Berbisdorf Georg Wilhelm von
Feldmarschall, Heerführer, Kriegsrat
* 20.4.1538 Niederlauterstein 20.6.1596 Schweikershain Schweikershain, Kirche(ev.)
VWolf († 1547), HeerführerMCatharina, geb. von der Oelsnitz († 1549)GSalome; Anna († 1596); Hiob († 1597); Wolf Sittich († 1595); Sebastian 1.Catharina, geb. von Bünau († 1577)SAlexander († 1599)TCatharina, verh. von Güntherode 2.1586 Salome, geb. von GüntherodeSWolf Albrecht († 1612); George Wilhelm († 1612)TCatharina Salome, verh. von Milckau; Elisabeth, verh. von Brand
GND: 136119344





B. gehörte am Ende des 16. Jahrhunderts zu den einflussreichsten sächsischen Militärs. 1591 wurde B. französischer Feldmarschall, um dann fünf Jahre später zum Feldmarschall der kursächsischen Hilfstruppen auf dem ungarischen Kriegsschauplatz ernannt zu werden. – Bereits in jungen Jahren wählte B. - wie bereits sein Vater - das Kriegshandwerk zu seinem Beruf. Als gemeiner Soldat nahm er fünfzehnjährig auf der Seite von Kurfürst Moritz an der Schlacht bei Sievershausen (1553) teil. 1555 bis 1559 beteiligte er sich an mehreren Feldzügen in Italien und 1562 unter dem Kommando seines Landsmanns Caspar von Schönberg am Hugenottenkrieg. B., mittlerweile zum Fähnrich aufgestiegen, zog 1565 gegen die Türken in Ungarn zu Feld. Wenig später trat er als Leutnant in kursächsische Dienste und war 1567 Zeuge der Belagerung von Gotha im Zuge der Grumbachschen Händel. 1568 beteiligte er sich unter dem Grafen Albrecht von Barby an Unternehmungen in den Niederlanden, um im nächsten Jahr unter dem Befehl des Pfalzgrafen Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken wiederum den Hugenotten in Frankreich zu Hilfe zu eilen. 1575 zog es B. wiederum nach Frankreich, diesmal auf Gesuch des Pfalzgrafen Johann Kasimir von Pfalz-Simmern. Drei Jahre später begleitete er den Pfalzgrafen in die Niederlande und wurde am 10.2.1578 vor Eindhoven gefangen genommen, nachdem seine Einheit fast vollständig aufgerieben worden war. Auf Vermittlung des Herzogs Franz I. von Sachsen-Lauenburg und Otto von Platens wurde er gegen ein Lösegeld von 500 Kronen freigelassen. 1586 diente er Heinrich von Navarra, dem späteren König von Frankreich, wiederum im Hugenottenkonflikt. Dort ereilte ihn die Gefangennahme durch Herzog Heinrich I. von Guise. Die Freilassung gelang durch die Fürsprachen Schönbergs und des Herzogs von Maine. Im folgenden Jahr geriet er wieder in Gefangenschaft und wieder war es Schönberg, der ihn befreite. Allerdings musste B. 1.200 Kronen Lösegeld dafür aufbringen. 1591 diente er unter Fürst Christian I. von Anhalt-Bernburg. Es folgten die Beförderungen zum Oberst und zum französischen Feldmarschall in Diensten der Hugenotten. Vom Administrator Kursachsens, Herzog Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar, wurde B. zum Kriegsrat bestellt. Es folgten ein Feldzug in Ungarn und 1596 die Ernennung zum Feldmarschall der kursächsischen Truppen auf dem ungarischen Kriegsschauplatz. B. starb, nachdem er an 19 Feldzügen teilgenommen hatte, auf seinem Rittergut in Schweikershain bei Rochlitz, wo er in der dortigen Kirche begraben wurde. – Unklar in der Biografie von B. ist, welchen Kriegsparteien er - besonders in den Feldzügen in Italien und den Niederlanden - angehörte. Seinerzeit war es eher üblich, seine Dienste demjenigen anzubieten, bei dem die Voraussicht auf Kriegsbeute bzw. den Sieg am größten war. Konfessionelle Gründe konnten dabei recht schnell zur Nebensache werden. Dasselbe Problem tritt bei den Beförderungen B.s auf. Zur Zeit der Söldnerheere war nicht zwingend die militärische Leistung für eine Rangerhöhung ausschlaggebend. Wer über große finanzielle Möglichkeiten verfügte, konnte sich leicht ein eigenes Heer rekrutieren und dem Fürsten zur Verfügung stellen, bei dem die Erfolgschancen am größten schienen.



L  V. König, Genealogisch-Historische Beschreibung, nebst denen Stamm- und Ahnen-Tafeln des uhralten Adelichen Geschlechts d. v. Berbisdorf, Leipzig 1715, S. 9-11. – ADB 2, S. 350; DBA I.



Ronny Wiedermann
14.8.2012


Empfohlene Zitierweise:

Ronny Wiedermann, Berbisdorf, Georg Wilhelm von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.11.2017)

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