Rauth (Raut, Rhaut, Raute, Rauten, Rauta, Raudt, Ruta, Rawten) Georg
Dominikanermönch, Prediger, Superintendent in Plauen, Exekutor, Visitator
* um 1495 Gera 10.4.1547 Plauen [Plauen](kath., später ev.)
VJohann, reußischer Landrichter in GeraMChristine (Christina)1537 Katharina, geb. HempelSGeorg (1537/38-1602/12), Superintendent, Pfarrer; Joseph, Pfarrer; Michael (1542-1620), Stadtrichter in Zeitz
GND: 132149923





Als evangelischer Prediger und Superintendent erlangte R. maßgebliche Bedeutung bei der Einführung und Durchsetzung der Reformation im ernestinischen Plauen, aber auch in der näheren Umgebung. Er war darüber hinaus im Auftrag des Kurfürsten Johann Friedrich (der Großmütige) als Exekutor und Visitator in der Herrschaft Lobenstein sowie den Städten Greiz, Schleiz und Gera tätig. R. spielte somit im gesamten Vogtland eine entscheidende Rolle für die reformatorische Bewegung. – Im Sommersemester 1515 immatrikulierte sich R. an der Universität Leipzig. Am 18.9.1518 wurde er in Merseburg zum Priester geweiht. In dieser Zeitspanne erfolgte auch sein Eintritt in den Dominikanerorden: Während die Universitätsmatrikel 1515 noch keine Zugehörigkeit zu einem Orden registrierte, wurde R. bei seiner Priesterweihe als Bruder des Konvents der Dominikaner in Plauen bezeichnet. Beeinflusst durch die sich ausbreitende reformatorische Bewegung hatte R. den Mönchsstand schon 1523 verlassen, wie aus einem Brief vom 2.4.1523 an den Zwickauer Stadtschreiber und Rektor der dortigen Lateinschule Stephan Roth hervorgeht. Der Brief ist zugleich das erste schriftliche Zeugnis über das Eindringen und die Präsenz der Reformation in Plauen. Neben Roth stand R. auch mit Martin Luther in brieflichem Kontakt, doch hat sich nur ein Antwortschreiben Luthers vom 1.3.1524 erhalten. In dieser Mitteilung riet er R., Plauen zu verlassen, falls er gezwungen sei, die Messen und Zeremonien nach der altgläubigen Ordnung zu vollziehen. Er solle nur bleiben, insofern er sicher leben könne und in keinen Gewissenskonflikt gerate. Vermutlich hatte sich R. also hinsichtlich aufgetretener Probleme bei der Durchsetzung der Reformation in Plauen an Luther gewandt. R. verließ in der Folgezeit die Stadt, wo sich bis zum Ende des Jahres die Reformation weitestgehend durchsetzte, nicht. Am 30.11.1524 wies Herzog Johann (der Beständige) den Schösser Peter Wenigel und den Rat der Stadt an, den in der Plauener Bevölkerung beliebten R. als evangelischen Prediger anzustellen. Seit 1524/25 übte R. das Amt des Predigers und Archidiakons in Plauen aus. – Im Zuge der Ausbreitung der Reformation stürmten am 2.5.1525 die Bürger der Stadt Plauen das Dominikanerkloster. Maßgeblich soll dies auf den Schösser Wenigel zurückgegangen sein. Wiederholt findet sich in der Literatur allerdings die Auffassung, dass auch R. das gewaltsame Eindringen in das Kloster geduldet, vielleicht sogar befördert habe. Eine gesicherte Aussage kann diesbezüglich aber nicht getroffen werden. – Während der Visitation Plauens, zuerst am 22.2.1529 und folgend am 4.4.1533, wurde R. als gelehrter, frommer Mann beschrieben. Die Kommission der zweiten Kirchenvisitation bestimmte R. daher zum Obersuperintendenten, sodass sich sein Wirkungskreis jetzt auf das gesamte Vogtland erstreckte. R. soll gleichfalls entscheidend an der Abfassung einer neuen Kirchen- und Schulordnung für die Stadt Plauen beteiligt gewesen sein. Als 1537 die Plauener Klosteranlagen zu Wohnungen umfunktioniert wurden, erhielt R. infolge einer kurfürstlichen Anweisung gemeinsam mit dem Superintendenten Georg Eulner das Kapitelhaus, das neue Refektorium samt Kreuzgang, den darunter liegenden Keller sowie den sich anschließenden Garten als Eigentum übertragen. Nach dem Tod Eulners 1538 erhielt R. auch die Superintendentur der Stadt Plauen. In dieser Funktion kümmerte er sich u.a. um die Neubesetzung von Pfarreien, den Unterhalt der Pfarrer oder auch um Streitigkeiten bei der Aneignung von Pfarrgrundstücken. Als Superintendent unterstütze R. somit maßgeblich die Festigung und Etablierung der neuen evangelischen Kirche in Plauen und Umgebung. Bereits 1535 war R. zum Exekutor für die reußischen Lande ernannt worden. Zusammen mit Christoph von der Planitz sollte er in diesem Amt die Einführung und Durchsetzung der Reformation in Greiz, Schleiz und Gera überwachen. Im Juli 1543 wandte er sich an Kurfürst Johann Friedrich, um ihn auf die altgläubigen Kirchenverhältnisse in der Herrschaft Lobenstein aufmerksam zu machen. Noch im selben Monat wurde R. als Visitator eingesetzt. Am 20.9.1543 war er in Lobenstein und visitierte gemeinsam mit der übrigen Kommission die Herrschaft. – Über R.s Tod am 10.4.1547 wird in der Leichenpredigt für seinen jüngsten Sohn rückblickend berichtet, dass R. beim Einzug Kaiser Karls V. in die Stadt Plauen während der Predigt von der Kanzel gefallen und einige Tage später verstorben sei. – R. verfasste während seiner Tätigkeit als evangelischer Prediger mehrere theologische Schriften. Schon 1525 erschienen seine „Sybenzehen Haubt artickel“, eine Art Katechismus, mit dem er den Bürgern der Stadt Plauen in lutherischem Sinne die Bibel näherbringen und erläutern wollte. Zwei weitere Texte wurden von seinem Sohn Georg posthum herausgegeben.



Q  Excerpta Saxonica, Misnica & Thuringica ex Monachi Pirnensis, seu, vero nomine, Joannis Lindneri sive Tiliani Onomastico vernaculo autographo, in: Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum …, hrsg. von J. B. Mencke, Bd. II, Leipzig 1728, Sp. 1594-1596; J. Müller, Die Protokolle der Kirchenvisitationen in den Ämtern Vogtsberg und Plauen vom 15. Febr.-6. März 1529 und vom 23. März-13. April 1533 beziehentlich in Elsterberg vom 19.-20. Sept. 1533, in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i.V. 6/1886/87, S. I-XCV; Codex diplomaticus Saxoniae Regiae, II. Hauptteil, Bd. 16: Die Matrikel der Universität Leipzig, hrsg. von G. Erler, Bd. 1, Leipzig 1895; G. Buchwald, Die Matrikel des Hochstifts Merseburg, Weimar 1926; Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Ernestinisches Gesamtarchiv, Reg. Ii (Kirchen- und Schulvisitation, Bewidmung); Stadtarchiv Zwickau, Briefsammlung Roth, Sign. 174; Stadtarchiv Plauen.

W  Die Sybenzehen Haubt artickel der gantzen schrifft, aym yeden Christlichen Menschenn seer tröstlich zue wissen, Wittenberg 1525 (ND Augsburg 1526); Ein kurtz unnd doch sehr nöttig unnd nützlich Gespräch eines Pfarrers mit seinem Pfarr oder Kirchkind, von dem hayligen Sacrament, Augsburg 1559; Der vier Euangelisten Warhaffte eigentliche und kurtze Beschreibung, Frankfurt/Main 1579. – VD 16.

L  J. P. Oettel, Zuverlässige Historie aller Herren Pastoren und Superintendenten der Creyss-Stadt Plauen, Schneeberg 1747; F. Hahn, Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung, Bd. 1, Gera 1855; F. Bülau, Die lutherische Geistlichkeit Sachsens vom sechszehnten bis ins achtzehnte Jahrhundert, Leipzig 1874; C. A. H. Burkhardt, Geschichte der sächsischen Kirchen und Schulvisitationen von 1524 bis 1545, Leipzig 1879; J. Vogel, Geschichte des Deutschen Ordenshauses zu Plauen i.V., in: Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i.V. 7/1888/89, S. 35-75; W. Fischer, Ungedruckte Plauen betreffende Urkunden aus dem Stadtarchive zu Eger, in: ebd. 15/1901/02, S. 9-16; ders., Zwei Urkunden betreffend Georg Raute, in: ebd., S. 21-24; O. Clemen, Beiträge zur Reformationsgeschichte aus Büchern und Handschriften der Zwickauer Ratsschulbibliothek, Bd. 3, Berlin 1903; W. Fischer, Das Regelhaus der Sammlung der Schwestern der dritten Regel zur Buße des h. Dominikus und die Beteiligung des Rates an der Säkularisierung des Klosters zu Plauen, in: Vogtländische Forschungen, hrsg. vom Königlich Sächsischen Altertumsverein, Dresden 1904, S. 81-124; R. Jauernig, Die Einführung der Reformation in den Reußischen Landen, Gotha 1933; S. Brunner/W. Pohl, Neue Quellen über den Beginn der Reformation in Plauen, in: Mitteilungen des Vereins für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde 45/1993, S. 31-39; W. Bachmann, Das alte Plauen, Plauen 1994; M. Voigt, Die Inschriften der Stadt Zeitz, Berlin 2001; M. Goll, Die Einführung der Reformation in Plauen, Plauen 2003. – DBA I.; R. Grünberg, Sächsisches Pfarrerbuch, Bd. 1, Freiberg 1939/40, S. 514f., Bd. 2/2, Freiberg 1940, S. 717.



Christian Ranacher
16.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Christian Ranacher, Rauth (Raut, Rhaut, Raute, Rauten, Rauta, Raudt, Ruta, Rawten), Georg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.11.2017)

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