Heinrich I.
Burggraf von Altenburg (burggravius, prefectus, castellanus, de Plisne)
vor 23.4.1203 Stiftskirche des Augustiner-Chorherrenstifts St. Marien (Bergerkloster) bei Altenburg
Voder G Meinher von AltenburgGTimo von AltenburgSDietrich I. († nach 18.5.1206, vor 24.9.1210), Burggraf von Altenburg; Albrecht I. († vor 24.9.1229), Burggraf von Altenburg; Konrad von Frohburg († 1244), Domherr in Halberstadt; Heinrich von Flößberg
GND: 139698000

H. entstammte einem edelfreien, wohl schon vor der Mitte des 12. Jahrhunderts herrschaftlich fest im Altenburger Raum verankerten Adelsgeschlecht. Zwischen Februar 1143 und Juni 1189 bezeugte H. mehrere Urkunden König Konrads III. und Kaiser Friedrichs I. sowie auch der Bischöfe von Naumburg und Meißen und der Herzogin von Böhmen. Mutmaßlich seit 1146/47, sicher seit 1150, hatte er aus der Hand König Konrads III. die neu geschaffene Altenburger Burggrafschaft mit weitgehenden Gerichtsrechten über die ländlich-bäuerlichen Bewohner des Pleißengaues und umfangreichen Burgkorneinkünften inne. Im Zuge der Formierung des Reichslandes Pleißen ab 1158/65 wurde H. zwar nicht funktional in die herrschaftliche Organisation der „terra imperii“ einbezogen, er beteiligte sich aber maßgeblich an der reichsländischen Kolonisation und ließ ausgedehnte Gebiete zwischen dem Altenburger und Leisnig/Colditzer Altsiedelraum, vor allem um Frohburg und Flößberg, und wahrscheinlich auch im Raum Zinnberg/Penig an der Zwickauer Mulde erschließen. Hierdurch konnte H. über die Amtsbefugnisse hinaus erheblichen herrschaftlichen Zuwachs für seine Familie erlangen. - H. zählte, unterhalb der wettinischen Markgrafen und Grafen, zu den bedeutendsten Herrschaftsträgern seiner Zeit im Raum östlich der Saale. Als Anhänger und Vertrauter der staufischen Könige Konrad III. und Friedrich I. agierte er mit Nachweisen zu Fulda, Goslar und Prag reichsweit. Im Altenburger Raum und später im Pleißenland stützte H. die weitergehenden königlichen Ambitionen in seinem Amt als Reichsburggraf entscheidend und schuf zugleich die herrschaftlichen Grundlagen für das von ihm ausgehende Altenburger Burggrafengeschlecht.



Q  Altenburger Urkundenbuch, 976-1350, bearb. von H. Patze, Jena 1955.

L  E. v. Braun, Geschichte der Burggrafen von Altenburg, Altenburg 1868; J. Löbe, Die Burggrafen und Burgmannen von Altenburg, in: Mitteilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes 10/1895, S. 215-296; H. Helbig, Der wettinische Ständestaat, Münster/Köln 1955; A. Thieme, Die Anfänge der Altenburger Burggrafschaft, in: NASG 65/1994, S. 27-38; ders., Die Burggrafschaft Altenburg, Leipzig 2001.



André Thieme
3.3.2004


Empfohlene Zitierweise:

André Thieme, Heinrich I., in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.7.2017)

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