Klett (Klette, Klet, Kleth, Clett, Clette, Clet, Clettus) Gregor (Jörg)
Stadtschreiber in Görlitz, Alchemiker
* 1467 (Schlesien) 7.2.1513 Görlitz
1.(† 1496/97)S1 2.1497 Katharina, geb. Emerich (* um 1472/73), Tochter des Görlitzer Bürgermeisters Georg Emerich
GND: 103155902

K. erlangte v.a. für die Wissenschaftsgeschichte Bedeutung, denn die von ihm überlieferten „Alchimistenbriefe“ stellen die älteste deutschsprachige Korrespondenz zwischen Alchemikern dar. – K. studierte 1482 in Leipzig und hielt sich um 1490 in Mainz auf, er war Lizentiat der Jurisprudenz. Spätestens seit 1496 fungierte er als Syndikus in Bautzen. Nach dem Tod seiner ersten Frau und seines Sohns ging er 1497 als Oberstadtschreiber (protonotarius) nach Görlitz, wo er das Bürgerrecht erwarb und die älteste Tochter des mehrfach als Bürgermeister tätigen Georg Emerich heiratete. In der Folgezeit war K. bis zu seinem Tod als Ratsherr mehrfach Schöffe und Ältester. Das Stadtschreiberamt gab er 1509 auf. Er bewohnte den Brauhof Untermarkt 19. Außerdem gehörten ihm das Dorf Hennersdorf (poln. Jędrzychowice), vier Teiche und eine Mühle. – Für die Wissenschaftsgeschichte sind K.s. sog. Alchimistenbriefe von herausragender Bedeutung. Diese aus den Jahren 1496 bis 1506 stammenden zwölf Briefe, die vielleicht an den Mainzer Arzt und Humanisten Dietrich Gresemund d.Ä. gerichtet waren, sind die ältesten deutschsprachigen Zeugnisse eines brieflich geführten Erfahrungsaustauschs zwischen Alchemikern. Hauptthema der Briefe sind chemische Verfahren zur Gewinnung des „Steins der Weisen“ (Lapis philosophorum), einer Substanz, mit der man unedle Metalle in edle zu verwandeln hoffte. Die traktatartigen Briefe bezeugen K.s umfangreiche Kenntnisse der zeitgenössischen Alchemieliteratur und deren kritische Reflexion. Die Autorschaft weiterer überlieferter oder nur von anderen erwähnter Werke ist unsicher. R. Gelius hält es für unwahrscheinlich, dass K. selbst laborierte, er hält ihn vielmehr für den Literaturkundigen innerhalb einer Gemeinschaft von Alchemikern, in der sein Schwiegervater Emerich der eigentliche Betreiber eines Labors gewesen sein soll. In den Görlitzer Quellen wird allerdings weder K.s. noch Emerichs Betätigung als Alchemiker erwähnt.



Q  J. Hass, Görlitzer Ratsannalen, Bd. 1/2: 1509-1520, hrsg. von T. Neumann, Görlitz 1852, S. 58, 232.

W  Azot Philosophorum Solificatum, in: F. Kiesero (Hg.), Cabala Chymica, Mülhausen 1606, S. 375-481.

L  R. Jecht, Urkundliche Nachrichten über Georg Emerich, in: Neues Lausitzisches Magazin 68/1892, S. 85-164; H. Knothe, Die Oberlausitzer auf Universitäten während des Mittelalters und bis zum Jahre 1550, in: ebd. 71/1895, S. 133-174; ders., Die Oberlausitzer auf der Universität Leipzig von 1420-1550, in: ebd. 77/1901, S. 147-202; R. Jecht, Die Pilzläuben, Jüden-, Rosen- und Hellegasse, sowie ein neu aufgedecktes Wandgemälde in Görlitz, in: ebd. 78/1902, S. 204-216; ders., Geschichte der Stadt Görlitz, Bd. 1.1, Görlitz 1926; W. Ganzenmüller, Briefe eines Lausitzer Alchimisten 1496-1506, in: Angewandte Chemie 48/1935, S. 761-764; R. Gelius, Neue Erkenntnisse in der Frage der „Lausitzer Alchimistenbriefe“, in: Sudhoffs Archiv 71/1987, S. 62-77; A. Bartkowski, „Die rechte Kunst der Alchemie ist wahrhaftig die Philosophia der alten Weisen.“ Die alchemistischen Briefe des Görlitzer Bürgers und Stadtschreibers Georg K., in: Görlitzer Magazin. Geschichte und Gegenwart der Stadt Görlitz und ihrer Umgebung 25/2012, S. 2-11. – K. Ruh (Hg.), Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Bd. 4, Berlin/New York ²1983, Sp. 1215-1218; Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München/Zürich 1991, Sp. 1211.



Christian Speer
14.4.2014


Empfohlene Zitierweise:

Christian Speer, Klett (Klette, Klet, Kleth, Clett, Clette, Clet, Clettus), Gregor (Jörg), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.4.2017)

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