Wolfsohn (bis 1853 Wolfson) Helene (Lea, Helena)
geb. Meyer
Antiquitätenhändlerin, Inhaberin eines Porzellanmalateliers
* 16.12.1798 Dresden 9.7.1869 Dresden Dresden, Neuer jüdischer Friedhof(jüd.)
VLoebel (Löw) Veit (Jehuda, Juda) Meyer (Kleisdorf) (um 1769-1837), Porzellan-, AntiquitätenhändlerMLea Koppel, verh. Meyer († 1798), Tochter des Fleischhauers Salomon Koppel in DresdenStiefMHenriette (Edel) Nathan († 1843)GJoseph (Josef) Meyer (1801-1878) (Halbbruder), Kaufmann, Kommerzienrat, Gemeinde- und Synagogenvorsteher in Dresden; Moritz (Moshe) Löb Meyer (1806-1883) (Halbbruder), Kaufmann, AntiquitätenhändlerMeir WolfsohnTEmilie (Minke), verh. Elb (1823-1901), Kauffrau, seit 1869 Inhaberin der Firma „Helena Wolfsohn“, Mutter der Porzellanmalerin Franziska Elb, verh. Hirsch (1845-1900); Emma (1825-1839)
GND: 1049265769


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W. war seit 1843 in erster Linie Antiquitätenhändlerin und später, in Zusammenarbeit mit ihren beiden Halbbrüdern, in Dresden Inhaberin einer florierenden Porzellanmalerei. – Am 2.7.1843 zog W. von ihrem bisherigen Geschäft mit antiken Spitzen und anderem in der Scheffelgasse 24 nach der Schössergasse, Ecke Rosmaringasse 5 mit einem erweiterten Antiquitäten- und Porzellanmagazin, obwohl sie noch keine Handelskonzession für Antiquitäten und alte Kunstgegenstände besaß. Diese erhielt sie erst nach einem Strafverfahren nebst Geldbuße am 4.6.1847. Dennoch gab sie bereits am 2.7.1843 ihre Geschäftstätigkeit im Dresdner Anzeiger bekannt. 1847 wird W.s Schwiegersohn, der Dresdner Kaufmann und Kunsthändler Anton Elb, Prokurist in ihrer Firma, und 1851 firmiert W.s Halbbruder Moritz Löb Meyer im Dresdner Adressbuch als kaiserlich französischer bzw. sächsisch-coburgischer Hoflieferant. Nach 1851, spätestens 1856 wohnte Carl Thieme, der spätere Gründer der Freitaler Porzellanmanufaktur, in W.s Haus in der Schössergasse 5. Ebenso wohnte bereits 1855 der freiberuflich tätige Porzellanmaler Robert Schöne in der Schössergasse 24. Beide agierten später im Umfeld der Firma. Im November 1856 beschäftigte W. den aus Schleiz stammenden Porzellanmaler Hermann Eduard Stürmer in ihrer Firma. Im selben Jahr wurde W. „Heimathsangehörige“ nach § 12 des sächsischen Heimatgesetzes, d.h. ab 1856 besaß sie die Bürgerrechte als Dresdnerin und wurde am 10.4. als Besitzerin des Grundstücks Schössergasse Nr. 789 (= Nr. 5) in das Grund- und Geschäftsbuch der Stadt Dresden eingetragen. 1865 firmiert Anton Elb als Kaufmann in der Schössergasse 5, mit einer Kurz- und Galanteriewarenhandlung in der Nr. 23, einer Bijouterie-, Bronze- und Galanteriewarenfabrik sowie einem Atelier für Vergoldung und Versilberung in der Poliergasse 4. – Nach W.s Tod übernahm laut dem Dresdner Anzeiger vom 13.7.1869 ihre Tochter Emilie Elb das von der Mutter begründete „Kunst-, Antiquitäten- und Porzellangeschäft“, das seit dem 14.7.1893 unter dem Namen „Helena Wolfsohn Nachfolger Leopold Elb“ geführt wurde. Die Firma „Helena Wolfsohn“ kopierte u.a. Porzellane der Manufakturen Meißen, Berlin, Wien und Sèvres (Frankreich). Als Kennzeichnung der Porzellane wurde bis ca. 1875 das ligierte AR (Augustus Rex) - Monogramm der Meißner Porzellanmanufaktur verwendet -, da es bis dahin noch keine rechtlich geschützten Marken in Deutschland gab. Diverse Prozesse mit der Porzellanmanufaktur Meißen werden in der keramischen Fachliteratur mehrfach benannt. Seit etwa 1881 markierte die Firma ihre Porzellane mit einem „D“ über einer Krone, wobei das „D“ für Dresden und die Krone für das Königreich Dresden steht. Die in der Firma dekorierten Porzellane bzw. durch sie im Auftrag produzierten Weißporzellane anderer Firmen verursachten unzählige Irritationen im In- und Ausland. Dennoch erhielten sie hohe nationale wie internationale Auszeichnungen: u.a. 1879 auf der Leipziger Ausstellung (Ehrendiplom) und in Sydney (Highly recommended, Goldene Medaille), 1880 in Melbourne (Dritter Preis) und Brüssel (Goldene Medaille), 1887 in Adelaide (Erster Preis), 1888 in München (Ehrendiplom) und 1891 in London (Erster Preis, Ehrendiplom 1. Klasse).



Q  Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden/Hatikva Dresden, Sterberegister der jüdischen Gemeinde Dresden (Alter und neuer jüdischer Friedhof); Stadtarchiv Dresden, Bürger- und Gewerbeakten des Gewerbeamtes A, Adressbücher der Stadt Dresden, lose Blattkartei über jüdische Bürger in Dresden; Sächsisches Staatarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Handelsregisteramt 11045, Gericht Dresden Nr. 1265ff.; Privatarchiv H. Sonntag.

L  Dresdner Anzeiger 16.8.1837, 2.7.1843, 13.7.1869; W. Neuwirth, Meissener Marken. Original, Imitation, Verfälschung, Fälschung, Wien 1980; J. Kunze, Die Bedeutung des „englischen Handels“ mit Porzellanen im „altfranzösischen Geschmack“ der Meissener Manufaktur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Keramos. Zeitschrift der Keramikfreunde 95/1982, S. 37-50; A. Fay-Halle/B. Mundt, Europäisches Porzellan vom Klassizismus bis zum Jugendstil, Stuttgart 1983; Meissener Blaumalerei aus drei Jahrhunderten, Leipzig 1989; M. Klingebrunn, Deutsche Porzellanmarken von 1708 bis heute, Augsburg 1990; L. Dankert, Handbuch des Europäischen Porzellans, München 1992; K.-P. Arnold, Dresdner Porzellan, in: Dresdner Geschichtsbuch 3, Dresden 1996, S. 120-130; R. E. Röntgen, Deutsche Porzellanmarken von 1710 bis heute, München 2000; J. Harran/S. Harran, Dresden porcelain studios, Paducah 2002; S. Wittwer, Die Galerie der Meißner Tiere, München 2004; J. Sandon, Meissen porcelain, Oxford 2010; H. Sonntag, Die Porzellanwelt der Helena W., Emilie Elb, Meyers & Söhne und Franziska Hirsch in Dresden und das Meissener Porzellan, in: Keramos. Zeitschrift der Keramikfreunde 225/2014, S. 99-112.



Hans Sonntag
13.1.2016


Empfohlene Zitierweise:

Hans Sonntag, Wolfsohn (bis 1853 Wolfson), Helene (Lea, Helena), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.5.2017)

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