Fröhlich Hedwig
geb. von Zedtwitz
Hausvorsteherin der Diakonissenanstalt Dresden
* 22.11.1833 Annaberg 21.1.1922 Dresden Dresden, St.-Pauli-Friedhof(ev.)
VFriedrich (1782-1834), Amtsprotokollist, Bergamtsverweser, Bergmeister, BergkommissionsratMAgnes Julia, geb. Krause (1805-1846)GHalbschwester Adelheid (1813-1883), Hausvorsteherin eines Rettungshauses; Halbschwester Hildegard (1815-1872), Hilfsorganistin1857 Johannes Karl Heinrich Fröhlich (1826-1881), Pfarrer, Rektor der Dresdner DiakonissenanstaltSJohann Heinrich (1858-1934), Pfarrer; Karl Heinrich Johannes (1862-1863); Heinrich Jakob Karl (1864-1917)THedwig Marie (1860-1939); Hedwig (* † 1867); Hedwig Johanna (1869-1944)
GND: 1102403261

F., deren Vater wenige Wochen nach ihrer Geburt gestorben war, zog 1837 mit ihrer Mutter von Annaberg nach Dresden. Hier kam sie in Kontakt mit den Kreisen der Erweckungsbewegung und der hiesigen Diakonissenanstalt. Als die Mutter 1846 infolge einer Typhuserkrankung starb, übernahmen F.s Halbschwestern Hildegard und Adelheid die Erziehung. Nach dem Willen Adelheids sollte F. im Erziehungsinstitut des Benediktinerinnenklosters Vologne Französisch lernen und anschließend als Kindermädchen in England arbeiten. 1849 brachte Adelheid sie in die Normandie, wo F. jedoch nur 18 Monate blieb. Sie hatte sich entschieden, Diakonisse zu werden, und trat deshalb 1851 ins Diakonissenhaus in Kaiserswerth am Rhein ein. Nach zweijähriger Ausbildungs- und Probezeit wurde sie eingesegnet und Ausbilderin für die Probeschwestern. Im Oktober 1857 heiratete sie im Braunschweiger Dom den Anstaltsgeistlichen der Dresdner Diakonissenanstalt Johannes Karl Heinrich Fröhlich und kehrte als Hausvorsteherin des Diakonissenhauses nach Dresden zurück. – Als Ehefrau und Hausmutter standen F. kaum individuelle Gestaltungsräume offen. In ihrer Funktion als Hausvorsteherin leitete sie den eigenen und den Haushalt der Anstalt, verwaltete die Haushaltskasse, koordinierte die Aufnahme der Kranken ins Hospital und unterrichtete die Probeschwestern. Zwischen 1858 und 1869 bekam F. sechs Kinder, von denen zwei allerdings früh verstarben. Mit den eigenen wurden auch Kinder Verwandter und Freunde erzogen. Die Wohnung stand zudem zahlreichen Gästen offen: Menschen auf der Durchreise, Verwandten und Freunden. Um F. zu entlasten, wurden nach und nach verschiedene Ämter von dem der Hausvorsteherin getrennt und in die Hände von Diakonissen gelegt. Auch wenn ihr Amt im Laufe der Zeit immer weniger Aufgaben für die Anstalt und die Schwesternschaft umfasste, hatte F. weiterhin Einfluss auf die Diakonissenanstalt. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann, der auf dem Gebiet der weiblichen Diakonie ein Laie war, brachte sie aus Kaiserswerth und von ihren Reisen ins Ausland wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse in Bezug auf mögliche Arbeitsgebiete einer Diakonissenanstalt und deren Leitung und Verwaltung mit. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat sie den Anstaltsgeistlichen darin bestärkt, in Niederlößnitz bei Radebeul eine Zufluchts- und Erziehungsstätte für „sittlich gefährdete“ Mädchen und Frauen zu gründen. Das 1865, am Sonntag nach dem Tag Maria Magdalenas (22. Juli), eröffnete Haus „Talitha kumi“ („Mädchen, ich sage dir, steh auf!“, Mk 5,41) wurde von der Diakonissenanstalt verwaltet und durch Spenden finanziert. Anregung für das Magdalenenasyl hatte sich F. in Holland geholt, wo zahlreiche solcher Einrichtungen bestanden. Außerdem forcierte sie wohl auch die Gründung eines Sonntagsvereins in der Dienstbotenherberge, einer weiteren, 1868 gegründeten Einrichtung der Diakonissenanstalt. Ziel des Sonntagsvereins war es, Dienstmädchen an ihren freien Tagen sinnvolles, „sittlich ungefährliches“ Beisammensein zu ermöglichen. Inwieweit F. auf die Gründung der anderen Zweiganstalten - wie das Siechenhaus in Niederlößnitz, die Krippe und die Kinderbewahranstalt auf dem Gelände der Diakonissenanstalt - Einfluss hatte, lässt sich kaum noch feststellen. – Während der beiden Kriege 1866 und 1870/71 unterstützte das Diakonissenhaus die Frontlazarette der sächsischen Armee mit Diakonissen, die der Anstaltsgeistliche persönlich nach Österreich und Böhmen bzw. nach Frankreich brachte. Während dieser wochenlangen Abwesenheit ihres Ehemanns übernahm F. die gesamte Leitung des Hauses und des Hospitals. Zudem diente das Diakonissenhaus für die Dauer der beiden Kriege als Lazarett, was sich in einem „militarisierten“ und deshalb neu strukturierten Alltag niederschlug. In Anerkennung ihrer Leistung während der Kriege erhielt F. vom sächsischen Königshaus 1872 den Sidonien-Orden verliehen. – Nach dem Tod ihres Manns 1881 blieb F. noch bis 1884 im Amt der Hausvorsteherin. Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Anstalt engagierte sie sich weiterhin auf dem Gebiet der Inneren Mission. Vom Verein der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt, dem sie bis 1884 qua Amt angehörte, wurde sie 1893 in den Vorstand berufen. Außerdem wurde F. Mitglied im Vorstand des Magdalenenhilfsvereins, der sich bereits 1869 unter ihrer Mithilfe zur Unterstützung des Magdalenenasyls zusammengefunden hatte, und erste Vorsteherin des Frauenmissionsvereins. – Ihre letzten Lebensjahre verbrachte F. mit ihrer jüngsten Tochter in einer Wohnung in der Holzhofgasse. Bis zu ihrem Tod hielt sie den Kontakt zu den Schwestern und besuchte die Anstaltsgottesdienste und hauseigenen Feste.



Q  Fliedner Kulturstiftung Kaiserswerth, Personalmappen ausgetretener Diakonissen: Eintritt 1836-1918; Privatarchiv Familie Fröhlich, Bochum.

L  G. Molwitz, Lebenslauf der in Gott ruhenden Frau Kirchenrat F. geb. von Zedtwitz, in: Kleine Chronik der ev.-luth. Diakonissenanstalt zu Dresden 47/1922, Nr. 2, S. 1-4; ders., F. und die Diakonissenanstalt zu Dresden, in: Sächsisches Kirchenblatt 76/1926, S. 74-82; A. Seeberg-Elversfeld, Die Ahnen in ihrer Zeit und Welt, Neustadt/Aisch 1993 (Bildquelle).



Peggy Renger-Berka
20.8.2007


Empfohlene Zitierweise:

Peggy Renger-Berka, Fröhlich, Hedwig, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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