Bodemer Heinrich Jacob
Kattundruckereibesitzer
* 1800 Leipzig 25.11.1883 Wiesbaden
VJohann Jacob (1762-1844), KattundruckereibesitzerMChristiane, geb. Weigel (1776-1814)GJacob Georg (1807-1888), Baumwollspinnereibesitzer; Jacob, Kattundruckereibesitzer1825 Therese Emilie, geb. Reiniger († 1881)SHermann Jacob (* 1826); Ludwig Jacob (* 1828); Ernst Jacob (1829-1876); Johann Jacob (* 1836)TNanni Theresia (1834-1887)
GND: 135551366





Über B.s Ausbildungsweg, der bis zur Promotion führte, ist nichts bekannt. Ab 1826 leitete er zunächst zusammen mit seinem Vater und ab 1828 allein die Kattunmanufaktur in Naundorf bei Großenhain. Unter B. ging die Manufaktur zur maschinellen Produktion über und wandelte sich zur Fabrik. – 1831 beantragte B. für Eduard Leitenberger aus Reichstadt (tschech. Zákupy) in Böhmen für dessen „Modellmaschine“ (Leitenbergine) ein Patent „zu Bau und Verkauf“ (Nr. 25), da Ausländer selbst keine Patente in Sachsen erwerben durften. Als Erster in Sachsen führte B. Versuche mit mehrfarbigen Walzendruckmaschinen durch, die den Handdruck ablösten. Seine bedruckten Stoffe wurden 1840 auf der Gewerbeausstellung in Dresden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. B.s Geschäftsbeziehungen erstreckten sich auf die Staaten des Deutschen Zollvereins und Österreich. 1858 umfasste seine Fabrik 15 Betriebs- und ein Wohngebäude. Ausgestattet mit drei dampfbetriebenen Walzendruckmaschinen und einer Perrotine (Plattendruckmaschine) arbeiteten hier 70 Beschäftigte. Nach der 1861 in Sachsen eingeführten Gewerbefreiheit erließ B. 1862 die vom Staat geforderte Fabrikordnung. Im gleichen Jahr trat sein ältester Sohn Hermann Jacob in die Firma ein. – B. zeigte darüber hinaus soziales Engagement. Zusammen mit dem Fabrikanten Louis Zschille förderte er die 1830 von Rentamtmann Karl Benjamin Preusker ins Leben gerufene Sonntagsschule in Großenhain. 1841 richtete B. - hauptsächlich auf eigene Kosten - eine Fabrikabendschule ein, die er bald in eine Tagesschule umwandelte. Seit 1832 gehörte er dem Industrieverein an und war 1840 Kommandant der Kommunalgarde. Zudem war B. 1867 als erster Zivilist Mitglied des Militärvereins „Hetzklub“ in Großenhain und gehörte 1869 zu den Gründungsmitgliedern des dortigen Fabrikantenvereins. Schon frühzeitig machte der Fabrikant mit sozialökonomischen Artikeln auf sich aufmerksam. Bekannt wurde er v.a. durch seine Schrift „Die Industrielle Revolution mit besonderer Berücksichtigung auf die erzgebirgischen Erwerbsverhältnisse“. Nach 1880 zog sich B. offenbar vom Fabrikbetrieb zurück und siedelte in die Heimat seiner Frau nach Wiesbaden über.



Q  Archiv der Marienkirchgemeinde Großenhain, Kirchenbücher Großenhain.

W  Die Industrielle Revolution mit besonderer Berücksichtigung auf die erzgebirgischen Erwerbsverhältnisse, Dresden 1856; Zur Beurtheilung des Entwurfs einer Gewerbe-Ordnung für das Königreich Sachsen, Leipzig 1859.

L  G. Schuberth, Chronik der Stadt Großenhain vom Jahre 1088 bis auf die Gegenwart, Großenhain 1887-1892, S. 280f.; R. Forberger, Die Industrielle Revolution 1800-1861, Bd. 1: 1800-1830, Berlin 1982, Bd. 1/1, S. 217, Bd. 1/2, Tab. 121, Bd. 2: 1831-1861, Leipzig 1999-2003, Bd. 2/1, S. 259 u.a., Bd. 2/2, Tab. 780; H. Kiesewetter, Industrialisierung und Landwirtschaft, Köln/Wien 1988, S. 522. – DBA III; NDB 2, S. 353.



Ursula Forberger †
6.7.2005


Empfohlene Zitierweise:

Ursula Forberger †, Bodemer, Heinrich Jacob, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.9.2017)

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