Funke Heinz Herbert Max
Chirurg
* 6.5.1911 Waldenburg 4.4.1993 Görlitz Waldenburg, Friedhof Altstadt(konfessionslos)
VHugo Max (1884-1966), TextilkaufmannMJohanna, geb. Volke (1884-1924), HausfrauGHalbbruder Gottfried (1927-1992), Sanitätsrat1941 Anna Klara Ruth, geb. Volger (1909-1995)SHermann (* 1941), Tierarzt; Lambert (* 1946), Ingenieur für FlugzeugwartungTClaudia (* 1948), Ärztin
GND: 142460494


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F. war ein begnadeter Chirurg, der für seine verblüffend kurzen Operationszeiten und für die Präzision seiner Eingriffe bekannt war. Sein Hauptverdienst lag in der sehr frühen und schnellen Etablierung neuer Verfahren und Erkenntnisse in den klinischen Alltag (u.a. neue Narkoseverfahren, Station für lebensbedrohliche Zustände, künstliche Niere, medizinische Datenverarbeitung). – In sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, besuchte F. in Glauchau die Volksschule und anschließend 1921 bis 1930 das Realgymnasium. 1930 bis 1936 studierte er in Wien, Breslau (poln. Wrocław) und Würzburg Medizin, wobei er aus finanziellen Gründen zweimal für je ein Semester sein Studium unterbrechen musste. In Würzburg legte er 1937 die Staatsprüfung ab und verteidigte seine Dissertation „Über die desinfizierende Wirkung der Lösungsmittel Methylglycolacetat, Dioxan und Perchloraethylen“. Bereits ein Jahr zuvor hatte F. eine Anstellung am Stadtkrankenhaus Osterburg/Altmark gefunden, wo er bei dem Chirurgen Walter Pommrich, einem Schüler des Dresdner Professors Albert Bernhard Fromme, zunächst Medizinalpraktikant und später Erster Assistent wurde. 1939 folgte die Einziehung zum Sanitätsdienst in der Wehrmacht. F. war als Chirurg in verschiedenen Feldlazaretten an der Ostfront tätig, bis er im März 1945 beim Operieren in einem Danziger (poln. Gdańsk) Lazarett schwer verwundet und zur Behandlung nach Waldenburg verlegt wurde. Im April 1945 wurde er von den zuerst einmarschierenden Amerikanern aus dem Waldenburger Lazarett entlassen. Während der dann folgenden sowjetischen Besatzung wurde F. in Niederwinkel (heute Ortsteil von Waldenburg) als praktischer Arzt eingesetzt. Im Juli 1945 wechselte er als Chirurg an das Kreiskrankenhaus Lichtenstein, wo er ab 1951 Chef der Chirurgie und ab 1952 Ärztlicher Direktor war. Aufgrund seiner ärztlichen Erfolge und seines gesellschaftlichen Engagements wurde F. 1955 mit der Neubildung des Bezirkskrankenhauses in Görlitz beauftragt, dem er - gleichzeitig als Chefarzt der chirurgischen Klinik - bis zu seinem Ausscheiden im August 1980 als Ärztlicher Direktor vorstand. Als Anerkennung für die Erfolge seines Hauses wurde er 1957 zum Obermedizinalrat und 1960 zum Professor ernannt. – Aus sozialdemokratischem Hause stammend, hatte F. bereits in Würzburg an einem studentischen Zirkel teilgenommen, der sich mit dem Leben in der Sowjetunion befasste. Später wurde er dann Mitglied der Widerstandsgruppe um den Philosophen Ernst Niekisch und entging, als er einem in Afrika kämpfenden Schulkameraden brieflich das Grauen an der Ostfront schilderte, nur knapp einem Kriegsgerichtsverfahren. Nach Kriegsende trat er der KPD bei und wurde nach deren Vereinigung mit der SPD zur SED als Kandidat in den Volkskongress, später in den Volksrat und in die Volkskammer der DDR gewählt, der er dann bis 1958 angehörte. – Als Chirurg waren F. neu aufkommende Ideen und Methoden, die er fast immer großzügig förderte, stets willkommen. Schon früh hat er die Urologie und die Gynäkologie aus seinem Fach in eigene Kliniken entlassen. Nachdem bereits 1956 im Görlitzer Bezirkskrankenhaus die ersten Intubationsnarkosen durchgeführt worden waren, initiierte er eine interdisziplinäre Station für lebensbedrohliche Zustände, aus der später eine der ersten deutschen Kliniken für Anaesthäsiologie und Notfallmedizin hervorging. – Für seine ärztliche Arbeit wurde F. mehrfach ausgezeichnet. 1952 erhielt er den Ehrentitel „Verdienter Arzt des Volkes“, 1971 die Hufelandmedaille in Gold und 1974 die Auszeichnung „Held der Arbeit“. Die Stadt Görlitz ernannte ihn 1987 zum Ehrenbürger. Von seinen Mitarbeitern wurde F. nicht nur fachlich, sondern auch menschlich sehr geschätzt. – Neben seiner Tätigkeit als Arzt waren F. Kunst und Literatur ein Lebensbedürfnis. Hier verfolgte er den Grundsatz, dass nur der gebildete Arzt ein guter Arzt sein kann. Er hat leidenschaftlich fotografiert und eine Lebensgeschichte in 204 Alben mit circa 22.000 Bildern hinterlassen. Einen hohen Stellenwert nahm für ihn zudem die Gesellschaft seiner Jagdkameraden ein.



Q  Privatarchiv H. Funke.

W  Über die desinfizierende Wirkung der Lösungsmittel Methylglycolacetat, Dioxan und Perchloraethylen, Diss. Würzburg 1937.

L  Die Oberschwester, in: Sächsische Zeitung 3.4.1981; Prof. F. zum 80. Geburtstag, in: ebd. 6.5.1991; A. Bednarek/L. H. Schmidt, Vom Siechhaus zum Städtischen Klinikum. Ein Blick in die Görlitzer Medizin- und Sozialgeschichte, Görlitz 1995; R. Schroth, Fünf Jahrzehnte erlebte Chirurgie. Festvortrag aus Anlaß der 8. Tagung der Chirurgenvereinigung Sachsen-Anhalt am 19.6.1998 [MS]; C. Nartschik, 2001 wäre der Chirurg Prof. Dr. med. F. 90 Jahre alt geworden, in: Unser Klinikum. Zeitschrift des Städtischen Klinikums Görlitz 4/2001, H. 4, S. 13f.; L. Schmidt/H. Stahr, Aufregung in der Wendezeit, in: ebd. 9/2006, H. 3; diess., 100 Jahre Stadtkrankenhaus Görlitz, in: Görlitzer Magazin 18/2005, S. 30-41; diess., Geschichte der Görlitzer Krankenhäuser, Teil 2: 1945-1990, in: Stadtbild Görlitz 45/2007, S. 18-24; R. Schermann, Görlitz hatte eine der ersten Intensivstationen, in: Sächsische Zeitung 27./28.12.2008.

P  Fotografie, 1990, Privatarchiv H. Funke (Bildquelle).



Hermann Funke
21.3.2012


Empfohlene Zitierweise:

Hermann Funke, Funke, Heinz Herbert Max, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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