Schmiedel Gottfried
Musikkritiker, Publizist
* 24.8.1920 Schmiedeberg/ Erzgebirge 11.11.1987 Dresden Friedhof Dresden-Loschwitz

GND: 107394367


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Mit der Familie 1927 nach Dresden übergesiedelt, besuchte S. nach der Volksschule 1934 bis 1937 die „Freiherr von Fletschersche Aufbau- und Oberschule“ und studierte 1937 bis 1940 in der Kapellmeisterklasse des Konservatoriums. Nach kriegsbedingter Unterbrechung und Verwundung als Soldat kam er zunächst nach Stuttgart, setzte jedoch ab 1943 sein Studium in Dresden fort - nunmehr als Schulmusiker. Zu seinen Lehrern zählten u.a. Alfred Stier, Siegmund Wittig, Herbert Meißner und Hermann Werner Finke. Zwischen 1946 und 1956 wirkte S. jeweils kurzzeitig als Musiklehrer an der Kreuzschule, an der Musikakademie und am Konservatorium, um sich danach als freischaffender Publizist und Musikkritiker sowie mit populärwissenschaftlichen Schallplattenvorträgen über alle Gebiete der Musik eine neue Existenzgrundlage zu schaffen. Zeitlebens suchte er den Kontakt zur Jugend, war es ihm doch gegeben, junge Menschen musikalisch und literarisch zu prägen. Die Verbindungen zwischen den Künsten aufzuzeigen, war ihm allezeit ein Bedürfnis, gleichermaßen die Förderung des Verständnisses für die zeitgenössische Kunst, insbesondere die Gegenwartsmusik. Dabei handelte er nach Leonard Bernsteins Maxime, dass zwischen E- und U-Musik keine Trennung besteht, dass es vielmehr nur gute und schlechte Musik gibt. Entsprechend galt S.s Aufmerksamkeit der Klassik ebenso wie dem Jazz, dem Musical, etwas später auch dem Rock oder Beat, wie er zunächst tituliert wurde. Unermüdlich warb er für das Neue und Unbekannte, moderierte zeitweilig Konzerte des Kreuzorganisten Herbert Collum, schrieb Programmeinführungen für die „Stunde der Musik“ und die Philharmonie und betreute hier eine Zeit lang auch deren Einführungsvorträge. Außerdem gestaltete S. Rundfunksendungen, dozierte in der Volkshochschule, initiierte Kammermusikreihen in Dresden (beispielsweise in jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit dem Ulbrich-Quartett) und reiste mit Musikern von Staatskapelle und Philharmonie wie mit Günter Hörigs Tanzsinfonikern durch die Lande, im wahrsten Sinne kulturelle Pionierarbeit leistend. In der von Kurt Masur begründeten Veranstaltungsreihe „Begegnung im Gewandhaus“ Leipzig gehörte er zu den angesehensten Referenten. – Mit seinen niveauvollen Musikkritiken in verschiedenen Tageszeitungen, insbesondere im „Sächsischen Tageblatt“, und nicht zuletzt mit seiner resonanzreichen Vortragstätigkeit hat sich S. bleibende Verdienste um die Dresdner Musikkultur erworben. Nachdem er seit Mitte der 1970er-Jahre die Möglichkeit erhielt, zunehmend als Buchautor hervorzutreten, zog er sich mehr und mehr vom Tagesjournalismus zurück. Die ganz eigene Atmosphäre seiner letzten Wohnung in Dresden-Loschwitz wie auch seine originelle Persönlichkeit hat Martin Walser in seinem Roman „Die Verteidigung der Kindheit“ (1991) in bestimmten Zügen beschrieben und ihm damit ein literarisches Denkmal gesetzt.



W  Munteres Handbüchlein für den Chorleiter, Halle 1953; mit H. Jäckel, Bildnis des schaffenden Künstlers. Ein Dirigent [Rudolf Kempe] bei der Arbeit, Leipzig 1954; Peter Schreier für Sie porträtiert, Leipzig 1978; Peter Schreier. Eine Bildbiographie, Berlin 1979; Der Dresdner Kreuzchor für Sie porträtiert, Leipzig 1979; Benjamin Britten für Sie porträtiert, Leipzig 1983; Die Beatles. Ihr Leben und ihre Lieder, Leipzig 1985.

L  B. Gürtler, Dresden ein Leben lang verbunden, in: Die Union 23.8.1985; H. W. Finke, Gottfried S. gestorben, in: Sächsische Neueste Nachrichten 18.11.1987; E. Schwinger, Fürsprecher der neuen Musik, in: Neue Zeit 18.11.1987; C. Dittmann, Ein Reisender in Sachen Musik, in: Die Union 21./22.11.1987; D. Zumpe, Gottfried S. zum Gedenken, in: Sächsisches Tageblatt 25.11.1987; U. Zimmermann, Seine Spuren bleiben, in: Sächsisches Tageblatt 16.12.1987; W. Steude, Ein Reisender in Sachen Musik, in: Elbhangkurier 11/1997, S. 8; D. Härtwig, Ein Dresdner Original, in: Dresdner Neueste Nachrichten 11.11.1997; A. Körner, Ist es nur der Name? Persönliche Erinnerungen an Gottfried S., in: Sächsische Neueste Nachrichten 11.11.1997; Künstler am Dresdner Elbhang I, hrsg. vom Ortsverein Loschwitz-Wachwitz, Dresden 1999, S. 147; A. Körner, Pionier der Konzertansage und Kritiker mit Prinzipien, in: Sächsische Neueste Nachrichten 13.10.2000. – H. Seeger, Musiklexikon, Leipzig 1981, S. 707.

P  Fotografie, Gewandhaus zu Leipzig, Archiv (Bildquelle).



Dieter Härtwig
1.12.2008


Empfohlene Zitierweise:

Dieter Härtwig, Schmiedel, Gottfried, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.9.2017)

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