V.s künstlerisches Wirken war eng mit seiner vogtländischen Heimat verbunden. Er bezeichnete sich selbst als romantisch-humoristischen Künstler und erlangte v.a. als Illustrator von Kinder- und Jugendschriften Bekanntheit. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der „Deutschen Künstlergesellschaft“ und wurde ihm nachfolgenden vogtländischen Künstlern zum Vorbild in der Auseinandersetzung mit Heimatmotiven. Von seinem Vater, einem Baumeister und Malerdilettanten, erhielt V. ersten Zeichenunterricht. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Plauen begann er 1873 zunächst in Leipzig Rechtswissenschaft zu studieren, wechselte aber bereits 1874 – durch den Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel bestärkt – an die Dresdner Kunstakademie. Dort brach er sein Studium allerdings bereits 1875 ab und blieb der Akademie in späteren Jahren nur lose durch den Kompositionsverein „Mappe“ verbunden. In der Folge bildete sich V. autodidaktisch weiter, 1877/78 reiste er zu Studienzwecken nach Italien. Nach dem Tod des Vaters zog V. in dessen Plauener Haus und wirkte dort ab 1878 als Illustrator. 1887 siedelte er nach Loschwitz bei Dresden über. Ein zweiter Wohnsitz entstand im vogtländischen Krebes, der mittlerweile als Künstler-Gedenkstätte dient. 1909 wurde V. der Professorentitel verliehen. – V. arbeitete vorwiegend als Illustrator von Märchen- und Sagenbüchern, insbesondere für den Leipziger Verlag von Otto Spamer, in dem u.a. die „Deutschen Heldensagen“ von Wilhelm Wägner mit Bildern von V. erschienen. Berufliche Erfolge stellten sich infolge seiner engen Zusammenarbeit mit dem Münchner Verlag Braun & Schneider ein, der zahlreiche seiner Arbeiten in den „Fliegenden Blättern“ und als „Münchner Bilderbogen“ veröffentlichte sowie das sehr populäre vierbändige „Hermann-V.-Album“ herausgab. Während einer Schaffenskrise ermunterte ihn der Schriftsteller Julius Lohmeyer zur Weiterarbeit und vermittelte Kontakte zu den Illustratoren Paul Thumann und Woldemar Friedrich, die V. beratend zur Seite standen. In der Folge erschienen zahlreiche Illustrationsbeiträge für Lohmeyers Zeitschrift „Deutsche Jugend“ im Alphons Dürr Verlag in Leipzig. V.s Arbeiten, teilweise ergänzt durch eigene Dichtungen, sind zumeist gemütvoll und von einer starken Naturverbundenheit geprägt, die wohl auch dazu beigetragen hat, dass er sich für den Tier- und Heimatschutz einsetzte. Sie lassen vielfach die Nähe zu den Nazarenern und zur Kunst des Biedermeier erkennen. Deutlich drückte V. seine Verehrung für die Spätromantiker Moritz von Schwind und Ludwig Richter aus, indem er in seinen Illustrationen zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm auf beide Künstler Bezug nimmt. Richter hatte er aber – entgegen anders lautenden Darstellungen – nie persönlich kennen gelernt. Karikaturistische Fähigkeiten wurden V. nicht nur von seinem Zeitgenossen Georg Hermann, sondern auch posthum von Georg Piltz abgesprochen. Bis heute präsent ist ein Teil eines Werks, das er 1899 unter dem Titel „Das Osterei“ in der Zeitschrift „Alte und Neue Welt“ veröffentlichte. Der dort abgebildete „Hase im Ei“ dient noch immer in stilisierter Form als Firmenlogo und Markenzeichen des Unternehmens Vaillant. In den letzten Lebensjahren lebte V. zurückgezogen, hatte aber noch regelmäßig Kontakt zu den Mitgliedern der sog. „Loschwitzer Kunstgenossenschaft“. Mit dem deutsch-national eingestellten Zeichner und Mitbegründer des „Deutschen Turnerbundes 1919“, Friedrich Rudolf Zenker, war er freundschaftlich verbunden.
