Heyde Georg Moritz
Stenograf, Direktor des Königlichen Stenographischen Instituts Dresden, Bibliothekar
* 22.1.1810 Friedrichstadt bei Dresden 20.7.1886 Dresden 23.7.1886 Dresden, Innerer Matthäusfriedhof(ev.)
VJohann Georg Heede, genannt Heyde, reichsgräflicher Bettmeister in DresdenMEva Juliane, geb. Poschatzky.
GND: 137566778

H. gilt als hervorragender Praktiker und Theoretiker der Stenografie, der in den Anfangsjahren seines Berufslebens und zwischen den jeweiligen Landtagen auch bibliothekarisch tätig war. – H. besuchte 1823 bis 1830 die Kreuzschule in Dresden. Anschließend studierte er in Leipzig Theologie und Philologie. Dort promovierte er 1833 bei Gottfried Hermann über das Thema „De epigrammatis quibusdam Graecis dissertatio“. Im gleichen Jahr legte er das theologische Examen pro concionandi ab. Er wandte sich ab 1838 der Stenografie zu, nachdem er 1835 in Dresden das entsprechende Kandidatenexamen bestanden hatte. Er gehörte zu den frühesten Schülern Franz Jakob Wigards, des ersten sächsischen Landtagsstenografen, und war bereits 1839/40 und 1842/43 als Hilfsstenograf beim Sächsischen Landtag tätig. Nebenher arbeitete H. 1839 bis 1849 an der Königlichen öffentlichen Bibliothek Dresden, deren Bestand er zusammen mit Ernst Gustav Vogel in Realkatalogen erfasste. 1846 bis 1848 stenografierte H. außerdem u.a. bei den Verhandlungen der Dresdner Stadtverordneten für das Dresdner Tageblatt und 1848/49 bei den Verhandlungen der „Arbeitercommission zu Dresden“. 1850 wurde er zum „Stenographen 1. Klasse“ berufen und erhielt damit eine Festanstellung am Königlichen Stenographischen Institut Dresden (KSI), was aber nicht bedeutete, dass er ausschließlich für das sächsische Parlament tätig gewesen wäre. So wurde er z.B. 1856 beauftragt, die Reden der deutschsprachigen Abgeordneten beim Dänischen Reichsrat in Kopenhagen und 1859 die Verhandlungen zur Begründung der Deutschen Schillerstiftung zu stenografieren. 1857 verlieh ihm König Johann von Sachsen den Titel eines „Professors der Stenographie“. H. war außerdem Ritter des Königlichen Sächsischen Albrechtsordens 1. Klasse und Ehrendoktor der Philosophie der Universität Leipzig. – Mit der Leitung des KSI wurde H. am 1.1.1866 betraut, nachdem der bisherige Vorstand, Geheimrat Hugo Häpe, zum Staatskommissär für die Angelegenheiten des Instituts berufen worden war. Unter H.s Direktorat kam es zu einer erheblichen Ausdehnung der Geschäftbereiche des Instituts. So wurden Stenografen aus Dresden u.a. mehrfach zum Norddeutschen Bund bzw. zum Deutschen Reichstag delegiert. Durch entsprechende Denkschriften beförderte das Institut zudem die Aufnahme der Stenografie in die neue Sächsische Prozessordnung, namentlich in das Gesetz über die Geschworenengerichte. Auch die Etablierung des unentgeltlichen Stenografieunterrichts an sächsischen Gymnasien, Realschulen und Schullehrer-Seminaren sowie die Einrichtung einer Kommission für die Ablegung der Befähigungsprüfung als Stenografielehrer fallen in H.s Amtszeit. Am 1.10.1878 schied H. aus dem Staatsdienst aus. Bei seiner Pensionierung wurde er in Anerkennung der Verdienste, die er sich um die Förderung der Stenografie nach dem System Franz Xaver Gabelsbergers erworben hatte, vom sächsischen Innenministerium zum Ehrenmitglied des KSI ernannt. – Neben seiner vielfältigen Berufstätigkeit wirkte H. auch publizistisch. Er veröffentlichte verschiedene Lehr- und Fachbücher sowie zahlreiche Aufsätze in Zeitschriften und war maßgeblich an der 1857 vollendeten Revision des Systems Gabelsberger („Dresdner Beschlüsse“) beteiligt. 1854/55 redigierte H. die Zeitschrift „Stenographische Mitteilungen“ und ab 1856 führte er als Schriftleiter das „Correspondenzblatt des Königl. Stenographischen Instituts zu Dresden“, für das er auch autografierte und Aufsätze verfasste. 1870/71 gab er zusammen mit Heinrich Krieg die „Stenographische Militair-Zeitung“ heraus. – H. war zudem nicht nur bedeutender stenografischer Praktiker, Theoretiker und Fachautor, sondern auch ein herausragender Lehrer. Ab 1850 unterrichtete er am KSI. Außerhalb Dresdens betätigte er sich als sog. Wanderlehrer sowie als Vereinsgründer und Organisationsleiter, u.a. in Hannover, Braunschweig und Pirna. Die in der Folge seiner Unterrichtstätigkeit entstandenen Gabelsberger-Vereine dieser Städte sind als Gründungen H.s anzusehen. – H.s Ehe blieb kinderlos. Seine Ehefrau starb 1883.



Q  Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Stenographische Sammlung.

W  mit K. E. F. Krause/H. F. Steinmann, Lehrbuch der Gabelsberger’schen Stenographie, Dresden 1853; mit K. E. F. Krause, Lesebuch zum Lehrbuch der Gabelsberger’schen Stenographie, Dresden 1854; mit J. W. Zeibig, Stenographenlieder, H. 1/2, Dresden 1858, ²1863, H. 3/4, Dresden 1863; mit dems., Praktischer Kursus zum Selbstunterricht in der Stenographie (System Gabelsberger), Reudnitz b. Leipzig 1885.

L  A. Schöttner, Festschrift zur 50jährigen Jubel-Feier des Königl. stenographischen Instituts zu Dresden am 5. October 1889, Dresden 1889, S. 70-73; A. Näther, Stoffregister zur Ausarbeitung von Vorträgen und Abhandlungen stenographischen Inhalts, Bd. 1, Dresden 1890, S. 10f. (WV); K. Heck, Geschichte der Schule „Gabelsberger“, Teil 2, Wolfenbüttel 1902, S. 88-90; M. Thiem, Prof. Dr. Georg Moritz H., in: Leipziger Germanen-Zeitung, 33/2009/10, S. 44-46. – ADB 50, S. 296f.; DBA I, II, III; DBE 5, S. 16; W. Haan, Sächsisches Schriftsteller-Lexicon, Leipzig 1875, S. 130f.; K. Bader, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925, S. 106; R. Bonnet, Männer der Kurzschrift, Darmstadt 1935, S. 83f.

P  Georg Moritz H., R. Eich, um 1870, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Rosemarie Hänsel
15.2.2011


Empfohlene Zitierweise:

Rosemarie Hänsel, Heyde, Georg Moritz, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.3.2017)

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