Richter Kurt Gerhard
Bibliothekar, Leiter der Dresdner Fahrbibliothek
* 19.3.1898 Freiberg 26.12.1966 Dresden Dresden, Trinitatisfriedhof(ev.)
VKurt Alexander (1867-1937), Sanitätsrat, Leiter des Freiberger StadtkrankenhausesMMartha Marie, geb. Wolf (1870-1945)GMarie Katharine (* 1900)1939 Dora Lucie, geb. Treuner († 1975)
GND: 143004743

R. war der erste Leiter der Dresdner Fahrbibliothek. – R., aus einer wohlhabenden Freiberger Arztfamilie stammend, studierte nach dem Schulbesuch Deutsch, Geschichte, Französisch und Latein. 1917/18 nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Im Herbst 1924 legte er erfolgreich sein Staatsexamen ab und absolvierte seit dem 1.4.1925 an der Städtischen Bücherei und Lesehalle Dresden ein Volontariat. Als Studienreferendar leitete er hier ab April 1927 den neu eingerichteten Unterrichtskurs „Ausländische Schöne Literatur der neueren Zeit“. Schließlich wurde er am 1.2.1928 an der Städtischen Bücherei und Lesehalle Dresden als Hilfsbibliothekar angestellt. In dieser Eigenschaft bearbeitete R. das Referat „Schöne Literatur und Literaturwissenschaften“ und die Buchabteilung F (fremde Sprachen). Er beteiligte sich am Unterricht für den bibliothekarischen Nachwuchs (außerdeutsche Literaturen) sowie an den wöchentlichen Buchbesprechungen. Am 1.4.1937 wurde ihm die Dienstbezeichnung Stadtbibliothekar verliehen. Einen Monat später trat R. der NSDAP bei. – Die Dresdner Stadtverordnetenversammlung beschloss am 12.12.1927 einstimmig die Einführung einer Fahrbücherei, um aus Kostengründen mehrere kleine Stadtteilbibliotheken einsparen zu können. Im September 1929 übergab schließlich der Rat der Stadt Dresden der Städtischen Bücherei das aus einem gebrauchten Kraftwagen umgebaute Fahrzeug. Dresden zählte damit zu den ersten deutschen Städten, die eine Fahrbibliothek einrichteten. Als deren Leiter wurde R. eingesetzt. Insgesamt verfügte die Fahrbücherei über vier Bibliothekare, eine technische Kraft und einen Fahrer. Am 30.8.1939 stellte die Fahrbibliothek ihren Betrieb ein, der Bibliotheksbus wurde während des Kriegs zu einem Sanitätswagen umgebaut. – Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm am 21.8.1950 erneut eine Fahrbücherei in Dresden ihren Dienst auf. R. war in dieser unter der Leitung von Helga Pietsch sowie in einer weiteren, am 13.2.1952 eröffneten Fahrbibliothek bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst am 1.3.1965 als Bibliothekar tätig.



Q  Bundesarchiv Berlin, NSDAP-Gaukartei; Städtische Bibliotheken Dresden, Bibliotheksarchiv, Chronik der Fahrbücherei Dresden; Auskunft Stadtarchiv Freiberg; Stadtarchiv Dresden, Städtische Bücherei und Lesehalle Dresden, Bibliothekarische Fachschule bei der Städtischen Bücherei und Lesehalle, Bücherei - Verschiedenes von 1933 bis 1938.

W  mit H. Töpfer, Die Fahrbüchereien Dresdens, in: Der Bibliothekar 9/1955, H. 10, S. 598-603.

L  Die Verwaltung der Stadt Dresden 1928, hrsg. vom Statistischen Amt der Stadt Dresden, Dresden 1929, S. 125; Jahrbuch der Deutschen Bibliotheken 25/1934, S. 53, 244; Handbuch der Deutschen Volksbüchereien 5/1935, S. 92; R. Böhme, Fünfzig Jahre Dresdner Fahrbibliotheken, in: Der Bibliothekar 4/1980, H. 1, S. 18-21; A. Goetz, Die Dresdner Fahrbibliothek, Diplomarbeit Leipzig 1995 [Ms.] (P); Stadttore zur Medienwelt, hrsg. von den Städtischen Bibliotheken Dresden, Altenburg 2006 (P).



Andreas Peschel
9.11.2010


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Peschel, Richter, Kurt Gerhard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.6.2017)

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