Schubert Georg Gustav Wilhelm (seit 1878 von)
Generalleutnant, Militärschriftsteller
* 28.9.1824 Leipzig 3.9.1907 Heidelberg
VGustav Wilhelm, Rechtsanwalt, Wirklicher KommissionsratGWilhelmine († 1853); 2 weitere SchwesternMathilde, geb. BarthSRudolf Wilhelm (* 1857), Major z.D.; Hans (1859-1931), Kirchenhistoriker, Geheimer Kirchenrat
GND: 117108499


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S. war ein sächsischer Artillerieoffizier, der sich neben seiner Militärkarriere durch ein vielseitiges literarisches Schaffen verdient machte. – S. erhielt seine erste Schulbildung ab 1830 an den Zittauer und Leisniger Stadtschulen. 1833/34 besuchte er eine private Vorschule sowie ein Privaterziehungsinstitut in Dresden, woran sich 1837 der Besuch einer militärischen Vorbereitungsschule anschloss. 1839 trat er in das sächsische Kadettenhaus ein, das er 1843 als Portepeejunker der reitenden Artilleriebrigade verließ. Im selben Jahr wurde er Leutnant bei der 4. Kompanie des Fußartillerieregiments. Seit Oktober 1846 war S. Mitglied des „Literarischen Museums“, das sich mit politischen Reformbestrebungen befasste. Zudem beteiligte er sich am Zeitschriftenprojekt „Heer und Volk - eine Sammlung von Aufsätzen meist militärischen Inhalts“ seines Freunds Heinrich von Abendroth. Während der Niederschlagung der Revolution im Mai 1849 leitete S. den Munitionsnachschub vom Königstein nach Dresden. Daraufhin stieg er zum Oberleutnant auf und war im Generalstab tätig. Neben seiner militärischen Funktion schrieb S. für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Lexika. Ab 1854 lehrte er an der Dresdner „Fortbildungsschule für Offiziere“ Artillerie- und Waffenlehre, zugleich stand er der Bibliothek und Kartensammlung des Generalstabs vor. Zusätzlich bildete er die „Guiden“ aus, eine kleine Unterstützungseinheit für den Generalstabsdienst. Während seiner Zugehörigkeit zum Generalstab unternahm S. verschiedene ausgedehnte Reisen, so 1852 in die habsburgischen Länder und auf den Balkan. Im März 1854 wurde er beim Generalstab als Adjutant und 1857 im Rang eines Hauptmanns mit einer überzähligen Planstelle angestellt. Durch seinen Schwager, den Afrikaforscher Heinrich Barth, wurde S.s Interesse für Geografie geweckt. Er redigierte die Berichte Barths für die Veröffentlichung in der „Zeitschrift für allgemeine Erdkunde“. Außerdem beteiligte er sich 1863 an der Gründung des Dresdner Vereins für Erdkunde. 1861 kehrte S. als Batterieführer in den Truppendienst zum Fußartillerieregiment zurück. Im Dezember 1863 hielt er sich für eine verdeckte Erkundung in Dänemark auf, die das militärische Vorgehen des Deutschen Bunds im Konflikt um Schleswig und Holstein vorbereiten sollte. Nach erneuter Rückkehr in den Generalstab (1865) veranlasste er im selben Jahr Rudolf Virchow, die Leiche Barths zu obduzieren, um die durch dessen plötzlichen Tod aufgekommenen Selbstmordgerüchte zu entkräften. S. bemühte sich jahrzehntelang letztlich erfolglos um eine Aufarbeitung und Veröffentlichung von Barths Nachlass durch einen fachkundigen Wissenschaftler. – Im Feldzug gegen Preußen 1866 war S. im Armeeoberkommando tätig, worauf er die Ernennung zum Major und stellvertretenden Chef des Generalstabs erhielt. Kurzzeitig leitete er den Generalstab und bildete anschließend Generalstabsoffiziere aus. Seine Beschreibung des Gefechts bei Gitschin (tschech. Jičín) wurde in der Leipziger Zeitung und der österreichischen Militärzeitschrift veröffentlicht. Im Juni 1869 folgten die Beförderung zum Oberstleutnant und eine Generalstabsreise mit Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke durch Sachsen. Beim Ausbruch des Kriegs gegen Frankreich 1870 wurde S. zum Stabschef der 23. Infanteriedivision ernannt und leitete im November desselben Jahrs den Stab des XII. (Königlich Sächsischen) Armeekorps. 1871 erhielt er das Kommando über das Festungsartillerieregiment Nr. 12, das er bereits Ende des Jahrs verließ, um im Rang eines Obersts das Kommando über das Feldartillerieregiment Nr. 12 „Divisionsartillerie“ (seit 1874 2. Königlich Sächsisches Feldartillerieregiment Nr. 28) zu übernehmen. Anlässlich der silbernen Hochzeit des sächsischen Königspaars wurde er 1878 in den erblichen Adelsstand erhoben. 1880 erhielt S. sowohl die Beförderung zum Generalmajor als auch das Kommando über die Artilleriebrigade Nr. 12. 1885 ging S. in den Ruhestand, mit dem Recht, den Rang eines Generalleutnants zu führen. Als Pensionär beteiligte er sich an diversen militärischen Ausarbeitungen, u.a. für das Kriegsministerium, und schrieb für mehrere Zeitschriften. Neben seinem Engagement im Verein für Erdkunde war er Mitglied im Kolonial- und im Tonkünstlerverein. Außerdem setzte er sich im Wohltätigkeitsverein „Zu Rat und Tat“ für soziale Zwecke ein und wurde in dessen Vorstand gewählt. 1887 bis 1907 war S. Vorsitzender der Königlich Sächsischen Invalidenstiftung. Während eines Aufenthalts in Heidelberg erlag er einem Herzinfarkt. – Für seine Verdienste erhielt S. das Ritterkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens, das Komturkreuz des Königlich Sächsischen Verdienstordens 2. Klasse mit Kriegsdekoration 1870, das Großkreuz des Albrechtsordens, das Dienstauszeichnungskreuz und neben dem Eisernen Kreuz 1. Klasse eine Reihe von Orden anderer Staaten. Zudem wurde er 1893 à la suite des 2. Feldartillerieregiments Nr. 28 gestellt.



W  (Anonym), Der Antheil des Königlich Sächsischen Armeecorps am Feldzuge 1866 in Oesterreich, Dresden 1869; Die Beteiligung des 12. (kgl.-sächs.) Armee-Corps an der Schlacht bei Gravelotte-St. Privat, Berlin 1872; Die Beteiligung des 12. (kgl.-sächs.) Armee-Corps an der Schlacht bei Sedan, Berlin 1874; Das XII. (Königlich-Sächsische) Armee-Corps während der Einschließung von Paris im Kriege 1870-71, Dresden 1875; (Anonym), Heinrich von Abendroth, Dresden 1881; Heinrich Barth. Der Bahnbrecher der deutschen Afrikaforschung, Berlin 1897; Lebenserinnerungen, hrsg. von H. von Schubert, Stuttgart/Leipzig 1909.

L  H. A. Verlohren, Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts, hrsg. von M. Bertold/F. Verlohren, Leipzig 1910, S. 474. – DBA II.



Gunter Janoschke
21.2.2011


Empfohlene Zitierweise:

Gunter Janoschke, Schubert, Georg Gustav Wilhelm (seit 1878 von), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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