Flaschner (seit 1812 Flaschner von Ruhberg) Gotthelf Benjamin
Theologe, Schriftsteller, Komponist
* 21.12.1761 Oberullersdorf (poln. Kopaczów) 12.5.1836 Böhla bei Ortrand(ev.)
VGottlob Benjamin, Bäcker1795 Caroline Auguste Sophie, geb. von BergeSFriedrich August (1798-1832), KomponistTCaroline Mariane (* 1796)
GND: 1015409482

Über zwei Jahrzehnte war F. als Herausgeber des „Zittauischen topographisch-biographisch-historischen monatlichen Tagebuchs“ tätig, einer Zeitschrift, die Ende des 18. Jahrhunderts durch ihre Beiträge zur Oberlausitzer Regionalgeschichte eine große Leserschaft besaß. – Ab 1773 besuchte F. in Zittau das Gymnasium, später in Cottbus bis 1779 das Lyzeum. Danach studierte er bis 1787 in Leipzig Theologie. Nach seinem Studium arbeitete F. zwei Jahre in Dresden als Hauslehrer, ehe er 1789 zurück nach Zittau ging. In dieser Zeit begann F. seine Tätigkeit als Schriftsteller und widmete sich zusätzlich verstärkt der Musik. In den folgenden Jahren veröffentlichte er mehrere Sammlungen von Gesangs- und Klavierstücken. Ab 1789 gab F. gemeinschaftlich mit Jacob Friedrich Neumann das „Zittauische Tagebuch“ heraus. Diese über ein eigenes, weitläufiges Botennetz verteilte Zeitschrift berichtete auch über die Ereignisse und Ideen der Französischen Revolution. Sie diente daher den am Sächsischen Bauernaufstand 1790 beteiligten Bauern als eine wichtige Informationsquelle. Nach dem Tod von Neumann 1796 redigierte F. die Zeitschrift bis zu seinem Wegzug aus Zittau 1813 allein. Das weit verbreitete Blatt behielt jedoch auch unter F.s alleiniger Herausgeberschaft im Volksmund den Namen „Neumannsches Tagebuch“. F. publizierte darin zahlreiche eigene Abhandlungen, darunter Schriften über die Türkenkriege, die Französische Revolution und den französischen König Ludwig XVI. Zusätzlich veröffentlichte er in kleineren regionalen Magazinen auch einzelne Lieder sowie weitere Aufsätze. – F. ersuchte am 11.11.1811 bei König Friedrich August I. um seine Nobilitierung und wurde daraufhin mit dem Beinamen „von Ruhberg“ am 15.2.1812 in den Adelsstand des Königreichs Sachsen erhoben. Der gespaltene Wappenschild der Familie wurde von einer Lyra und einem Berg geziert. 1813 zog F. nach Bautzen (sorb. Budyšin), später nach Dresden. Schließlich kaufte er das Rittergut Böhla, wo er am 12.5.1836 nach längerer Krankheit starb.



W  (Hg., bis 1796 mit J. F. Neumann), Zittauisches topographisches-biographisch-historisches monatliches Tagebuch, Zittau 1789-1813; Zwanzig Lieder vermischten Inhalts für Klavier und Gesang, Zittau/Leipzig 1789; Neue Sammlung von Liedern fürs Klavier, Harmonika und Gesang, nebst vier Märchen, Zittau/Leipzig 1791; Oberlausitzer Adreß- Post- und Reise-Kalender, Zittau 1794, ²1800; (Hg.), Das blaue Büchlein, Zittau 1803ff.

L  G. Schneider, Zittauer Zeitschriften, in: Neues Lausitzisches Magazin 10/1832, S. 422-446; J. G. L. Dorst (Hg.), Allgemeines Wappenbuch enthaltend die Wappen aller Fürsten, Grafen, Barone, Edelleute, Städte, Stifter und Patrizier …, Bd. 1, Görlitz 1843, Tafel 118; W. v. Boetticher (Hg.), Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635-1815, Bd.1, Görlitz 1912, S. 372f.; S. Hoyer, Die Ideen der Französischen Revolution und der kursächsische Bauernaufstand 1790, in: NASG 65/1994, S. 61-75. – DBA I.



Hagen Schönrich
21.3.2012


Empfohlene Zitierweise:

Hagen Schönrich, Flaschner (seit 1812 Flaschner von Ruhberg), Gotthelf Benjamin, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.3.2017)

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