Lange Johann Gotthelf
Oberforstverwalter
* 20.6.1796 Hirschfelde 25.9.1872 Zittau Zittau, Frauenfriedhof (Kirche Zur lieben Frauen)(ev.)
VJohann Carl Gottlieb (1765-1816), Kantor, Organist in HirschfeldeMCaroline Sophie, geb. Seibt (1769-1825)GJohann Carl August 1.1825 Christiane Juliane, geb. Förster († 1825) 2.1827 Christiane Helouise, geb. Arlt († 1864)S1T2
GND: 139742557





L. studierte Forst- und Jagdwissenschaften an der Herzoglich-Meiningschen Forstakademie zu Dreißigacker bei Meiningen. Nach dreijährigem Studium war er als fachlich und naturkundlich außerordentlich interessierter Revierjäger-Adjunkt im Forstrevier Lückendorf der Stadt Zittau tätig. Bereits 1826 bekam er das Amt des Kämmerei- und Forstverwalters der Stadt Zittau übertragen. 1833 wurde L. Oberforstverwalter der Kommunalforsten Zittaus. Zwischen 1826 und 1871 verwaltete L. als technischer Leiter die Wirtschaftsführung der Zittauer Kommunalwälder, den mit 4.275 Hektar größten Stadtwald im damaligen Sachsen. Zudem war er seit 1851 Stadtrat. L. kann mit Recht als einer der hervorragendsten Forstleute in der Oberlausitz während des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden. Unter seiner Betriebsführung wurde das erste moderne Forsteinrichtungs- und Reorganisationswerk im Nichtstaatswald der Oberlausitz in die Praxis umgesetzt. Dieses war zwischen 1829 und 1833 von der Königlich Sächsischen Forstvermessungsanstalt Tharandt unter Leitung von Heinrich und Wilhelm von Cotta geschaffen worden und zielte unter dem Aspekt marktbezogener Wirtschaftlichkeit auf steigende Holzerträge. Unter L.s Leitung konnte zwischen 1833 und 1841 gegen den Widerstand der holzberechtigten Bürgerschaft die vollständige Ablösung der feudalen Holzgerechtigkeiten im Stadtwald verwirklicht werden. Strikte Einhaltung der Holznutzungspläne und bevorzugte Nutzung der zuwachsschwächsten Bestände bildeten ebenso wie die durchgreifende Verbesserung des Kulturwesens und der Waldpflege wichtige Voraussetzungen für die erweiterte, nachhaltige Reproduktion des Waldes. Dem Wirken von L. sind die grundlegenden Elemente der Wald- und Reviereinteilung zu verdanken. Mit der Herstellung eines festen Waldeinteilungsnetzes im Stadtwald waren umfangreiche Maßnahmen zur Waldverbesserung durch Ausbau des Wegenetzes, Anlage von Entwässerungseinrichtungen und Brücken verbunden, die zur Hebung der Bodenfruchtbarkeit beitrugen. Unproduktiver Nieder- und Mittelwald wurde in großem Umfang in leistungsfähigen Fichtenhochwald umgewandelt. Das besondere Verdienst L.s war es, zwischen 1833 und 1852 die betriebswirtschaftlich-praktischen Grundlagen für eine auf Nachhaltigkeit gerichtete Forstwirtschaft im Zittauer Stadtwald geschaffen und bis zu seiner Pensionierung 1871 weiter zielstrebig ausgebaut zu haben. So konnte am Ende des 19. Jahrhunderts im Zittauer Stadtwald der sog. „Normalvorrat“, d.h. der standort- und baumartenbezogene Idealvorrat an produktiver Holzmasse in Verbindung mit einer normalen Altersklassenstruktur des Waldbestands als Basis für steigende Holzerträge und Wirtschaftlichkeit des kommunalen Forstbetriebes weitgehend erzielt werden. Diese höhere Qualität der Wirtschaftsführung mit dem Übergang zu einer erweiterten Reproduktion des Waldbestands wurde nicht durch eine Vergrößerung der Betriebsfläche erreicht, sondern allein durch Intensivierung der Nutzung. Unter L.s Betriebsführung konnte der Zittauer Stadtwald wirtschaftlich reorganisiert und zu einem marktorientierten und leistungsfähigen Forstbetrieb umgestaltet werden. Das Zittauer Beispiel trug mit dazu bei, dass sich das Cottaische Forsteinrichtungsverfahren (Forstvermessung, Zustandserfassung und Nachhaltigkeitsplanung) auch außerhalb des sächsischen Staatswaldes, insbesondere im Privat- und Körperschaftswald der Oberlausitz und ganz Sachsens, als Wirtschaftsgrundlage schließlich voll durchsetzen konnte. – In Anerkennung seiner Verdienste erhielt L. das Ehrenkreuz (Großkreuz) des sächsischen Zivilverdienstordens. Die Stadt Zittau verlieh ihm 1872 die Ehrenbürgerschaft.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Staatsfilialarchiv Bautzen, Forstakten Löbau; Stadtarchiv Zittau, Ratsakten; Ev.-luth. Pfarramt Hirschfelde; Ev.-luth. Pfarramt Zittau.

W  Notizen aus dem Zittauer Stadtwalde, in: Tharandter Forstliches Jahrbuch 1851, S. 199-202; Beschreibung von einigen schön gewachsenen und starken Lärchenbäumen in dem zum Kloster St. Marienthal gehörenden sog. Nonnenwalde, in der königlich sächsischen Oberlausitz ohnweit Zittau, in: ebd., S. 222-224.

L  W. Schindler, Aus der Wald- und Forstgeschichte des Zittauer Gebirges, in: Archiv für Forstwesen 15/1966, Nr. 9, S. 1173-1184; ders., Zur Würdigung Heinrich und Wilhelm Cottas - nach Stimmen ihrer Zeit, in: ebd. 17/1968, Nr. 1, S. 53-63; ders., Vor 150 Jahren: Erste Forsteinrichtung in der südlichen Oberlausitz, in: Beiträge für die Forstwirtschaft 21/1987, Nr. 1, S. 30-37; ders., Geschichte eines Gedenksteins am Hohlsteinweg im Zittauer Gebirge, in: Sächsische Gebirgsheimat 31/1990, Nr. 36; ders., Der Zittauer Forstmann Johann Gotthelf L., in: Oberlausitzer Heimatblätter 14/2007, S. 23-35.

P  Stadtrat L., um 1860, Stadtmuseum Zittau, Suchgruppe 320, Nr. 4792 (Bildquelle).



Walter Schindler
6.6.2007


Empfohlene Zitierweise:

Walter Schindler, Lange, Johann Gotthelf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (11.12.2017)

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