Magdeburg Hiob
Lehrer, Kartograf, Theologe
* 1518 Annaberg 20.2.1595 Freiberg Freiberg, Dom(kath., später ev.)
VHieronymus, Münzmeister, Stempelschneider in AnnabergSHiobTUrsula; Magdalena
GND: 119544865





Als Verfasser philologischer und theologischer Schriften sowie als Pädagoge und Kartograf verkörpert M. den Typus des humanistischen Universalgelehrten. Zusammen mit Johannes Krüginger, Johannes Mellinger und Bartholomäus Scultetus zählt er zu den Begründern der kursächsischen Kartografie. – In seiner Heimatstadt Annaberg erhielt M. eine fundierte Schulbildung durch Johann Rivius d.Ä. Als dieser 1537 als Rektor an die Lateinschule in Freiberg wechselte, wurde auch der pädagogisch begabte M. dort als Unterlehrer (Hypodidascalus) angestellt. Seine Lehrtätigkeit wurde allerdings rasch durch theologische Differenzen mit dem einflussreichen Freiberger Superintendenten Caspar Zeuner überschattet. 1540 immatrikulierte sich M. an der Universität Wittenberg. An der dortigen Philosophischen Fakultät scheint er jedoch nur relativ kurz studiert zu haben, denn 1543 folgte M. wiederum seinem ehemaligen Lehrer Rivius, und zwar diesmal nach Meißen, wo er ein Lehramt an der neugegründeten Fürstenschule St. Afra annahm. In den chronikalischen Aufzeichnungen von St. Afra wird M. ein „Erneuerer der griechischen und lateinischen Literatur in Meißen“ genannt. An der Fürstenschule unterrichtete M. 27 Jahre lang, ehe er 1569 in neuerlichen Religionsstreitigkeiten als Anhänger von Matthias Flacius entlassen wurde. 1570 fand er eine Anstellung als Rektor des Katharineums in Lübeck. Dort des Manichäismus verdächtigt, wandte sich M. vier Jahre später nach Schwerin, wo er als Rektor des Fridericianums und als Prinzenerzieher am mecklenburgischen Hof fungierte. Den Prinzen Johann VII. von Mecklenburg begleitete er dabei auch zum Universitätsstudium nach Leipzig. 1585 kehrte M. nach Freiberg zurück und erwarb das Bürgerrecht der Stadt. Eine seinen Fähigkeiten entsprechende Anstellung blieb ihm jedoch versagt, sodass er seinen Lebensunterhalt als Privatlehrer sichern musste. – Obwohl M. ein sehr produktiver Schriftsteller war, gelangten nur wenige seiner philologischen, pädagogischen und theologischen Werke zur Veröffentlichung. Dazu zählten u.a. eine Übersetzung und Kommentierung von Martin Luthers „Kleinem Katechismus“ (1560) und verschiedene poetische Schriften. Im Gegensatz zu M.s weitgehend in Vergessenheit geratenem literarischem Schaffen finden seine Verdienste um die kursächsische Kartografie bis heute Anerkennung. Angeregt durch Sebastian Münsters „Cosmographia“ arbeitete der im Illustrieren von Büchern geschulte und vermutlich von seinem Vater auch im Formschneiden ausgebildete M. seit etwa 1552 an kleinmaßstäblichen Holzschnittkarten von Meißen und Thüringen. Die „Misnia charta“ stellte er 1560 fertig, ließ ihr aber bereits 1562 einen in Einzelheiten korrigierten Neuschnitt folgen. Beide Versionen präsentierten sich ähnlich wie die „Turingia charta“ von 1562 deutlich inhaltsreicher als das Werk Münsters. Als M.s Hauptarbeit gilt die „Duringische und Meisnische Landtaffel“ von 1566, deren Kartenbild von 46 Phantasieporträts der wettinischen Dynastie nach dem „Sächsischen Stammbuch“ umrahmt wird. Die Landtafel fertigte M. mit Hilfe seiner Schüler an der Fürstenschule St. Afra an. Das Aquarell war als Auftragswerk des sächsischen Kurfürsten August lediglich für den internen Gebrauch der landesherrlichen Verwaltung vorgesehen und gelangte deshalb nicht zum Druck. Gleichwohl gilt die im ältesten Inventar der kurfürstlichen Kunstkammer von 1587 verzeichnete Landtafel als der erste wichtige Versuch, verlässliche Karten des kursächsischen Herrschaftsgebiets herzustellen. Zwei Spätwerke M.s, eine Darstellung des Meißnischen und des Erzgebirgischen Kreises sowie ein Riss der Umgebung von Freiberg, gelten als verschollen. – M.s Kartierungsmethode, die irrtümlich mit ebenso großen Längen- wie Breitengraden arbeitete und daher keine Entsprechung von Gradnetz und Karteninhalt erzielte, beruhte noch nicht auf einer flächendeckenden Landesvermessung. Nach Ausweis der Quellen reiste M. jedoch im Land umher und führte punktuelle Entfernungsaufnahmen und astronomische Ortsbestimmungen durch. Er gilt damit als ein Vorläufer der Oeder-Zimmermannschen Landesaufnahme seit 1586. – Von M. sind neben seinen Karten ein Gemälde der Stadt Meißen und weitere Stadtansichten bekannt.



W  Misnia charta, 1560, Holzschnitt; Misnia charta, 1562, Holzschnitt; Turingia charta, 1562, Holzschnitt; Duringische und Meisnische Landtaffel, 1566, Aquarell, alle: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Kartensammlung. – (Hg.), Catechesis, seu Capita doctrinae sacrae cum breui explicatione D. Martini Lutheri, Nürnberg 1560; Sententiae sacrae et apostolicae Sanctorum Pauli, Petri, Ioannis, Basel 1562; Oratio Demosthenis de Pace, Wittenberg 1588.

L  J. A. Müller, Versuch einer vollständigen Geschichte der Chursächsischen Fürsten- und Landschule zu Meissen, Bd. 2, Leipzig 1789, S. 205-217 (WV); W. Lippert, Das „Sächsische Stammbuch“, eine Sammlung sächsischer Fürstenbildnisse, in: NASG 12/1891, S. 64-85; K. Olzscha, Hiob M. (1518-1595). Lebensbild eines Annabergers, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Annaberg und Umgegend 6/1896/1898, S. 45-60; V. Hantzsch, Die ältesten gedruckten Karten der sächsisch-thüringischen Länder (1550-1593), Leipzig 1905; O. Langer, Die älteste Karte des Meißner Landes, in: NASG 35/1914, S. 382f.; W. Dolz, Die „Duringische und Meisnische Landtaffel“ von Hiob M. aus dem Jahre 1566, in: Sächsische Heimatblätter 34/1988, H. 1, S. 12-14; F. Bönisch u.a., Kursächsische Kartographie bis zum Dreißigjährigen Krieg, Bd. 1: Die Anfänge des Kartenwesens, Berlin 1990; Hiob M.er, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 84/2000, S. 53-55; A. Chassagnette, Gedruckte Karten Kursachsens in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: J. Helmrath/A. Schirrmeister/S. Schlelein (Hg.), Historiographie des Humanismus, Berlin/Boston 2013, S. 251-274. – ADB 20, S. 51-53; DBA I, II.



Michael Wetzel
29.8.2019


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Magdeburg, Hiob, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (6.12.2019)

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