Bose Georg Matthias
Mathematiker, Naturforscher
* 22.9.1710 Leipzig 17.9.1761 Magdeburg
VGeorg Heinrich (1682-1731), Kaufmann in LeipzigMEve Sibylle († 1741), geb. BachmaierGErnst Heinrich (1707-1747), Jurist; Christiana Sibylla (1711-1749); Sophia Carolina (1713-1745); Anna Regina (1716-1750); Susanna Elisabeth (1718-1745); Benedicta Maria (* 1720); Georg Heinrich (1723-1756), Jurist; Christian Gottlob (1726-1789), Juristgeb. CarpzovSAdolph Julian (1741-1770), Professor für Medizin
GND: 117621757

B. gehörte um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu den wichtigsten Naturforschern, die sich der Erforschung und Popularisierung elektrischer Phänomene widmeten. Auf ihn gehen Verbesserungen der zeitgenössischen Elektrisiermaschinen sowie eine Vielzahl publikumswirksamer Experimente zurück. – B. studierte zunächst Naturkunde, Medizin und Mathematik an der Universität Leipzig und erlangte 1727 den Magistergrad. Anschließend wurde er Assessor an der Leipziger Philosophischen Fakultät. Seine Vorlesungen behandelten mathematische und physikalische Themen, zu denen auch die Elektrizität gehörte. 1738 wechselte B. als Professor für Physik nach Wittenberg, wo er bis in die Zeit des Siebenjährigen Kriegs lebte. – Er wurde v.a. durch seine elektrischen Forschungen bekannt, zu denen er durch die Arbeiten des Duisburger Mathematik- und Philosophieprofessors Johann Jacob Schilling angeregt worden war. Seine Elektrisiermaschine basierte auf der Konstruktion Francis Hauksbees, die er jedoch modifizierte. Noch vor der Entdeckung des Prinzips der Leydener Flasche durch Ewald Georg von Kleist und Pieter van Muschenbroeck 1745 bzw. 1746 fand B. in der Verwendung des Konduktors eine Möglichkeit, größere elektrische Ladungen zu speichern und elektrische Schläge zu verstärken. Die Speicherkapazität hing dabei von der Größe und Bauweise des Konduktors ab. Seine teils scherzhaften elektrischen Vorführungen demonstrierte B. nicht ausschließlich im universitären Kontext. Zu seinen Zuschauern gehörte etwa auch Markgräfin Wilhelmine von Ansbach und Bayreuth, die Schwester König Friedrichs II. von Preußen. Neben der Entzündung von Schießpulver mittels eines elektrischen Funkens zählte die sog. „Beatifikation“ ebenso zu seinen Experimenten wie die „elektrisierte Venus“. Bei der „Beatifikation“, die viele Nachahmer fand, wurde an der Versuchsperson durch die Elektrisierung eines speziellen Kopfaufsatzes ein „Heiligenschein“ erzeugt. Bei der „elektrisierten Venus“ handelte es sich um eine elektrisierte Frau, deren Küsse elektrische Schläge austeilten. Außer zur Elektrizitätsforschung arbeitete B. auch zu astronomischen Themen wie der Sonnen- und Mondfinsternis. – Mit Gelehrten seiner Zeit stand B. in vielfältigem Kontakt, so auch mit dem Mathematiker Leonard Euler und dem Physiologen Albrecht von Haller. Wegen seiner Korrespondenz mit dem päpstlichen Hof Benedikts XIV. geriet er in Auseinandersetzungen mit der Theologischen Fakultät in Wittenberg. B. war auch Mitglied der Akademie von Bologna und der Wissenschaftlichen Societät Greifswald. – Bei der im Siebenjährigen Krieg am 13.10.1760 erfolgten Bombardierung Wittenbergs verlor er seinen gesamten Besitz. Von den Preußen als Geisel nach Magdeburg geführt, starb er dort 1761.



W  De obstreticum erroribus a Medico forensi pervestigandis, Leipzig 1729; De ecclipsi terrae, Leipzig 1733; De sympathia attractioni, Wittenberg 1736; De attractione de electricitate, Wittenberg 1738; Die Elektrizität nach ihrer Entdeckung und Fortgang mit poetischer Feder entworfen, Wittenberg 1742; Transitus Mercurii sub sole, Leipzig 1744; De Electricitate inflammante et beatificante, Wittenberg 1744; Tentamina electrica, Wittenberg 1744; Observatio Eclipsios solaris et lunaris partialis, Wittenberg 1748; Observatio Eclipsios lunaris totalis, Wittenberg 1750; Observationes Astronomicae, Leipzig 1753.

L  J. Priestley, The History and Present State of Electricity, London 1767; J. G. Krünitz, Verzeichnis der vornehmsten Schriften von der Elektrizität, Leipzig 1769; J. L. Heilbron, Electricity in the 17th and 18th Centuries, Berkeley u.a. 1979; O. Hochadel, Öffentliche Wissenschaft, Göttingen 2003, S. 44-53; Bachs Nachbarn. Die Familie Bose, Ausstellungskatalog, hrsg. vom Bach-Archiv Leipzig, Leipzig 2005; A. von Haller (1708-1777), http://www.haller.unibe.ch/index.html; The Euler archive, http://www.eulerarchive.org/. – ADB 3, S. 186; DBA I, II, III; DBE 2, S. 42; J. H. Zedler, Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Supplementbd. 4, Halle u.a. 1754, Sp. 282-284, Online-Ausgabe: www.zedler-lexikon.de; J. S. Ersch/J. G. Gruber (Hg.), Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, T. 1, Bd. 12, Leipzig 1824, S. 67; C. C. Gillespie (Hg.), Dictionary of Scientific Biography, Bd. 2, New York 1970, S. 324f.



Martin Schneider
14.8.2008


Empfohlene Zitierweise:

Martin Schneider, Bose, Georg Matthias, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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