Sachse Hans Wolfgang
Komponist, Kapellmeister
* 17.3.1899 Dresden 20.12.1982 Plauen Städtischer Hauptfriedhof Plauen
VCarl, OberbauratMKäthe, geb. Rentzsch1942 Gisela, geb. KemptSEberhard (* 1946); Christoph (* 1955)
GND: 134816870





S. zählte zu den produktivsten Komponisten Sachsens, die mit einer traditionsgebundenen, einfach strukturierten, leicht rezipierbaren Musiksprache zum Verständnis neuer Musik verhelfen wollten. Bedingt durch Versetzungen des Vaters verbrachte er die Kindheit in Dresden, Zwickau und Leipzig, wo er auch die Thomasschule besuchte (1909-1911). Ab 1912 lebte die Familie in Plauen, wo S. 1917 seine Schulbildung mit dem Notabitur abschloss. Nach der Entlassung vom Militär studierte er 1919 bis 1921 in Leipzig Musik am Konservatorium (u.a. bei Paul Graener) sowie an der Universität Musikwissenschaft (u.a. bei Hermann Abert, Hugo Riemann und Arnold Schering), Philosophie und Germanistik. Nach dem Tod des Vaters musste S. das Studium aus finanziellen Gründen abbrechen. Er wurde 1921 Kapellmeister am Stadttheater Plauen, das auch das Kurtheater Bad Elster bespielte. Ab 1927 freischaffend als Musiklehrer und Liedbegleiter tätig übernahm er zugleich die Leitung von fünf Chören, darunter die großen Volkschöre Plauen und Netzschkau, die sich zur Arbeiterbewegung bekannten. Im Zusammenhang damit entstanden mehrere vokale Kompositionen, u.a. das proletarische Chorwerk „Rote Fahne“ (1929). Die NSDAP verhängte daraufhin für S. ein Aufführungsverbot in Plauen, was ihn nicht daran hinderte, sich später aus existenziellen Gründen mit dem NS-Regime zu arrangieren. Nach Kriegsende musste er dafür mehrere Jahre in einem Lager des sowjetischen Geheimdiensts verbringen. Nach der Entlassung engagierte sich S. für den kulturellen Neuaufbau, v.a. im Verband der Komponisten Sachsen und im Kulturbund. Mit „Orchestervariationen über ein Baßthema von Claude Debussy“ (1931), geschrieben im Stil Max Regers, hatte S. frühzeitig und deutschlandweit ebenso Erfolg wie mit zahlreichen Kammermusiken. Sie sind, wie auch die Orchesterstücke „Musica giocosa“ (1950) und „Heiteres Spiel um vier alte Weisen“ (1958), charakteristisch für seinen unbeschwerten Stil. Nach 1950 ging sein Bestreben dahin, mit Werktiteln und Zitaten einen gesellschaftlichen Bezug seiner instrumentalen Werke anzudeuten („Drei Holzschnitte zum Deutschen Bauernkrieg“, 1975; „Variationen über ein Lutherlied“, 1982). Analog dazu widmete er Vokalwerke gesellschaftlichen Anlässen, z.B. die Kantaten „Wer das Morgen will, will auch das Licht“ (1959), „Wir singen dem Frieden ein Lied“ (1981). Einen großen Teil schrieb S. für Laienchöre und -orchester, wobei ihm die Erfahrungen als Chorleiter zugute kamen. Außerdem leistete er viel beachtete Beiträge für eine gehobene Unterhaltungsmusik, darunter Ouvertüren, Suiten, Variationen, teilweise mit musikalischen Bezügen zur Folklore. Damit fand er einen festen Platz in Rundfunksendungen. 1951 bis zum Tod engagierte sich S. für den Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR, arbeitete aktiv im Bezirksvorstand und setzte sich besonders für Kontakte zu Großbetrieben, zu Laienensembles und komponierenden Werktätigen ein. 1960 erhielt er den Kunstpreis des Bezirks Karl-Marx-Stadt und 1981 den Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Bronze.



W  Vokalmusik: Rote Fahne, 1929; Wer das Morgen will, will auch das Licht, Kantate, 1959; Wir singen dem Frieden ein Lied, Kantate, 1981; Instrumentalmusik: Orchestervariationen über ein Baßthema von Claude Debussy, op. 17, 1931; Musica giocosa, 1950; Heiteres Spiel um vier alte Weisen, 1958; Sinfonia serena, op. 70, 1961; Drei Holzschnitte zum Deutschen Bauernkrieg, op. 106, 1975; Variationen über ein Lutherlied, 1982.

L  DBA II.



Werner Kaden
9.6.2009


Empfohlene Zitierweise:

Werner Kaden, Sachse, Hans Wolfgang, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.9.2017)

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