Collum Herbert
Organist, Cembalist, Dirigent, Komponist
* 18.7.1914 Leipzig 29.4.1982 Dresden Friedhof Reinhardtsgrimma
1942 Herta-Maria, geb. Böhme (1917-2001), Sängerin, GesangspädagoginSChristian (* 1943), Kantor, Organist
GND: 124883575

C. war einer der führenden deutschen Organisten und Cembalisten des 20. Jahrhunderts und hat neben seiner internationalen Tätigkeit v.a. das Dresdner Musikleben im kirchlichen wie im weltlichen Rahmen in den 1930er- bis 1980er-Jahren entscheidend mitgeprägt. Sein Hauptinteresse galt neben dem Werk Johann Sebastian Bachs, das er regelmäßig zyklisch wie auch in Einzelaufführungen interpretierte, dem Schaffen Max Regers und der Zeitgenossen. Sein eigenes, vielseitiges kompositorisches Œuvre, das aus lebendiger Musizierpraxis hervorwuchs, leugnet wie das seines Lehrers Johann Nepomuk David nicht die Auseinandersetzung mit der Bachschen Musik, ohne jedoch in neobarocker Kontrapunktik zu erstarren. Im Mittelpunkt des vokalen Schaffens standen geistliche Themen wie das zentrale Werk der Johannespassion. Unter den Orgelkompositionen nimmt der 1950 uraufgeführte „Totentanz“ - in seiner herben Expressivität eine Reminiszenz an den Untergang Dresdens im Zweiten Weltkrieg - die wichtigste Stellung ein. Doch nicht nur von nachdenklichem Ernst erfüllte Werke, auch unterhaltsame, geistreiche Spielmusiken wie die meisten seiner Instrumentalkonzerte gehören zum Bild C.s. – Er studierte 1930 bis 1934 am Kirchenmusikalischen Institut des damaligen Leipziger Landeskonservatoriums bei Karl Straube und Günther Ramin (Orgel), Carl Adolf Martienssen (Klavier), Kurt Thomas (Chordirigieren) und Johann Nepomuk David (Komposition). Bereits 1928 bis 1932 vertrat er den Organisten der Leipziger Matthäikirche, Max Fest, 1932 bis 1935 Günther Ramin an der Thomaskirchenorgel. Am 1.4.1935 wurde C. als Nachfolger des blinden Bernhard Pfannstiehl Kreuzorganist in Dresden und als solcher engster künstlerischer Mitarbeiter des Kreuzchors unter Rudolf Mauersberger und nach dessen Tod ab 1971 unter Martin Flämig. 1935 wurden die Dresdner Collum-Konzerte ins Leben gerufen, in denen C. solistisch und kammermusikalisch, im Verein mit Musikern der Staatskapelle und Philharmonie, als Organist, Cembalist, Pianist und nicht zuletzt als Dirigent hervortrat. 1946 begründete er den Collum-Chor, der diese künstlerische Arbeit im Hinblick auf Interpretationen von Vokalwerken bereicherte. Konzertreisen führten C. in viele europäische Länder. Er machte zahlreiche Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen, u.a. auf Silbermann-Orgeln. Auch pädagogisch war er tätig, so 1949 bis 1961 als Dozent für Orgelspiel an der Kirchenmusikschule Berlin-Spandau, 1956 bis 1958 an der Dresdner Musikhochschule, an der er 1964 die Leitung einer Cembaloklasse übernahm. Der 1960 mit dem Professorentitel geehrte C. wurde 1964 in die Jury des Internationalen Bach-Wettbewerbs Leipzig berufen.



W  Missa brevis für Chor a cappella, 1949; „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“ für Chor und Kammerorchester, 1949; Johannespassion für Tenor, Chor und Kammerorchester, 1952; Missa una voce für Chor a cappella, 1954; „Der Sonnengesang des Franz von Assisi“ für Chor a cappella, 1954; Konzert in drei Sätzen für Orchester, 1954; „Wie liegt die Stadt so wüst“ für Bariton und Orchester, 1956; „Christum wir sollen loben schon“, Weihnachtsmotette für Chor a cappella, [vor 1958]; 100. Psalm „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, Motette für Chor a cappella, 1958; Te deum laudamus für Chor und Kammerorchester, 1959; „Nun bitten wir den heiligen Geist“, Choralmotette für Chor a cappella, [vor 1959]; Konzert E-Dur für Streichorchester, 1961; Deutsches Magnificat für Chor, Orchester und Orgel, 1962; Moritzburger Konzert Nr. 1 und 2 für Kammerorchester, 1965, 1967; B-A-C-H, Fantasie für Chor und Kammerorchester nach J. Bobrowski, 1967; Konzert für Violine und Orchester, 1973; Konzert für Flöte und Kammerorchester, 1973; Konzerte C-Dur, d-Moll und Cis-Dur für Cembalo und Streichorchester, 1967; Konzert für Orgel und großes Orchester, 1975; Die Weihnachtsgeschichte für Sopran und Orgel, [vor 1979].

L  I. Fahrenholtz, H. C. - Der Mensch und sein Werk, in: Der Kirchenmusiker 10/1959, S. 11f.; H. Böhm, H. C. 25 Jahre in Dresden. Ein Porträt des Organisten, Cembalisten, Komponisten und Chorleiters, in: Die Union, 24.3.1960; E. Schwinger, H. C., in: Komponisten der DDR, Berlin 1968; E. Schwinger, Ein Großer unseres Musiklebens, in: Neue Zeit, 4.5.1982; G. Schmiedel, Ein Leben für die Musik, in: Die Union, Dresden, 4.5.1982; D. Gojowy, H. C. zum Gedenken, in: Das Orchester 30/1982, H. 7/8, S. 656f.; J. Dorfmüller, Er schrieb ein Kapitel Dresdner Musikgeschichte, in: Neue Zeitschrift für Musik 146/1985, H. 7/8, S. 61-63; C. Collum, Dem Kirchenmusiker H. C. zum Gedenken, in: Musik und Kirche 66/1990, S. 21-25; H. Böhm, In memoriam Herbert C., in: Dresdner Neueste Nachrichten, 29.4.1992; ders., Ein Meister auf der Orgel, in: ebd., 19.7.1994; D. Gojowy, Suche nach Identität: Kreuzorganist Herbert C., in: M. Herrmann (Hg.), Die Dresdner Kirchenmusik im 19. und 20. Jahrhundert, Laaber 1998, S. 353-366 (WV); D. Härtwig, Meine Kunst ist Dienst. Erinnerungen an H. C., in: Dresdner Neueste Nachrichten, 17./18.7.1999; ders., Hoch geschätzte Sängerin und Pädagogin. Zum Tode von Herta-Maria Böhme-Collum, in: ebd., 1.3.2001; M. Herrmann, Selbstkritisch das Musikleben betrachten, in: ders./H.-W. Heisler (Hg.), Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert, Teil II: 1933-1966, Laaber 2002, S. 155f. – DBA III; DBE, 2. CD-ROM-Edition, 2004; MGG, Bd. 15 (Supplement), Kassel 1973, Sp. 1545f. (WV); MGG2P, Bd. 4, Kassel/Stuttgart 2000, Sp. 1397f.

P  Porträt Prof. C., R. Nehmer, 1951, Öl auf Holz, Privatbesitz, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Dieter Härtwig
26.8.2005


Empfohlene Zitierweise:

Dieter Härtwig, Collum, Herbert, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.5.2017)

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