Spindler Gustav Wilhelm Theodor
Forstmeister
* 6.6.1859 Elster 6.10.1928 Augustusburg

GND: 139870296






Artikel wurde bearbeitet:

S. war einer der bedeutendsten Vertreter einer naturnahen Waldbewirtschaftung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Sachsen. – Nach dem Besuch der Realschule in Plauen/Vogtland absolvierte S. das sog. „Elevenhalbjahr“ im Sächsischen Forstamt Carlsfeld, bevor er 1879 ein Studium an der Königlich-Sächsischen Forstakademie in Tharandt aufnahm, das er 1882 mit einem hervorragenden Examen abschloss. Angeregt durch die Ideen des Münchner Waldbauprofessors Karl Gayer gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich S. schon frühzeitig kritisch mit den bestehenden Bewirtschaftungsrichtlinien auseinander. Deutlich wurde sein Bestreben, die Grundlagen der forstlichen Produktion wieder mit den tatsächlichen Lebensgesetzen des Waldes in Einklang zu bringen. Nachdem er zunächst 1899 bis 1904 das Sächsische Forstamt Grünhain verwaltet hatte, praktizierte er dies vorzugsweise auf dem ehemaligen Sächsischen Forstamt Carlsfeld, dessen Amtsvorstand er 1904 bis 1924 war. S.s großes Verdienst bestand in der Bewirtschaftung der Wälder im Vorverjüngungsverfahren unter besonderer Berücksichtigung der natürlichen Verjüngung der Waldbestände bei weitestgehender Vermeidung von Kahlschlägen. Die erreichten Ergebnisse bezüglich Produktivität, Stabilität, Elastizität und Ungleichaltrigkeit der Bestände stimulierten viele Amtsvorstände in den Sächsischen Forstämtern, ähnliche Bewirtschaftungsstrategien anzuwenden. Heute sind sie wesentliche Bestandteile der Waldbaugrundsätze des Freistaats Sachsen.



W  Einige Mitteilungen über Fichtenverjüngung durch Benutzung natürlichen Anflugs und durch aus heimischen Samen erzogenen Pflanzen, in: Bericht über die 56. Versammlung des Sächsischen Forstvereins zu Plauen 1912, S. 144-154; Die Naturverjüngung der Fichte im Erzgebirge, in: Bericht über die 60. Versammlung des Sächsischen Forstvereins zu Eibenstock 1922, S. 37-47; Erhaltung der heimischen Fichtenrasse, in: Bericht über die 62. Versammlung des Sächsischen Forstvereins zu Bischofswerda 1924, S. 78-83; Entwicklung und gegenwärtiger Stand der Naturverjüngungsfrage bei der Fichte in Sachsen, in: Silva 14/1926, Nr. 23, S. 177-180; Bodenverwundung bei Fichten-Naturverjüngung im sächsischen Erzgebirge, in: Silva 18/1930, Nr. 2, S. 11-13.

L  G. Lindner, Naturgemäße Waldwirtschaft im Westerzgebirge, in: H. Thomasius, Ökologisch orientierter Waldbau, Tharandt 1992, S. 80-92; G. Lang, Gustav Wilhelm Theodor S., in: Erzgebirgische Heimatblätter 1/1993, S. 1-4 (P); ders., Forstmeister Gustav Wilhelm Theodor S. - Ein Vertreter der naturgemäßen Waldwirtschaft im sächsischen Erzgebirge, in: Bericht aus den Jahren 1997 und 1998, hrsg. vom Sächsischen Forstverein, Hoyerswerda 1999, S. 127-137 (P).

P  Porträt, Archiv G. Lang (Bildquelle).



Günther Lang
25.4.2005


Empfohlene Zitierweise:

Günther Lang, Spindler, Gustav Wilhelm Theodor, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

Wikipedia Link