Marx Frommherz Lobegott
Architekt, königlich sächsischer Landbaumeister
* 23.5.1810 Plauen bei Dresden 6.11.1863 Dresden 9.11.1863 Dresden, Alter Annenfriedhof(ev.)
VJohann Gottlob (1774-1818), MüllermeisterMEva Rosina, geb. Kunath, verw. Künzel (1769-1813)GEva Henrietta (1808-1811)1839 Thekla, geb. Herrmann (1815-1871)SAlexander Erwin (1841-1901), königlich sächsischer Landbauinspektor, Professor für Architektur an der TH Darmstadt; Richard (1844-1871), OffiziersanwärterTEugenie (1842-1862)
GND: 132040409

M. war ein sächsischer Baumeister und Architekt, der u.a. die steinerne Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz sowie den Turm der Dreikönigskirche in Dresden erbaute. – M. wuchs als Vollwaise auf, hatte aber einen großzügigen Vormund, der ihm den nötigen Schulbesuch ermöglichte. Bereits im August 1823 wurden seine ersten Architekturzeichnungen in der Dresdner Kunstausstellung gezeigt. Nachdem er zunächst eine Lehre als Mühlenbauer begonnen hatte, studierte M. schließlich bis 1833 Architektur bei Joseph Thürmer in Dresden. Während dieser Zeit arbeitete er auch als Maurer. Noch 1833 entschloss er sich, eine größere Bildungsreise nach Bayern und Italien zu unternehmen. Ende 1834 nach Dresden zurückgekehrt, wurde M. bei Gottfried Semper vorstellig. Dieser beschäftigte ihn ab Frühjahr 1835 u.a. mit Zeichnungen für das neue Hoftheater. Zeitweilig arbeitete er zudem für den späteren Hofbaumeister Otto von Wolframsdorf, der mit der Innenarchitektur des Dresdner Schlosses beauftragt war. – Am 14.9.1837 bewarb sich M. um die Stelle eines Landbauassistenten, die er am 10.10.1837 antreten konnte. In dieser Position reiste er noch im selben Monat nach Hohnstein, Mittelndorf, Ottendorf, Hinterhermsdorf, Sebnitz, Langburkersdorf und Ehrenberg, um die dortigen Staatsgebäude zu besichtigen, auszumessen und zu beschreiben. Neben dieser Tätigkeit arbeitete er weiterhin mit Semper zusammen. – Am 1.12.1842 wurde M. zum königlichen Landbaukondukteur im ersten sächsischen Landbaubezirk ernannt, ehe er am 1.2.1846 zum Landbaumeister für den vierten sächsischen Landbaubezirk befördert wurde. Die bedeutendste Aufgabe seines Wirkens war der Bau einer neuen Basteibrücke, die nach M.s Entwürfen zwischen 1849 und 1851 errichtet wurde. Zusammen mit Landbaumeister Karl Moritz Haenel begann M. am 20.2.1853 die Arbeit am Turm der Dresdner Dreikönigskirche, der 1857 fertiggestellt wurde. 1862 übernahm M. als Landbaumeister den ersten sächsischen Landbaubezirk mit Dresden, Pirna, Dippoldiswalde, Freiberg, Frauenstein, Altenberg, Tharandt und Nossen. – Das letzte große Bauwerk, welches M. entwarf, war die Königliche Turnlehrer-Bildungsanstalt in Dresden. Die gesamte Anlage entsprach den modernsten Anforderungen ihrer Zeit und nahm etwa 700 Turnschüler auf. Die feierliche Einweihung fand nach einjähriger Bauzeit am 7.7.1863 statt. Nur vier Monate später verstarb M. an Tuberkulose.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Finanzarchiv; Nachlass M., Privatbesitz I. Marx.

W  Basteibrücke, Sächsische Schweiz, 1849-1851; Turm der Dreikönigskirche, Dresden-Neustadt, 1853-1857; Königliche Turnlehrer-Bildungsanstalt, Dresden-Altstadt, 1862/63 (1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört).

L  Die Einweihung der neuen Turnlehrer-Bildungsanstalt zu Dresden, in: Neue Jahrbücher für die Turnkunst 9/1863, S. 204-215, M. Kloss, Zweiter Bericht über die Königliche Turnlehrer-Bildungsanstalt zu Dresden, in: ebd. 10/1864, S. 65-78; A. Fels, Die Bastei-Brücke, in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 2001, H. 3, S. 10-15; ders., Der Königlich Sächsische Landbaumeister Frommherz Lobegott M., in: ebd. 2003, H. 1, S. 44-48; ders., Die Bastei-Brücke und ihr Architekt Frommherz Lobegott M., Mügeln 2004.

P  Frommherz Lobegott M. als königlich sächsischer Landbaumeister, Franz Hanfstaengl, um 1855, Fotografie, Privatbesitz I. Marx (Bildquelle); Frommherz Lobegott M., Ernst Moritz Xaver Hähnel, bronzenes Reliefbild auf M.s Grabstein, 1866, Dresden, Alter Annenfriedhof.



Andreas Fels
21.2.2011


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Fels, Marx, Frommherz Lobegott, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.3.2017)

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