Abendroth Heinrich von
Generalleutnant, Militärschriftsteller
* 17.5.1819 Wurzen 16.2.1880 Dresden Dresden, Innerer Neustädter Friedhof
VChristian Friedrich, Offizier, ZollbeamterMMarianne, geb. von Segnitz († 1826)GAlexander (1808-1872), Geheimer Kriegsrat; LouiseIda, geb. Freiin von LichtensteinSAlexander Bernhard Ernst (* 1853), Hauptmann, SteuerinspektorTEveline (* 1850)
GND: 116239727

A. erhielt seit 1831 eine Ausbildung beim Kadettenkorps in Dresden und trat 1836 als Portepeejunker in das 3. Schützen-Bataillon ein. Nach der Beförderung zum Leutnant wechselte er 1837 ins 2. Schützen-Bataillon. Während seiner Stationierung in Leipzig (1837-1843) nahm er am geistigen Leben der Stadt teil und war Mitglied in der „Deutschen Gesellschaft“ des Hofrats Gersdorf. Von Herbst 1843 bis Sommer 1844 unternahm A. eine ausgedehnte Reise u.a. in die Schweiz, nach Südfrankreich, Paris und Belgien, die er in seinem Werk „Militairische Briefe eines deutschen Offiziers während einer Reise durch die Schweiz und das mittlere Frankreich im Anfange des Jahres 1844“ auswertete, in dem er auch Bezug auf das französische Heerwesen und den Festungsbau nahm. 1845 hielt er sich zur Erlernung des Pionierdiensts mehrere Monate in Dresden auf, wo er während eines Aufruhrs durch Steinwürfe verletzt wurde. Im folgenden Jahr kam A. nach seiner Beförderung zum Oberleutnant in das 1. Schützenbataillon wiederum nach Leipzig. Hier versuchte er in Zusammenarbeit u.a. mit Georg Gustav Wilhelm in Abgrenzung zur „Militär-Literatur-Zeitung“ eine eigene unabhängige Militärzeitschrift zu gründen. Das unter dem Titel „Heer und Volk - eine Sammlung von Aufsätzen meist militärischen Inhalts“ im Februar 1848 begonnene Zeitschriftenprojekt wurde wegen des Ausbruchs der Revolution nach Erscheinen von nur zwei Ausgaben wieder abgebrochen. Im selben Jahr kam A. als Oberleutnant mit dem 1. Schützenbataillon gegen revolutionäre Unruhen in Altenburg zum Einsatz, wo er sich durch entschlossenes Handeln auszeichnete. 1849 wurde er in die Kommandoabteilung des Kriegsministeriums versetzt. In dieser Position wirkte er während des Maiaufstands aktiv auf das Eingreifen preußischer Truppen in Sachsen hin. Noch im selben Jahr erfolgte seine Versetzung zunächst als zugeteilter Hauptmann zum Generalstab. Ab 1851 gehörte er diesem etatmäßig an. Hier war A. war mehrere Jahre als Schriftführer für die Bearbeitung eines neuen Dienstreglements zuständig und unterrichtete daneben Taktik und Kriegsgeschichte an der 1854 gegründeten Dresdner „Fortbildungschule für Offiziere“. 1862 wurde er als Major zweiter Stabsoffizier der 3. Infanteriebrigade „Prinz Georg“. 1863/64 erarbeitete A. selbstständig ein neues Infanteriereglement, das ab 1865 erprobt wurde, aber wegen der Übernahme des preußischen Reglements infolge der Einbindung Sachsens in den Norddeutschen Bund nicht mehr zur vollständigen Einführung gelangte. 1865 erhielt er das Kommando über das 10. Infanteriebataillon, welches er in den Deutschen Krieg führte (1866), in dem er bei Königgrätz verwundet wurde. 1866 zum Oberstleutnant befördert, erfolgte 1867 die Integration seines Bataillons in das Infanterieregiment „Prinz Georg“ Nr. 106, dessen Oberst und Kommandeur er 1868 wurde. Mit diesem Regiment zog A. in den Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) und nahm u.a. an der Schlacht von St. Privat teil, in der er wiederum verletzt wurde. Während der Einschließung von Paris führte er die 48. Infanteriebrigade und zeichnete sich in der Schlacht von Villiers aus. Seine dort erlittenen Verletzungen machten A. bis März 1871 dienstunfähig. Nach seiner Genesung kehrt er zur Brigade zurück und übte gleichzeitig die Funktion eines Festungskommandanten von Sedan aus. Auf die kurzzeitige Führung der 46. Infanteriebrigade folgte das Kommando über die 45. Infanteriebrigade und noch 1871 die Beförderung zum Generalmajor. Nach dem Krieg übernahm A. 1875 die 1. Infanteriedivision Nr. 23. 1876 wurde er in den Rang eines Generalleutnants erhoben, musste jedoch bereits 1878 aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Dienst ausscheiden. – A. war neben seiner dienstlichen Tätigkeit auch als Autor für die „Darmstädter Allgemeine Militär-Zeitung“ tätig, veröffentlichte Aufsätze in verschiedenen überregionalen Zeitungen sowie mehrere monografische Werke zu militärwissenschaftlichen und historischen Themen. Nach seiner Pensionierung beschäftigte er sich mit Aquarellmalerei und war Vorsitzender des Landes-Obstbau-Vereins. Im Februar 1880 erlag er einem Herzleiden. – Für seine Verdienste wurden A. mehrere sächsische Orden verliehen: Militär-St. Heinrichs-Orden (1866), Kommandeur zweiter Klasse des Militär-St. Heinrichs-Ordens (1871), Großkreuz des Albrechtsordens sowie Komturkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens (1870). Außerdem war er Träger einer Reihe nichtsächsischer Orden und Ehrenzeichen, darunter des Eisernen Kreuzes erster Klasse (1870). Zwischen 1904 und 1946 trug die heutige Heinz-Steyer-Straße in Dresden-Cotta A.s Namen.



W  Militairische Briefe eines deutschen Offiziers während einer Reise durch die Schweiz und das mittlere Frankreich im Anfange des Jahres 1844, Adorf 1845; Der Aufstand in Dresden, Leipzig 1849; J. B. A. Charras, Geschichte des Feldzugs von 1815. Waterloo, Dresden 1858 (Übersetzung aus dem Französischen); Ueber die militärischen und technischen Grundlagen der Truppentransporte auf Eisenbahnen, Darmstadt/Leipzig 1861; Terrainstudien zu dem Rückzuge des Varus und den Feldzügen des Germanicus, Leipzig 1862; Studien über den Sicherheitsdienst in verbundenen Waffen, Wien 1867.

L  G. W. v. Schubert, Heinrich von A., Königl. Sächs. Generallieutenant, Dresden 1881; H. A. Verlohren, Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts, hrsg. von M. Bertold/F. Verlohren, Leipzig 1910, S. 107. – ADB 45, S. 681f.; DBA I, II; DBE 1, S. 7.



Gunter Janoschke
10.4.2006


Empfohlene Zitierweise:

Gunter Janoschke, Abendroth, Heinrich von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.3.2017)

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