G.s großes Verdienst ist seine Tätigkeit als Universalwissenschaftler, Sammler, Wissens- und Wissenschaftsvermittler sowie als Mäzen. Seine Wirkung entfaltete er - ausgehend von seinen Wohnsitzen Bautzen und Weicha, nordöstlich von Bautzen, über die Grenzen der Oberlausitz und Kursachsens hinaus - einerseits im Kontakt mit Naturwissenschaftlern, Gelehrten und Experimentatoren seiner Zeit. Andererseits zeigte sich seine Bedeutung als Gutsherr z.B. in der Neuerprobung landwirtschaftlicher und medizinischer Methoden oder in seinem Engagement für Toleranz in kirchenrechtlichen und religiösen Angelegenheiten. – Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm G. ab 1659 die Verwaltung der Güter von Ober- und Niederweicha sowie eines Teils von Rackel bei Weißenberg, zu denen er in den folgenden Jahren Gröditz und Weigersdorf erwarb. Im selben Jahr heiratete er Anna von Logau, die Tochter des gesellschaftskritischen Barockdichters Friedrich Freiherr von Logau, und reiste erstmals nach Paris. Bis in die 1690er-Jahre kamen ausgedehnte Reisen durch Deutschland, in die Niederlande, nach England, Frankreich und Italien hinzu, die der weiteren Bildung und Ausbildung dienten. In Oxford studierte G. wohl Jura und hörte in Paris und Leiden Vorlesungen in Mathematik, Optik, Geometrie, Geografie und Militärkunde. Ferner erlernte er das Schleifen optischer Linsen und nahm Unterricht im Spiel der Viola da Gamba (Leiden) und der Laute (Paris). – Auf diesen Reisen, aber auch von Bautzen aus, wo er um 1680 ein eigenes Stadthaus mit den entsprechenden Räumlichkeiten errichtete, legte G. eine umfangreiche Sammlung und Bibliothek an. Diese genügten nicht nur Repräsentations- und Memorialzwecken, wie für die Wunder- bzw. Raritätenkammern seiner Zeit üblich. Sie waren v.a. durch die Hinwendung zu praxisrelevanten Anschaffungen an Instrumenten, Schriften sowie an ästhetisch anspruchsvollen Bildern und Zeichnungen gekennzeichnet. G.s Instrumentensammlung umfasste Astrolabien und ein Tellurium (Sonnen- und Planetenmodell) aus dem Jahr 1634, heute eines der ältesten der vier erhaltenen kopernikanischen Planetarien von Willem Janszoon Blaeu, aus dessen Amsterdamer Werkstatt auch mehrere von G.s Erd- und Himmelsgloben stammen. Sie enthielt ferner nachweislich u.a. ein großes Kalendarium, Messinstrumente, Fernrohre, z.T. selbst geschliffene Linsen sowie einen sog. hermetisch-theosophischen Sonnen-Turm. Seine Bibliothek barg zu Lebzeiten über 3.000 Titel aller Wissenssektoren in verschiedenen Sprachen, darunter die wichtigsten Atlanten, Enzyklopädien, Lexika und Zeitschriften der Zeit. G. legte selbst mindestens zwölf meist lexikalisch ausgerichtete Handschriften, die zu Büchern gebunden wurden, an, in denen er eigene Experimente, Rezepte und Exzerpte zusammenstellte. – Auch seine Kunstsammlung war von hohem künstlerischem Wert. Der grafische Bereich konzentrierte sich auf Arbeiten damals bekannter Künstler wie Martin Schongauer, Hans Holbein, Hans Sebald und Barthel Beham, Hans Baldung Grien, Hendrick Goltzius, Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer, Giovanni Antonio da Brescia, Ugo da Carpi, Marcantonio Raimondi, Martino Rota und Jacques Callot. Die Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen, Flugblätter und Kupferstiche des 15. bis 17. Jahrhunderts, darunter 85 Kupferstiche und Radierungen sowie über 100 Holzschnitte und zwei Druckstöcke Albrecht Dürers, wurden durch ein Ölgemälde und einige Blätter von Lucas Cranach d.Ä. ergänzt. – Charakteristisch für G. war, seine Fähigkeiten als unabhängiger Geschäftsmann und seine Kenntnisse in einen konkreten wissensfördernden Denk- und Handlungszusammenhang zu stellen: Er war mit Otto von Guericke befreundet, den er mit Instrumenten versorgte und für dessen Veröffentlichung der „Experimenta nova“ (1672) er sich in Amsterdam persönlich bei mehreren Verlegern einsetzte. Über Vater und Sohn Guericke erfuhr G. wahrscheinlich von den wissenschaftlichen Thesen Caspar Schotts, eventuell gab es zwischen Schott und G. eine eigene Korrespondenz. Des Weiteren unterstützte G. den Physiker Johann Friedrich Engelmann und stand in Kontakt mit dem schwedischen Reichsrat und Gesandten Bengt Graf Oxenstierna, dem Philosophen und Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, dem Zittauer Dichter Christian Weise und dem Bautzener Musiker Johann Christoph Pezel. – Ab 1681 betrieb G. die Gründung der Gersdorff-Weicha’schen Familienstiftung, der er im März 1692 ein Kapital von 9.000 Talern, sein Bautzener Stadthaus und seine gesamte Sammlung vermachte. Bibliothek und Kunst- bzw. Gerätesammlung wurden Wissenschaftlern geöffnet, die Kapitalzinsen ermöglichten ärmeren Familienangehörigen noch bis 1940 ein Studium im In- und Ausland. G.s Bibliothek und Sammlung sind heute im Bautzener Stadtmuseum und in der Bautzener Stadtbibliothek fast vollständig erhalten.