Helmolt Hans Ferdinand
Historiker, Redakteur
* 8.7.1865 Dresden 19.3.1929 Berlin(ev.)
VFerdinand († 1904), RechnungsratMHelene, geb. Hentsch († 1901)1895 Gertrud, geb. PeterSHansheinrich (1896-1916, gefallen)TGisela (* 1898); Gertraude (* 1905)
GND: 115576908

H. war der Herausgeber einer der ersten Weltgeschichten, die in Deutschland erschienen. – Nach dem Abitur am Kreuzgymnasium in Dresden 1884 studierte H. in Bonn und Leipzig Germanistik, Geschichte, Psychologie, Geografie und Sprachen. 1890 leistete er seinen Militärdienst ab und promovierte 1892 in Leipzig mit der Arbeit „König Ruprechts Zug nach Italien“. Sein erster Gutachter, der gerade berufene Karl Lamprecht, gewann ihn als Mitarbeiter für die Edition der Rheinischen Urbare. 1893/94 legte H. an einem Leipziger Gymnasium auch sein Probandum für den höheren Schuldienst ab. In den folgenden Jahren wurde er stark von den wissenschaftlichen Auffassungen Lamprechts angezogen, dessen Weggefährte er war, ohne je sein akademischer Schüler gewesen zu sein. – Am 1.4.1894 trat H. als Redakteur in das Bibliographische Institut in Leipzig ein und widmete sich der Herausgabe einer neunbändigen Weltgeschichte (1899-1907), die Teil einer vom Verlag geplanten Reihe welt- und kulturgeschichtlicher Werke war. Die Reihe fand einen großen Absatz, sodass 1914 bis 1922, allerdings unter einem anderen Herausgeber, eine zweite Auflage folgte. In der Fachwelt stieß sie jedoch auch auf Kritik. Für den ersten Band der ersten Auflage verfasste H. in Anlehnung an Friedrich Ratzel einen Grundsatzartikel über den Begriff Weltgeschichte, der u.a. die ethno-geografische Gliederung der Bände begründete. Außerdem gab H. 1894 bis 1919 die „Vierteljahreshefte für Weltgeschichte“ heraus. – Nach dem Weggang aus dem Bibliographischen Institut 1906 wandte sich H. der Pressearbeit zu. Er war zunächst Journalist in Dresden, politischer Schriftleiter der Münchener Neuesten Nachrichten und 1912 bis 1917 Chefredakteur der Weserzeitung in Bremen. Im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Pressechef im Reichsamt des Inneren. 1922 wurde H. Chefredakteur der Frankfurter Nachrichten. – Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde ihm der Professorentitel verliehen.



W  König Ruprechts Zug nach Italien, Jena 1892; (Hg.), Vierteljahreshefte für Weltgeschichte 1894-1919; Weltgeschichte, 9 Bde., Leipzig/Wien 1899-1907, ²1913-1922; (Hg.), Friedrich Ratzel. Kleine Schriften, München 1905; Deutsche Geschichte, Leipzig 1907, ²1914; (Hg.), Liselotte (von der Pfalz). Briefe in Auswahl, 2 Bde., Leipzig 1907/08; Porträtgalerie aus Lamprechts Deutscher Geschichte, Leipzig 1910, ²1920; (Hg.), Der Weltkrieg in Bildern, 3 Folgen, Leipzig 1914-1916; Leopold Ranke, Leipzig 1920; Friedrich der Große und sein Preußen, Wien 1925; Hindenburg, Karlsruhe 1926, ²1934.

L  Nachruf, in: Pauliner Zeitung 41/1929, S. 114-116; H. Bergenthin, Weltgeschichte im wilhelminischen Deutschland, in Comparativ 12/2004, H. 3, S. 16-56. – DBA I, II, III; DBE 4, S. 575; NDB 8, S. 502f.; H. A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s?, Leipzig 81922, S. 619.



Siegfried Hoyer
30.1.2014


Empfohlene Zitierweise:

Siegfried Hoyer, Helmolt, Hans Ferdinand, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.5.2017)

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