Calberla Heinrich Wilhelm Conrad
Kunstdrechsler, Fabrikant, Kaufmann
* 29.6.1774 Walle bei Braunschweig 22.8.1836 Dresden Dresden, Innerer Neustädter Friedhof(ev.)
VErnst Wilhelm, Stiftsvogt in WalleMMarie Dorothea, geb. Lütge 1.1802 Marie Dorothea, geb. Schönherr (1783-1805)SAugust Wilhelm (1803-1820) 2.1806 Friederike Amalie, geb. Schüßler (1783-1820)SGustav Moritz (1809-1906)
GND: 135707439





C. zählt zu den wichtigen Vertretern der Frühphase der Industriellen Revolution in Sachsen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Oberelbe in die Fracht-Dampfschifffahrt einbezogen wurde. – Nach der Drechslerlehre und Jahren der Wanderschaft übersiedelte C. 1796 nach Dresden und eröffnete eine Werkstatt und Handlung für Drechslerwaren. 1800 verlieh ihm die Stadt das Bürger- und Meisterrecht. Einen guten Absatz seiner Arbeiten verschaffte er sich durch alljährliche Besuche der Leipziger Messe, wo er geschäftliche Anregungen aufnahm und auch internationale Kontakte knüpfte. 1812 beantragte C. bei der sächsischen Regierung die Aufstellung einer Press- und Prägemaschine, um dünnes Horn zu Laternenscheiben zu pressen. Der Import dieses Artikels aus England war durch die Kontinentalsperre unmöglich geworden. Bald zählte der Kunstdrechsler C. zu den geachteten Mitgliedern seiner Innung. Er kaufte mehrere Häuser in der Dresdner Innenstadt und plante, sein auch durch Erbschaft gewachsenes Vermögen in ein größeres Unternehmen zu investieren. – 1817 ließ C. den Grundstein für eine Zuckerraffinerie auf dem Gelände der ehemaligen Elbbastion „Sol“ der Stadtbefestigung am Altstädter Ufer legen. Diese Fabrik war die erste sächsische Zuckersiederei und einer der ersten Industriebetriebe in Dresden. – Nach dem Tod seines ältesten Sohns war C. gezwungen, sein als Familienbetrieb „Calberla und Söhne“ konzipiertes Unternehmen nur gemeinsam mit seinem jüngeren Sohn Gustav Moritz zu betreiben. – Das Privileg für die Zuckerfabrik erhielt er 1820 gegen den Widerstand der Dresdner Kaufmannschaft. Pro Jahr wurden anfangs ca. 8.000 Zentner Rohzucker von mehr als 30 Arbeitern in „Broden“ (Zuckerhüten) zu Zucker raffiniert. C. verkaufte auch Farin- und Aniszucker, Sirup und später Konfitüren. Den Rohzucker bezog er von den Auktionen der Ostindischen Compagnie aus Holland und England. 1822 gehörte C. zu den Mitbegründern der „Elb-Westindischen-Seehandlungs-Compagnie“, die das Ziel hatte, den sächsischen Gewerbetreibenden den Überseehandel zu erleichtern. Bis 1830 behielt C. das Monopol zum Verkauf von Zucker, Kandis und Sirup. Im gleichen Jahr wählten die Bürger Dresdens den für seine Tüchtigkeit bekannten C. zum Kommunerepräsentanten. – Der Beitritt Sachsens 1834 in den Deutschen Zollverein förderte die Geschäfte C.s, aber gleichzeitig entstanden weitere Raffinerien und er musste sich gegen Konkurrenten wehren. Um den Transport des Rohzuckers kostengünstiger zu gestalten und ihn in eigene Regie zu bekommen, ließ er in Krippen einen hölzernen Schiffskörper bauen und diesen 1834 in Hamburg mit einer englischen Dampfmaschine ausrüsten. Am 20.2.1835 erreichte dieses erste Fracht-Dampfboot (mit 25 PS, Heckschaufelradantrieb und einer Traglast von 1.000 Zentnern Zucker) Dresden. Der Beginn der Dampfschifffahrt auf der oberen Elbe ist mit diesem Tag und dem Namen C. verbunden. – Nach dem Tod von C. führte sein Sohn Produktion und Verkauf nur bis 1840 weiter, da mittlerweile auch durch die Herstellung von heimischem Rübenzucker die Zuckerpreise gefallen waren. Danach wurden in den Fabrikgebäuden Wohnungen und eine Galerie für den sächsischen Kunstverein eingerichtet. Nach 1853 bauten neue Besitzer die ehemalige Zuckerfabrik in das Hotel „Bellevue“ um.



L  O. Trautmann, Heinrich Wilhelm C. und sein Dampfschiff in Dresden 1835, in: Dresdner Geschichtsblätter 25/1916, Nr. 3, S. 164-174; R. Forberger, Die industrielle Revolution in Sachsen 1800-1861, Bd. 2: 1831-1861, Leipzig 1999-2003, Bd. 2/1, S. 518f., Bd. 2/2, S. 288f.; H. Starke, Dampfchocolade, Neumünchner Bier, allerfeinster Korn und der Duft des Orients, in: Dresdner Geschichtsbuch, hrsg. vom Stadtmuseum Dresden, Bd.1, Altenburg 1995, S. 119-150. – DBA I, II; DBE 2, S. 264; NDB 3, S. 92.



Gudrun Eigenwill
1.10.2008


Empfohlene Zitierweise:

Gudrun Eigenwill, Calberla, Heinrich Wilhelm Conrad, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.9.2017)

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