Heinrich Franz I. Graf (seit 1709 Fürst) von Mansfeld-Bornstedt, Fürst von Fondi
kaiserlicher Obersthofmarschall, Feldmarschall und Hofkriegsratspräsident
* 21.11.[1640/41] Wien [8.6./11.7.]1715(kath.)
VBruno II. (III.) (1576-1644)MMaria Magdalena, geb. Gräfin von TörringGMaria Franziska (Halbschwester); Franziska; Franz Maximilian; Franz Bruno 1.1679 Marie Louise, geb. Gräfin von Aspermont, verw. Herzogin von Lothringen (1624-1670)TMaria Anna (* 1680); Marie Eleonore (* 1680/82) 2.1697 Franziska, geb. Fürstin von Auersperg († 1698)
GND: 121795063

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts stand H. als Obersthofmarschall, Feldmarschall und Hofkriegsratspräsident nicht nur an der Spitze der exklusiven Wiener Hofgesellschaft, sondern gehörte zeitweilig auch zu den einflussreichsten Männern am Kaiserhof Leopolds I. – Nachdem sich H. 1661 - wohl im Anschluss an eine Kavalierstour - an der Universität Siena immatrikuliert hatte, scheint er sich schon in seiner Jugend in kaiserliche Kriegsdienste begeben zu haben. 1675 Oberst und 1679 Oberstfeldwachtmeister, avancierte er 1689 schließlich sogar zum Feldmarschall. Trotzdem betätigte sich H. aber seit 1680 vorrangig auf dem Feld der Außenpolitik. Für seine diplomatische Karriere stehen - neben kurzzeitigen Missionen in Kassel 1677, Berlin 1682 und London 1689 - v.a. die Stationen Paris (1680-1682) und Madrid (1683-1690). 1690 geleitete H. die Braut König Karls II., Maria Anna von Pfalz-Neuburg, nach Spanien, wofür ihm das neapolitanische Fürstentum Fondi, der Titel eines spanischen Granden und der Orden vom Goldenen Vlies verliehen wurde. 1692 zum Gouverneur der Festung Komorn (ungar. Komárom) ernannt, trat der als unruhig und intrigant geltende H. 1694 als Obersthofmarschall an die Spitze der kaiserlichen Hofhaltung. Als neuer Hofkriegsratspräsident geriet er 1701 in heftige Auseinandersetzungen mit Prinz Eugen von Savoyen. Die beiderseitige persönliche Abneigung hatte sich bereits 1696 gezeigt, als H. zum Abschluss des Waffenstillstandvertrags von Vigevano nach Italien entsandt worden war. Da sich dieser Konflikt auch auf die kaiserliche Kriegsführung auswirkte, wurde H. schließlich 1703 des Amts enthoben, gleichzeitig aber zum Oberstkämmerer ernannt. Mit dem Regierungswechsel von 1705 verlor er dieses Amt jedoch wieder. Seit 1689 Wirklicher Geheimer Rat, gehörte H. unter drei Kaisern zum inneren Kreis der obersten Regierungssphäre. Unter Leopold I. war er zugleich Mitglied der Geheimen Konferenz. – H., der nur selten seine Mansfelder Stammlande aufsuchte, bemühte sich mit Unterstützung seines kaiserlichen Dienstherrn seit 1700 intensiv um die Aufhebung der magdeburgisch (preußisch)-sächsischen Zwangsverwaltung. Er erhob beim Reichshofrat Klage gegen Kursachsen, das schließlich ohne Rücksicht auf die Mansfelder Rechte seinen Anteil an Kurhannover verpfändete (1707-1715). Die Annahme des Reichsfürstentitels durch H. 1709 verschärfte den Konflikt mit den Sequestern noch, zumal die v.a. in Böhmen begüterte katholische Linie Bornstedt nach dem Tod des letzten evangelischen Grafen Johann Georg III. 1710 nun sämtliche Ansprüche in ihrer Hand vereinigte. Als Rechtsnachfolger des Erzstifts Magdeburg wurde Preußen gemäß seiner Zusicherung im Krontraktat von 1700 mit Nachdruck zur Aufhebung der Sequestration aufgefordert, die allerdings erst 1716, nach dem Tod von H., erfolgen sollte. – H.s Beispiel zeigt eindrucksvoll, welche Karrieremöglichkeiten für Angehörige hochadliger reichsständischer Familien am exklusiven und glanzvollen Wiener Kaiserhof um 1700 grundsätzlich bestanden, auch wenn die katholische Bornstedter Linie im böhmisch-erbländischen Herrschaftsbereich der Habsburger zu diesem Zeitpunkt wohl bereits als weitgehend assimiliert gelten kann.



L  C. G. Hoffmann, Die Ehre des Fürst= und Gräflichen Hauses Von Mannsfeld …, Leipzig 1717; E. C. Francke, Historie der Graffschaft Manßfeld …, Leipzig 1723; J. J. Moser, Neues teutsches Staatsrecht, Frankfurt/Main/Leipzig 1769 (ND Hildesheim/New York 1977); L. F. Niemann, Geschichte der Grafen von Mansfeld, Aschersleben 1834; G. F. Busch, Chronik der Grafschaft Mansfeld, Leimbach 1849; K. Krumhaar, Die Grafen von Mansfeld und ihre Besitzungen, Eisleben 1872; K. Gutkas, Die führenden Persönlichkeiten der habsburgischen Monarchie von 1683 bis 1740, in: ders. (Hg.), Prinz Eugen und das barocke Österreich, Salzburg 1985, S. 73-86; R. Seidel, Die Grafen von Mansfeld, Egelsbach/Frankfurt/Main/Washington 1998; S. Sienell, Die Geheime Konferenz unter Kaiser Leopold I., Frankfurt/Main u.a. 2001; J. Vötsch, Kursachsen, das Reich und der mitteldeutsche Raum zu Beginn des 18. Jahrhunderts, Frankfurt/Main u.a. 2003. – ADB 52, S. 176; J. H. Zedler (Hg.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 19, Halle u.a. 1793, Sp. 1074, Online-Ausgabe: www.zedler-lexikon.de; C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreichs, Bd. 16, Wien 1867, S. 400f.; Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden (1648), Bd. 1, Zürich 1936, Bd. 2, Zürich 1950.



Jochen Vötsch
7.2.2005


Empfohlene Zitierweise:

Jochen Vötsch, Heinrich Franz I., Graf (seit 1709 Fürst) von Mansfeld-Bornstedt, Fürst von Fondi, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.7.2017)

Wikipedia Link