpräsident. 1960 war er Mitbegründer der Gesellschaft für Photogrammetrie der DDR. 1963 bis 1984 leitete P. als Präsident das Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik bei der Akademie der Wissenschaften der DDR. An der 1963 erreichten selbstständigen Mitgliedschaft der DDR in der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik (IUGG) und der Internationalen Assoziation für Geodäsie (IAG) hatte P. großen Anteil. Bis 1983 amtierte er als Präsident der Kommission Bibliographie der IAG und wurde 1984 in deren Nominierungskomitee berufen. Er war Mitglied im Forschungs- sowie Hoch- und Fachschulrat der DDR, wirkte in Gremien der Technischen Universität Dresden und Kammer der Technik sowie in verschiedenen Ausschüssen und Arbeitskreisen des Vermessungswesens. P. erhielt 1956 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber sowie 1974 in Gold und 1984 mit Ehrenspange, 1961 den Orden Banner der Arbeit, 1969 den Ehrentitel Verdienter Techniker des Volkes, 1978 den Preis der Technischen Universität Dresden Stufe eins, 1984 die Johannes-Stroux-Medaille der Akademie der Wissenschaften der DDR und die Ernst-Abbe-Medaille der Kammer der Technik. 1982 wurde P. Ehrensenator der Technischen Universität Dresden. – P. hat in 24 Jahren als Hochschullehrer die Geodäsieausbildung in Dresden mit seinen Fähigkeiten und Erfahrungen wesentlich geformt. Unter seiner Leitung erfuhr das Geodätische Institut weiteren Ausbau zu einer leistungsfähigen Stätte der Lehre und Forschung. In seiner vielseitigen Tätigkeit setzte sich P. stets für die Weiterentwicklung der geodätischen Wissenschaft ein. Er war ein verdienstvoller Forscher und Wissenschaftsorganisator, der in vorteilhafter Weise die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers mit denen eines Praktikers vereinte. Für die meisten Berufskollegen war er der Inbegriff eines Geodäten überhaupt. P. kann durch sein allseitiges Wirken als der bedeutendste Geodät der DDR bezeichnet werden.



Q  Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv, Professorenkatalog und -dokumentation, Personalakte (WV).

W  Das Geodätische Institut, in: H. Ley (Red.), Festschrift 125 Jahre Technische Hochschule Dresden 1828-1953, Berlin 1953, S. 115-125; P. S. Sakatow, Lehrbuch der höheren Geodäsie, Berlin 1957 (dt. Bearb.); N. A. Urmajew, Sphäroidische Geodäsie, Berlin 1958 (dt. Bearb.); M. S. Molodenski, Grundbegriffe der geodätischen Gravimetrie, Berlin 1958 (dt. Bearb.); 150 Jahre Technische Universität Dresden - 150 Jahre Geodäsie in Lehre und Forschung, in: Vermessungstechnik 26/1978, H. 6, S. 181-184, H. 8, S. 279-281, H. 11, S. 384-389; 40 Jahre Kammer der Technik, in: ebd. 34/1986, H. 7, S. 218-222.

L  R. Koitzsch, Prof. Dr.-Ing. Horst P., in: Vermessungstechnik 1/1953, H. 7, S. 122f. (P); W. Zill, Zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. P., in: ebd. 17/1969, H. 9, S. 354f. (P); Wir gratulieren, Herr Präsident, in: Technische Gemeinschaft 17/1969, H. 10, S. 2-5 (P); W. Rüger, Prof. Dr.-Ing. Horst P. - 65 Jahre, in: Vermessungstechnik 22/1974, H. 9, S. 353f.; Ehrenkolloquium der Sektion Geodäsie und Kartographie der Technischen Universität Dresden für Professor Dr.-Ing. Horst P., hrsg. vom Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik bei der Akademie der Wissenschaften der DDR, Reihe 1, H. 6, Berlin 1976; F. Deumlich, Ehrenkolloquium anlässlich des 70. Geburtstages von Prof. (em.) Dr.-Ing. P., in: Vermessungstechnik 28/1980, H. 2, S. 65; ders., Ehrenkolloquium zum 75. Geburtstag von Prof. (em.) Dr.-Ing. P., in: ebd. 33/1985, H. 1, S. 27f.; ders., H. P.s Beitrag zur Geodäsieausbildung, in: ebd. 33/1985, H. 2, S. 58-60 (WV); ders., Wir trauern um Prof. (em.) Dr.-Ing. Horst P. (Nachruf), in: ebd. 37/1989, H. 7, S. 243f. (P); H. Rößler, Aus der Geschichte des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden, in: Geodäsie im Wandel - Einhundertfünfzig Jahre Geodätisches Institut, Dresden 2002, H. 1, S. 7-36 (P); J. Albertz/H.-P. Bähr/H. Hornik/R. Rummel (Hg.), Festschrift 50 Jahre Deutsche Geodätische Kommission, Reihe E, H. 26, München 2002, S. 283f. (P). – DBA II, III; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 711f.

P  Porträtfoto, 1953, 1975, 1984, Audiovisuelles Medienzentrum der Technischen Universität Dresden, Archiv (Bildquelle).



Horst Rößler
4.12.2009


Empfohlene Zitierweise:

Horst Rößler, Peschel, Karl Horst, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

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