Demiani Gottlob Ludwig
Jurist, Oberbürgermeister von Görlitz
* 22.4.1786 Dresden 5.7.1846 Dresden
VChristian Gottlob (1752-1806), Arzt1814 (?) Knaust, geb. Meißner
GND: 139793720


Verknüpfte Personen im Text:

D. entstammte einer im 17. Jahrhundert aus Siebenbürgen ausgewanderten Familie. Seine Ausbildung absolvierte er am Görlitzer Gymnasium Augustum und an einer sächsischen Fürstenschule. Nach seinem Jurastudium in Wittenberg arbeitete D. in Dresden, ließ sich später als Oberamtsadvokat in Bautzen nieder und folgte am 1.7.1814 einer Berufung zum Senator des Ratskollegiums nach Görlitz. Rasch konnte sich der Jurist, gestützt auf seine Erfahrungen in der sächsischen Staatsverfassung und Verwaltung, in die Verfahrensweise und Normen des preußischen Rechts einarbeiten. Nur wenige Jahre später, am 1.7.1820, wurde er zum Kämmerer des Magistrats befördert. Mit Organisationstalent und großer Umsicht ordnete er die durch Krieg und Misswirtschaft zerrütteten Görlitzer Finanzen und bereitete den Boden für einen wirtschaftlichen Aufschwung ab der Mitte der 1830er-Jahre. Besondere Beachtung schenkte D. dem großen städtischen Forstbesitz jenseits der Neiße, der sog. Görlitzer Heide. Mit der von ihm eingeleiteten Ablösung der Pächterrechte verschaffte er der Stadt eine stabile wirtschaftliche Grundlage. Davon profitierten auch die sich ansiedelnden Industriebetriebe, u.a. die Wagenbaufirma Christoph Lüders. Die dank D.s Initiative gesteigerten Einnahmen aus der Forstwirtschaft und der Abbau der Bodenschätze ermöglichten bald eine Steuerpolitik, die Görlitz als Wirtschafts- und Lebensort in Preußen attraktiv machte. Auch die ab 1829 betriebene Umgestaltung der alten Viehweide in eine Parkanlage erwies sich für diese Entwicklung als förderlich. Mit der Einführung der Stein’schen Städteordnung von 1808 wurde D. am 3.1.1833 zum Bürgermeister von Görlitz gewählt. Mit den als Kämmerer geschaffenen Grundlagen konnte er nun ohne Verzug an die Umsetzung der kommunalen Selbstverwaltung gehen. Immer deutlicher zeichneten sich in allen Lebensbereichen tief greifende Wandlungen ab. D. hatte Mühe, sich gegen eine konservative Opposition im Magistrat und besonders in der Stadtverordnetenversammlung durchzusetzen. Unter D.s Führung entstanden zahlreiche neue Gebäude in der Stadt, u.a. mehrere Schulen und ein Krankenhaus. Das wohl wichtigste Vorhaben für die Zukunft der Stadt war aber zweifellos D.s Plan für den Eisenbahnanschluss von Görlitz. Bereits 1841 ließ er Untersuchungen zum Verkehrsaufkommen auf den Handelsstraßen anstellen, um damit die Notwendigkeit einer solchen Verbindung nachzuweisen. Seine ausgezeichneten Beziehungen zum preußischen Hof und seine kluge Verhandlungsführung mit den Banken und Bahngesellschaften, aber auch die rege Aktienzeichnung der anfänglich sehr zurückhaltenden Görlitzer Bürger ließen dieses ingenieurtechnisch schwierige Projekt 1847 mit der Eröffnung des preußisch-sächsischen Doppelbahnhofs Realität werden. Am 1.6.1844 ernannte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen D. zum Oberbürgermeister. – D. hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Görlitz damals auf den Weg zu einer wirtschaftlichen Blüte geführt wurde und nicht in tiefe Bedeutungslosigkeit versank. Seine Leistungen haben weit über die Stadtmauern hinweg Anerkennung gefunden. So bezeichnete der Historiker Heinrich von Treitschke in seiner 1899 erschienenen „Deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert“ D. gemeinsam mit Friedrich August Carl von Kospoth, Oberbürgermeister von Breslau (poln. Wrocław), und Friedrich von Bärensprung, Oberbürgermeister von Berlin, als die bedeutendsten Kommunalpolitiker ihrer Zeit.



L  Die Enthüllung des Standbildes D.s in Görlitz, in: Neues Lausitzisches Magazin 39/1862, S. 547-550; Kulturgeschichtliches aus unserer Heimatstadt. Die Bürgermeister von Görlitz, in: Niederschlesische Heimatblätter 19.5.1929; H. Fietze, Görlitz. Herausragende Bürger unserer Heimatstadt aus der Zeit des 15. bis 20. Jahrhunderts, Görlitz 1996 (ND Görlitz 1997), S. 79-81. – DBA I, II.

P  A. Zimmermann, 1834, Öl auf Leinwand, Kulturhistorisches Museum Görlitz.



Andreas Bednarek
14.4.2010


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Bednarek, Demiani, Gottlob Ludwig, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

Wikipedia Link